Dietikon
Er schaffte es untrainiert auf den Schwimmer-Thron

Der Dietiker Martin Romer überseine denkwürdigste Leistung als Schwimmer im Sommer 1983. Er sprang bei den Schweizer Meisterschften ein und erzielte zur Überraschung Vieler ein hervorragendes Resultat.

Raphael Biermayr
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Martin Romer im Zentrum von Dietikon mit einer Aufnahme von der Schweizer Meisterschaft 1983.

Martin Romer im Zentrum von Dietikon mit einer Aufnahme von der Schweizer Meisterschaft 1983.

Raphael Biermayr

Im Frühjahr hatte ich meine Schwimmkarriere in Uster eigentlich beendet. Meine Freundin, die später meine erste Frau wurde, war mir wichtiger. Kurz vor den Schweizer Meisterschaften kamen meine ehemaligen Kollegen auf mich zu und fragten, ob ich nicht Lust hätte, in der Lagen- und Crawlstaffel mitzuschwimmen, sie hatten einen Mann zu wenig dafür. Ich sagte zu, unter der Bedingung, dass ich mein ganzes Programm schwimmen darf, also auch 50 und 100 Meter Crawl sowie 100 Meter Delphin.

Damals war Genève Natation das Mass der Dinge in der Schweiz. Wir bemerkten während der Wettkämpfe aber, dass die Genfer nicht fit genug waren. Denn es standen die Europameisterschaften in Rom vor der Tür, die waren der eigentliche Höhepunkt für sie. Wir sagten uns: Wenn wir sie schlagen wollen, dann jetzt.

Ich schwamm als Zweiter. Neben mir am Start stand Dano Halsall. Er schnaubte und stampfte, denn mein Kollege hatte vorgelegt gegenüber dem ersten Genfer. Alle dachten, ich würde den Vorsprung einbüssen, untrainiert wie ich war, schliesslich hatte ich vier Monate lang kein Wasser mehr gesehen. Doch ich baute ihn sogar aus gegen Halsall, der später Vizeweltmeister über 50 Meter Crawl wurde und einen neuen Weltrekord aufstellte.

Am Ende war jeder von uns über sich hinausgewachsen. Wir holten Gold und verpassten um Haaresbreite den Schweizer Rekord. Die Schwimmwelt freute sich mit uns, denn die Genfer traten bisweilen arrogant auf.

Ich kam mit insgesamt fünf Medaillen nach Hause, es waren die erfolgreichsten Schweizer Meisterschaften meiner Karriere. Daraufhin wurde ich für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles nominiert. Ich hätte mit den Teamkollegen ein paar Wochen in Kalifornien verbringen dürfen, um mich darauf vorzubereiten. Meine Freundin konnte es allerdings nicht haben, wenn ich erfolgreich war, und machte Theater.

Ich verzichtete deshalb auf die Olympischen Spiele. Wenn ich in meinem Leben einen Fehler gemacht habe, dann diesen. Vor der Hochzeit mit meiner heutigen Frau habe ich mit Nachdruck darum gebeten, dass wir uns irgendwann an Olympischen Spielen alle Schwimmwettkämpfe ansehen – quasi als Ersatz für diese ausgelassene Chance.