Dietikon

Er lebt seinen Traum als Organist: «In der Messe improvisiere ich fast alles»

Bernhard Hörler ist seit 40 Jahren Organist in Dietikon, seit 25 Jahren spielt er in der katholischen Stadtkirche St. Agatha.

Seit dem Jahr 1994 lernte die Dietiker Kirche St. Agatha vier verschiedene Pfarrer kennen, der Organist blieb über all die Jahre jedoch derselbe. Bernhard Hörler feiert heute Abend sein 25-jähriges Jubiläum als Hauptorganist der katholischen Stadtkirche.

«Wenn ich am gleichen Ort bleibe, dann kann ich auch etwas bewirken», begründet Hörler seine langjährige Tätigkeit in Dietikon. Ausserdem besässe die St. Agathakirche auch einfach eine besonders schöne Orgel. «Zwischen Zürich und Lenzburg gibt es keine grössere Orgel», sagt der Musiker. «Der Hausherr eines so tollen Instruments zu sein, macht mich natürlich stolz.»

An der St. Agathaorgel spielte Hörler bereits als kleiner Junge seine ersten Töne. Mit neun Jahren nahm er seine ersten Orgelstunden bei der Organistin Hildegard Haeseli und mit elf Jahren begleitete er bereits selber Schülermessen in der St. Josefskirche in Dietikon. Sein Wunsch, selber einen Gottesdienst musikalisch mitzugestalten, wurde mit fünf Jahren geweckt. Als er mit seinen Eltern einen Gottesdienst in der St. Josefskirche besuchte, bewunderte der kleine Junge den Organisten auf der Empore.

Heute hat der erfahrene Orgelspieler selber rund 650 Einsätze im Jahr und feiert im Alter von nur 50 Jahren sein 40-jähriges Jubiläum als Dietiker Organist. «Ich sehe es eigentlich nicht als Beruf, sondern eher als Berufung», so Hörler. «Ich sage auch nicht, ich gehe arbeiten, sondern ich gehe Musik machen.»

Turbulenter Start

Seit seinem frühen Karrierestart war Hörler bereits Organist in Dietikon, Urdorf, Oberengstringen und im Spital Limmattal. Seinen Posten in der St. Agathakirche trat er offiziell am 1. Januar 1994 an. Gebraucht wurde er kurzfristig aber schon an Heiligabend 1993, weil der Organist der Kindermesse ausfiel.

Obwohl Hörler gerade noch unter der Dusche war, als das Telefon kurz vor Beginn der Messe läutete, setzte er sich kurzerhand auf seine Vespa und absolvierte seinen ersten Einsatz für die St. Agathakirche ohne jegliche Vorbereitung. Für die Begleitung der Messen braucht er jedoch selten besondere Musik-Literatur. «Im Gottesdienst improvisiere ich fast alles.

Als Organist sollte man sich auf den Text des Pfarrers einlassen. Ich kann am Passionssonntag beispielsweise kein fröhliches Vogelgezwitscher spielen.» Ausserdem müsse er die Dauer seines Orgelspiels immer dem Gottesdienstgeschehen anpassen. «Ein Stück kann nicht einfach fertig sein, bevor der Einzug des Priesters und der Ministranten beendet ist», erklärt Hörler. Oft komponiert er auch eigene Stücke oder arrangiert bestehende Literatur für die Messe.

Organist mit Leib und Seele

Der Dietiker hat sein ganzes Leben der Orgel verschrieben. «Als Organist einer Kirche ist man sehr eingeschränkt», sagt Hörler. «Wenn man sonntags am Mittag einen Gottesdienst begleitet und am Abend den nächsten, bleibt dazwischen nicht viel Zeit für Ausflüge oder sonstige Aktivitäten.»

Sein Privatleben richte sich nach seiner Tätigkeit in der Kirche. Dies erkläre auch, weshalb die Kirchgemeinden vermehrt auf der Suche nach Orgelspielern seien. Es gäbe nicht weniger Organisten, sondern einfach nur wenige, die sich verpflichten wollten, meint Hörler.

Er selbst lebt seinen Traumberuf jedoch mit Leib und Seele. «Ein Gottesdienst gibt mir immer etwas zurück. Die Freude der Besucher an meinem Orgelspiel erfreut mich selber», sagt der Musiker. Um die Orgel den Leuten auch ausserhalb der kirchlichen Anlässe näher zu bringen, hat Hörler 2002 die Feierabendmusik ins Leben gerufen.

«Die Orgel kommt sonst nur an den Gottesdiensten und an vereinzelten Konzerten zum Einsatz», meint der Organist. Seit bald 17 Jahren werden Musik-Begeisterte jedoch fast jeden Freitagabend mit einem besinnlichen, zwanzigminütigen Orgelspiel verwöhnt.

Heute Abend feiert Hörler in der ersten Feierabendmusik des neuen Jahres mit einem einstündigen Weihnachtsprogramm sein 25-jähriges Jubiläum als Hauptorganist der St. Agathakirche.

«Es macht einfach Freude, hier zu arbeiten, je länger, desto mehr.» Deshalb habe er auch vor, noch lange in der Stadtkirche zu bleiben und wenn möglich weit über die Pensionierung hinaus Gottesdienste musikalisch mitzugestalten.

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Autor

Flavia Lehmann

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