Dietikon

Er macht die Geschichte seiner Heimat für jedermann zugänglich

Der Dietiker Sven Wahrenberger interessiert sich für die geschichtlichen Zusammenhänge, die sich bis ins heute auswirken.

Der Dietiker Sven Wahrenberger interessiert sich für die geschichtlichen Zusammenhänge, die sich bis ins heute auswirken.

Sven Wahrenberger digitalisiert für das Dietiker Ortsmuseum tausende Bilder, die Josef Hinder einst katalogisierte.

Kaum einer kennt die Dietiker Vergangenheit so gut wie Sven Wahrenberger. Er ist mit seinen jungen 28 Jahren bereits seit vier Jahren als Mitglied der Kommission für Heimatkunde im Dietiker Ortsmuseum tätig. In dieser Tätigkeit half er 2017 als Masterstudent bei der Kirchenschatzausstellung der St. Agatha mit ihren kostbaren Monstranzen und Kelche mit. Die Ausstellung wurde damals im Pfarreizentrum der katholischen Kirche organisiert. Mittlerweile hat er sein Masterstudium an der Universität Zürich abgeschlossen.
Als Historiker taucht er in jene Lebensumstände ein, die weit vor unserer Zeit liegen. Das Faszinierende an seinem Beruf seien die Ergründungen der politischen und wirtschaftlichen Bedingungen, die in einer bestimmten Epoche vorgeherrscht hatten. «Es ist immer spannend, zu sehen, welche Ursachen mit diesen Lebensumständen zusammenhängen und wie stark sich die damaligen Systeme noch auf die heutige Zeit auswirken», sagt er. Zudem verfasse er gerne historische Berichte: «Das Schreiben liegt mir sehr.»

Masterarbeit über den römischen Gutshof

Schon mehrmals hat Wahrenberger geschichtliche Begebenheiten der Stadt Dietikon aufgerollt und die Resultate in Ver­öffentlichungen verständlich auf den Punkt gebracht. So geschehen in seiner Masterarbeit, die er dem römischen Gutshof Dietikon widmete und die später zur Grundlage seines Beitrages im aktuellen Dietiker Neujahrsblatt 2020 wurde. Ein Jahr lang ging Wahrenberger der Fragestellung nach, welche räumlichen und wirtschaftlichen Funktionen ein römischer Gutshof aufwies. Dafür nahm er jenen, der in Dietikon 300 Jahre lang bewirtschaftet wurde, als Ausgangslage.
Der Gutshof Dietikon gehörte zu den grössten und am besten untersuchten römischen Höfen in der Schweiz und wurde um zirka 20 nach Christus erbaut. Seine Recherchearbeiten für seine Abschlussarbeit haben ihn im Zusammenhang mit der Dietiker Geschichte am meisten fasziniert, sagt Wahrenberger. Etwas fad sei hingegen das Rezept für Puls, den traditionellen Getreidebrei der Römer. Ein Gemisch aus Weizen, Wasser, Salz und Milch. «Den müsste man etwas aufpeppen», meint er.
Bereits 2010, als er noch Schüler in der Kantonsschule Limmattal war, ging Wahrenberger im Rahmen des Projektes «Jugend und Wirtschaft» einer Dietiker Geschichte nach: Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hatte im Anschluss seinen Beitrag zur Dietiker Kaffeerösterei Ferrari publiziert. Ein Handelsschuldiplom mit späterer Anstellung bei einer Bank, wie es seine Mutter einst absolviert hatte, kam für ihn nie in Frage. «Um Gottes willen, nein», sagt er und lacht. Mit Zahlen könne man ihn jagen. Er hat die Matura mit Schwerpunkt Latein absolviert. «Nach sechs Jahren versteht man diese Sprache recht gut», sagt er. Eine nicht ganz einfache Sprache mit unterschiedlichen semantischen Bedeutungen, die sich je nach Zusammenhang im Text erst ergeben. Die Kenntnis helfe ihm natürlich bei seiner Arbeit.

Vielleicht führt sein Weg zurück zur Kantonsschule

Trotz seiner Leidenschaft für Historisches, die er bereits als Kind zum Ausdruck brachte, steht für ihn noch eine Zusatzausbildung an: «Ich möchte zusätzlich zum Master auch das Lehrerdiplom machen und als Geschichtslehrer an Gymnasien unterrichten», sagt er. Es diene ihm als zweites Standbein. «Es wäre schön, wenn ich dafür dereinst in die Kantonsschule Limmattal zurückgehen könnte.» Ein fernes Ziel sei aber auch noch ein ganz anderes. «Es wäre genial, im Landesmuseum oder im Staatsarchiv zu arbeiten.»
Im Moment sei die Arbeit im Ortsmuseum aber optimal für ihn. «Ich bin sehr zufrieden und wurde extrem gut aufgenommen.» Die Atmosphäre sei hervorragend. So habe er auch während des Studiums immer wieder Unterstützung von den Kommissionsmitgliedern erhalten. «Ich kann so viel arbeiten, wie mir es die Zeit erlaubt und so konnte ich auch die Ausbildung machen.» Diese Freiheit schätze er sehr.

In den Wandschränken lagern Fotografien

Seit einem Jahr warten nun gut 25000 Fotografien darauf, von Wahrenberger digitalisiert zu werden. «Das ist eine rechte Büez, aber wiederum sehr spannend», sagt er. Er habe mittlerweile einen guten Überblick, welche Schätze in den fein säuberlich sortierten Kartonkisten im Wandschrank liegen. Die Bilder habe einst Josef Hinder für das Archiv des Ortsmuseums hervorragend katalogisiert und abgelegt, sagt er. Rund 4000 Bilder davon sind mittlerweile digital verfügbar. «Man bekommt rasch einen Überblick über das Ganze», sagt er. Dennoch gäbe es Dinge, die zusammengehörten, aber aufgrund des Ordnungssystems in unterschiedlichen Kartons untergebracht seien. «Wenn ein Restaurant zum Beispiel mit einer Strasse in Verbindung steht, dann ist dieses Foto trotzdem unter dem Begriff Gasthof abgelegt», sagt er. Gewisse ­Zusammenhänge erkenne man deshalb erst, wenn man wisse, was überhaupt alles ­vorhanden sei.

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Autor

Cynthia Mira

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