Sgraffito-Arbeiten
Er ritzt das Leben in den Mörtel: Stoislav Zivkovski

In der Dietiker Stadtbibliothek zeigt Stoislav Zivkovski seine Sgraffito-Arbeiten, die er in Spreitenbach anfertigt.

Cynthia Mira
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Das Werk «Bezwinger» ist eines von über 30, das Stoislav Zivkovski zurzeit in der Stadtbibliothek Dietikon ausstellt.

Das Werk «Bezwinger» ist eines von über 30, das Stoislav Zivkovski zurzeit in der Stadtbibliothek Dietikon ausstellt.

Cynthia Mira
Stoislav Zivkovski

Stoislav Zivkovski

Cynthia Mira

Es sind Bilder zum Anfassen, die momentan in der Stadtbibliothek Dietikon ausgestellt sind und noch bis Ende September auf zwei Etagen in den Räumen an den Wänden hängen. Am Samstag fand dazu eine kleine Vernissage statt und der Urheber der Werke, Stoislav Zivkovski aus Spreitenbach, erklärte seine Gedanken, die hinter den 34 ausgestellten Sgraffito-Arbeiten stecken.

Es sind die grossen Themen, die Zivkovski zeichnerisch auf Mörtel anbringt, bevor er das Material Stück für Stück wegritzt. So berichten die Bilder etwa von den Schattenseiten des Erfolgs, die er mit Strichmännchen darstellt, oder von der Liebe. Auch eine eigene Version von Leonardo da Vincis «Mona Lisa» ist in seiner Sammlung zu finden. Daneben gibt es einige Landschaftsbilder, wobei auch der Egelsee zu erkennen ist. Weiter wird die Kinderecke der Bibliothek momentan durch verschiedene Tiermotive in ein farbiges Ambiente getaucht.

Die Werke seien ähnlich wie eine Skulptur zu betrachten und und wichtig sei es, dass sie von nächster Nähe angesehen werden, denn nur so erkenne man die Berge in der Abendsonne und wie sie je nach Perspektive in einer anderen Farbe schimmern, sagte Zivkovski.

Seine Technik hat ihren Ursprung im Engadin

Unter Sgraffito wird jene Kratztechnik verstanden, die von angefertigten Symbolen und Mustern an Hausfassaden im Engadin bekannt ist. Sie wird auch Ritztechnik genannt, weil eine oberste Schicht abgespachtelt wird, sodass durch die herausstechende Farbe darunter die Dekoration möglich wird. Es ist jene Technik, die auch Zivkovski im Graubünden an den Häusern benutzt hatte. Seit rund zehn Jahren macht er hobbymässig auch Sgraffito-Arbeiten im Kleinformat.

Hierfür verwende er eine Holzplatte und versehe diese mit einer Haftbrücke, damit der Mörtel aufgetragen werden kann, um dann mit einem Spachtel die Themen herauszuarbeiten, erzählte er.

Wenn ein Fehler passiere, dann könne dieser sehr einfach wieder repariert werden. Hervorgehoben werden die Bilder schliesslich durch eine edle Einrahmung, denn Zivkovski holt sich für den Rahmen jeweils sehr altes Holz aus St. Moritz, welches mindestens 200 Jahre alt sein muss.

«Was macht er denn da schon wieder?», fragten sich Ines und Rolf Stähle des Öfteren, wenn auf dem Balkon des Nachbarn vis-à-vis gewerkelt wurde und entsprechender Lärm zu hören war. «Wir hörten so oft, wie er arbeitet, und waren immer neugierig, was er da wieder schreinert, werkelt oder schleift», erzählte Ines Stähle. Sie sind die direkten Nachbarn von Zivkovski in Spreitenbach.

Aus Neugier heraus erschienen sie gemeinsam mit der Tochter Christina zur Vernissage, um zu erfahren, was auf dem Nachbarsbalkon alles so entsteht, denn wirklich kennen würden sie sich nicht. «Die Bilder sind wirklich toll», sagten sie einstimmig nach der kleinen Führung.

Er träumt von einer eigenen Galerie

Geboren ist Zivkovski 1951 in Mazedonien. Nach seinem Chemiestudium ging er seiner wirklichen Leidenschaft nach: «Das Mauern war schon immer die Arbeit, die ich machen wollte und von Chemie wollte ich gar nichts mehr wissen», erzählte er. Nach einer absolvierten Mauermeisterschule in Deutschland und weiteren Ausbildungen auf dem Gebiet wurde er in den 1980er-Jahren selbstständiger Bauunternehmer in Jugoslawien.

Danach führte sein Weg in die Schweiz, wobei er seit rund 30 Jahren in der Region lebt, seit 12 Jahren in Spreitenbach. Seine Frau Sebrenka, mit der er 47 Jahre verheiratet ist, organisierte den Apéro und auch seine Enkelkinder erschienen zur Vernissage. Sein Wunsch sei es, eines Tages in Spreitenbach eine eigene Galerie mit den Werken zu eröffnen, sagte er.