Uitikon
Er rannte bis zu seinem Tod mit 97 Jahren der Konkurrenz davon – jetzt läuft Charles Eugster im Kino

Der im April mit 97 Jahren verstorbene Hochleistungssportler Charles Eugster aus Uitikon ist Protagonist in einem neuen Dokumentarfilm mit dem Namen «Aktiv ins Alter».

Gabriele Heigl
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Charles Eugster
5 Bilder
Start: Flink wie ein Wiesel startet Eugster zu einem weiteren Trainingslauf.
Training gehört dazu: Eugster im Kraftraum.
Das Krafttraining bereitet ihm offensichtlich Freude.
Egal ob Liegestützen oder Rumpfbeugen - Eugster ist sich für nichts zu schade.

Charles Eugster

Sandra Ardizzone

Charles Eugster inspiriert über seinen Tod hinaus die Menschen. Er ist einer der Hauptdarsteller in dem Dokumentarfilm «Aktiv ins Alter», der am 7. September in die Kinos der Deutschschweiz kommt.

Ende April ist der Uitiker Zahnarzt, Autor und Leichtathlet im Alter von 97 Jahren an Herzversagen gestorben. Gelebt hat er nach dem Motto: «Alter ist nur eine Zahl», wie auch eines seiner Bücher heisst. Das war seine Devise. Erst mit über 60 Jahren begann er mit Leistungssport, erst Rudern, später Sprintrennen.

Seine Motivation: Etwas gegen den Muskelschwund und für einen «Beachbody» zu tun, um weiterhin die Damenwelt für sich einzunehmen, wie er selbst sagte. Es sei nie zu spät, mit Sport zu beginnen und auch im hohen Alter fit und gesund zu sein, war seine Lebensphilosophie. Und so wollte er auch anderen als Vorbild dienen. Seine sportlichen Erfolge und seine Fitness gaben ihm recht.

Alte Eisen im Sportfieber

Er trainierte hart unter Anleitung einer Trainerin, reiste um die Welt zu Wettkampfveranstaltungen, erzielte einen internationalen Rekord nach dem anderen und sammelte Pokale und Medaillen. Er rastete nicht, um nicht zu rosten, aber zweifellos war das keine Mühsal für ihn, sondern die Herausforderung, die er brauchte.

Der Höhepunkt: 2015 bei den Hallenweltmeisterschaften der Leichtathletik-Senioren in England unterbot er mit 55,48 Sekunden den Weltrekord über 200 Meter in der Kategorie 95 plus um zwei Sekunden. Dabei hatte er gerade erst mit der Sportart angefangen. Keine Frage: Eine solche Lebensgeschichte ist Stoff für einen Kinofilm.

Der Film von Manuel Schweizer (Drehbuch, Regie, Kamera) erzählt die Geschichten über «alte Eisen im Sportfieber», wie sie in der Medienmitteilung genannt werden. Neben Eugster porträtiert Schweizer in seinem Dokumentarfilm vier weitere ältere Menschen, die entschieden haben, entgegen den Erwartungen der Gesellschaft zu leben: den Wasserspringer und Gleitschirmpiloten Peter Roseney (70), den Show-Akrobaten Fredi Lehmann (59), die Orientierungsläuferin Verena Harzenmoser (86) und den Triathleten Sigi Amrein (80). Sie erzählen in eindrucksvollen Geschichten, wie man im Alter allein durch Lebensfreude und Ehrgeiz Berge versetzen kann. Alle fünf sind zu beschäftigt mit ihren sportlichen Zielen, um sich mit dem Altern auseinanderzusetzen.

Auch Jüngeren auf und davon

Dass das auch Jüngeren den Atem rauben kann, hat der Regisseur am eigenen Leib erfahren. «Ich schwamm mit einem 80-jährigen Mann über einen See und hatte Mühe, mitzuhalten. Ich rannte mit einer 86-jährigen Frau durch den Wald, und das lauteste Schnauben auf der Kamera war mein eigenes», so der 29-Jährige.

Über drei Jahre lang hat er die Protagonisten für das Projekt begleitet und konnte so die wichtigsten Emotionen einfangen. In der Medieninfo zum Film wird Charles Eugster zitiert: «Man kann in jedem Alter seinen Körper umbauen, man kann in jedem Alter etwas Neues lernen.»