Eine Horde von Affen bevölkert die Bilder des Dietiker Künstlers Arnold Dürst: Sie sprechen mit dem Tod, trinken Wein, halten unschlüssig eine Erdkugel in den Händen. Mit ihrem Gebaren stellen sie die Irrungen und Wirrungen der Menschheit dar, die Dürst in seinem Werk offenlegt. Ein Affentheater mag der Künstler hingegen gar nicht. Und so wird heute ein feines Mittagessen mit seiner Frau der Höhepunkt seines 80. Geburtstags sein. Keine rauschende Party, keine Sonderausstellung. «Mein Geburtstag ist für mich nichts Spezielles», sagt Dürst, während er in seinem Atelier in Schlieren mit dem Bleistift eine Affenfigur zeichnet. Später wird er sie mit Weichpastell-Kreiden kräftig kolorieren. «Ich will mich vom Diktat der Zeit lösen und mich nicht durch solche Termine stressen lassen», sagt er.

«Schäme mich für die Kunstszene»

Auch als Künstler hat sich der gebürtige Glarner in den letzten Jahren der Öffentlichkeit entzogen. Statt an Vernissagen Beifall zu erheischen und in die Kameras der Lokalreporter zu strahlen, wirkte er täglich still in seinem Atelier, das er mit Orientteppichen und einem Sofa behaglich eingerichtet hat. «Eigentlich möchte ich gar nicht als Künstler bezeichnet werden», sagt der Mann, der sich erst nach vielen beruflichen Umwegen 1988 ganz dem Zeichnen und Malen verschrieben hatte. «Ich schäme mich für die Show und den innovativen Irrsinn in der Kunstszene.»

Das wird in einem der Bilder in seinem Atelier besonders deutlich: Es zeigt einen Affen, der sich selbstgefällig im Scheinwerferlicht einer Vernissage sonnt. Farbbeutel an Leinwände zu werfen oder als Performance-Künstler Tannen in Plastikfolie zu verpacken – das habe er nie gewollt, sagt Dürst: «Meine Gedanken kann ich am besten als Bildgeschichten mit Weichpastell darstellen.» Er bezeichnet sich selbst als «Pedant» und als «Neandertaler». Als einen, der seine mehrheitlich gegenständlichen Sujets nach ästhetischen Grundsätzen aufs Blatt bringt – auch wenn ihm trendigere Techniken mehr Beachtung gebracht hätten. Trotzdem wirkt Dürst zufrieden, wenn er diejenigen Bilder zeigt, die ihm besonders am Herz liegen: der böse Wolf, der die Lämmer zittern lässt, alt Bundesrat Moritz Leuenberger, der als Lustverhinderer die 0,5-Promille-Grenze einführt. «Inhaltlich bin ich moderner als viele andere Künstler», hält Dürst fest. Er schaue voraus: 1998 habe er mit seinem Bild «Shareholder Value» die Raffgier der Wirtschaftsbosse lange vor der Abzocker-Debatte kritisiert, so Dürst.

«Bin etwas braver geworden»

Auch das Altern und der Tod beschäftigen ihn nicht erst, seit sein eigenes Haar grau und die Hände faltig geworden sind. «Das Alter ist ein Drama», sagt er. Der Gedanke, ob und wie es nach dem Ableben weitergeht, treibe ihn um. Eines seiner aktuellsten Bilder zeigt einen Falter – Symbol der Verwandlung – der eine menschliche Seele in die Unendlichkeit des Weltalls trägt.

Weniger tiefsinnig kommen die Bilder mit den Delfinen oder den Vögeln daher, die gerahmt in einer Ecke des Ateliers stehen und vor allem eines sind: schön. «Ich bin vielleicht etwas braver geworden», sagt Dürst. Also doch eine Anpassung an den Publikumsgeschmack? Tatsächlich mache er sich ab und zu Gedanken, dass er wieder mal ein Bild verkaufen sollte, so Dürst. Aber die Hoffnung auf den Durchbruch habe er begraben, «auch wenn es natürlich lustiger wäre, viele Bilder zu verkaufen.»

Eine seiner seltenen Ausstellungen wird Arnold Dürst am 19. März in der Kunstgalerie Bachlechner in Bergdietikon eröffnen. Am liebsten ohne Affentheater.