Dietikon

Er machte es im Schlussgang kurz: Marco Reichmuth gewinnt das Niklausschwinget

Marco Reichmuth jubelt nach seinem Erfolg im Schlussgang gegen Marco Iseli.

Marco Reichmuth jubelt nach seinem Erfolg im Schlussgang gegen Marco Iseli.

Ein Jahr nach Bruder Pirmin gewinnt Marco Reichmuth das 82. Niklausschwinget in der Dietiker Stadthalle.

Es waren nicht die hochgehandelten «Eidgenossen», die am vergangenen Samstag dem Ni­klausschwinget ihren Stempel aufdrückten. Keiner der vier gestarteten Eidgenössischen Kranzschwinger konnte sich für den Schlussgang qualifizieren. Es taten dies die Teilverbandskranzer Marco Reichmuth (Cham) und Marco Iseli (Zwieselberg). Dank vier Plattwürfen (Note 10) sowie einem Gestellten gegen Eidgenosse Samir Leuppi stieg der 22-jährige Reichmuth mit einem Viertelpunkt Vorsprung in den Schlussgang. So hätte ihm ein Gestellter für den Sieg gereicht.

Der Chamer suchte vor 900 Zuschauern dennoch energisch die Entscheidung und führte diese nach nur 156 Sekunden herbei: Er setzte zu einem unwiderstehlichen Kurzzug an und gewann platt – nochmals eine glatte Zehn. Der jüngere Bruder von Vorjahressieger Pirmin Reichmuth gewann damit zum ersten Mal das Niklausschwinget und behielt den Sieg in der Familie.

Dank an die Familie für die Unterstützung

Nach seinem Erfolg hielt es der Zentralschweizer im Interview wie ein paar Minuten zuvor im Sägemehlring – kurz und knapp. Er dankte seiner Familie für die Unterstützung und sagte: «Ich freue mich darüber, der Nachfolger meines Bruders zu sein.» Dann zog sich der temporäre «König von Dietikon» auch wieder zurück und machte sich für die anschliessende Siegerehrung frisch. Einen Spitzenplatz zugetraut hatte man in erster Linie Andreas Döbeli, dem «jungen Wilden» aus dem Aargau. Doch der 21-jährige Neo-Eidgenosse zog einen rabenschwarzen Tag ein und gewann nur zwei Gänge (bei vier Gestellten). «Ich bin überhaupt nicht zufrieden», bilanzierte Döbeli mürrisch, «ich war müde von vielen harten Trainingseinheiten. Schon vor dem ersten Gang merkte ich, dass das nichts geben wird.» Eigentlich hätte er gar nicht antreten sollen, gab der Nordwestschweizer freimütig zu. Immerhin schaffte er mit Rang 8d gerade noch die Auszeichnung. Jetzt sei erst mal eine Wettkampfpause angesagt, so Döbeli weiter. Den traditionellen Berchtold-Schwinget in Zürich am 2. Januar 2020 lasse er mit Bestimmtheit aus. «Ich werde wohl erst wieder Ende März am Hallenschwinget in Brunegg am Start stehen», sagte er und verschwand unter die Dusche.

Unterschiedlich lief es den drei Lokalmatadoren vom veranstaltenden SK Glatt- und Limmattal. Der erst 17-jährige Hüttiker Stefan Zemp stieg mit einem Sieg gegen den um ein Jahr älteren Remo Käppeli (Uetikon am See) in den Wettkampf, verlor danach jedoch nur noch und klassierte sich schliesslich im 79 Schwinger umfassenden Feld auf Rang 19b. Luca Pallaoro (22) aus Oberengstringen kam mit zwei Siegen, einem Gestellten und drei Niederlagen auf Position 16a. Am erfolgreichsten schnitt der 32-jährige Routinier Thomas Kammermann ab. Er gewann drei Gänge, stellte einmal und verlor zweimal, damit beendete er das ­Ni­klausschwinget auf Rang 7c. Erwartungsgemäss war dies die Abschiedsvorstellung von Kammermann, der Luzerner in Limmattaler Diensten beendete vorgestern seine Karriere.

Weil mit insgesamt 79 Schwingern ein kleines Teilnehmerfeld am Start war, entschieden die Veranstalter, auf den sogenannten Ausstich zu verzichten und stattdessen alle, die sechs Gänge absolvieren, zu lassen. Doch auch so musste der Schlussgang um eine Stunde vorgezogen werden. Nach der Siegerehrung mit Trychlern und Geisselchlöpfer zog OK-Chef Ralph Hofer ein durchwachsenes Fazit: «Es war ein gelungener Anlass heute, alles ist nach Plan gelaufen. Doch leider habe ich auf den Sitzplätzen wenig Leute aus Dietikon gesehen. Das ist schade.» Und zum steten Zuschauerrückgang – am Samstag waren es nach offiziellen Angaben noch 900 Besucher, nach über 1000 im Vorjahr – meinte Hofer: «Das ist eine schwierige Frage. Wir hoffen, dass in Zukunft wieder mehr Leute an unseren Anlass kommen werden.» Ein Auslaufmodell sei das Dietiker Niklausschwinget in keiner Weise, betonte Hofer. Man müsse innovativ bleiben.

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