Dietiker Limmatuferweg
Er kennt das Fischer-Paradies am besten – auch die gefährlichen Stellen

Viele Fischer schätzen den Dietiker Limmatuferweg wegen seiner Vielfalt. Keiner kennt dieses Gebiet so gut wie Denis Moritz. Das schönste Erlebnis beim Fischen hatte er in Schottlands Wildnis. Doch auch an die Limmat zieht es ihn immer wieder.

Senada Haralcic
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Denis Moritzi fischt auch nach vielen Jahren noch gerne im Dietiker Fischrevier.

Denis Moritzi fischt auch nach vielen Jahren noch gerne im Dietiker Fischrevier.

Senada Haralcic

Herr Moritzi, Sie sind mit 24 Jahren ein eher junger Fischer. Wie kommt es, dass sich jemand in Ihrem Alter für diese eher traditionelle Sportart interessiert?

Denis Moritzi: Ich fische, seit ich ein kleiner Bub bin. Ich begleitete meinen Vater stets beim Fischen – es ist also eine kleine Familientradition. Mit sechs Jahren habe ich dann selbst angefangen, aktiv zu fischen und bis heute fasziniert es mich. Ich kann mich damit gut identifizieren und ich liebe es sehr, in der Natur zu sein.

Als ich beim Fischereiverein 1883 Zürich nachfragte, hiess es, dass Sie sich von allen Fischern am besten auskennen im sogenannten «Hausrevier Limmat 364», das in Dietikon zwischen dem Stauwehr und dem Altlauf nahe der Grenze zu Spreitenbach liegt. Wie kommt das?

Ich bin in Dietikon aufgewachsen und kenne sozusagen jede Ecke dieses Reviers. Ausserdem fische ich hier oft und gerne, weil das Revier quasi vor meiner Haustür liegt.

Fischen Sie nur gerne in diesem Revier, weil es vor Ihrer Haustür liegt?

Nein, dafür gibt es viele Gründe. Dieses Revier ist ein kleines Fischer-Paradies. Hier gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, die Fischerpassion auszuleben. Beispielsweise fliesst im Kanal abwärts der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) das Wasser relativ schnell, was fantastisch für das Fischen von Äschen und Bachforellen ist. Dann hat es den Altlauf, bei dem eine relativ schwache Strömung herrscht. Dort kann man mit der Wathose in der Mitte des Flusses stehen. Allgemein bietet das Revier eine Vielfalt an Möglichkeiten zum Fischen.

Sind die Fischarten in der Region auch so vielfältig?

Ja, auf jeden Fall. Hier sind viele Fische beheimatet. Da hat es beispielsweise die Bachforelle, den Hecht, Egli und die schöne Äsche. Letztere ist ein typischer Flussfisch, den es etwa im Zürichsee nicht gibt. Dann gibt es auch noch Weissfische, Döbel, Barben und Rotaugen. Ich denke da hat man schon eine grosse Vielfalt an Fischen für ein solch überschaubares Revier.

Auf der Homepage des Vereins steht aber auch, dass das Fischen in diesem Revier «nicht ungefährlich» ist. Wie ist das zu verstehen?

Damit meinen wir, dass in unserem Revier einfach dort Vorsicht geboten ist, wo es eine relativ starke Strömung hat. Besonders als Anfänger oder Jungfischer sollte man sich dann nur in Begleitung eines erfahrenen Fischers an solche Stellen begeben.

Können Sie Beispiele für solche kritische Stellen nennen?

Im Kanal abwärts der EKZ oder auch beim Stauwehr, wo unser Revier anfängt. Sobald dort eine Schleuse geöffnet wird, kommt eine riesige Welle, da sollte man als Fischer besser aufpassen, dass man nicht gerade mit der Wathose mitten im Fluss steht.

Ist Ihnen schon mal etwas beim Fischen passiert?

Nein, zum Glück noch nie.

Was war das eindrücklichste Erlebnis, das Sie beim Fischen hatten?

Ich war im September in Schottland auf den Äusseren Hebriden. Es war in der puren Wildnis, überall unberührte Natur. Ich habe dann an einem kleinen See – also einem sogenannten «Loch» – gefischt. Es war eine unglaubliche Erfahrung zu wissen, dass man der erste Fischer ist, der an diesem unberührten Loch den Köder ins Wasser wirft. Das war schon sehr eindrücklich und natürlich war die Landschaft an sich atemberaubend. Da gab es ausser mir und meinen Fischerkollegen keine Menschenseele weit und breit.

Also ganz anders als am Limmatuferweg, wo viele Spaziergänger entlang schlendern. Ist das für Fischer problematisch, weil beispielsweise ein gewisser Lärmpegel herrscht?

Nein, Spaziergänger stören uns ganz und gar nicht. Die meisten interessieren sich für das Fischen und stellen Fragen oder Grüssen einfach freundlich.

Gibt es denn Spaziergänger, die sich an den Fischern stören?

Das ist auch schon vorgekommen, aber sehr selten. Mit Reden erledigen sich solche Dinge meist von selbst. Eigentlich wird unsere Tätigkeit geschätzt, denn als Fischer setzen wir uns auch für den Unterhalt des Reviers ein und tragen somit zum Naturschutz bei.

Und wie sieht das dann aus?

Beispielsweise sorgen wir für einen gesunden Fischbestand in der Region. Zwei Mal im Jahr – jeweils im Frühling und im Herbst – setzen wir Sömmerlinge in die Limmat ein.

Sömmerlinge?

Ja, das sind kleine Fische, die gerade einen Sommer alt sind. Es ist die junge Fischbrut von Forellen und Aeschen, die wir in die Limmat einsetzen. So können wir sicherstellen, dass uns diese Fischarten erhalten bleiben. Und damit sie sich wohlfühlen, sorgen wir auch dafür, dass die Limmat sauber bleibt. Dazu planen wir immer wieder Putzaktionen.

Und was finden Sie alles bei solchen Putzaktionen?

Velos, Altmetall, Plastik, PET-Flaschen, Bierdosen – leider alles Mögliche.

Hatten Sie als Fischer auch schon einen Schuh am Haken?

Nein (lacht), so schlimm ist es in der Limmat dann doch nicht. Grundsätzlich ist sie sehr sauber, sonst gäbe es auch keine Forellen und Äschen, denn diese bevorzugen sauberes Wasser. Aber den einen oder anderen Plastiksack hatte ich leider auch schon am Haken.

Fischereiverein 1883

Wie der Name verrät, gibt es den Fischereiverein 1883 Zürich bereits sehr lange – er ist der älteste unabhängige Fischereiverein in der Schweiz und hat etwa 100 Mitglieder. Davon hat rund die Hälfte eine Jahreskarte im «Hausrevier Limmat 364». Dieses liegt in Dietikon und beginnt unterhalb des Stauwehrs beim Kraftwerk und endet etwas unterhalb der Reppischmündung, nahe der Grenze zu Spreitenbach. Unter Fischern ist dieses Gebiet beliebt, weil es eine grosse Artenvielfalt bietet.Mehr Infos unter: www.fvz1883.ch (sen)

Zurück zu Fischen am Haken; wie lange war Ihr bisher grösster?

Erst letzte Woche hatte ich meinen grössten Fang. Es war ein 70 Zentimeter langer Hecht, den ich im Zürichsee gefangen habe.

Was denkt ein Fischer eigentlich, während er auf den Fang wartet?

Nun, ich bin schon eher ein aktiver Fischer und sitze nur selten ruhig da und warte. Aber wenn, dann denke ich über ganz normale Dinge nach. Beispielsweise über das Geschäft, die Schule und Familie. Ich bin Teilzeitstudent und arbeite noch nebenbei. Das Fischen ist eine schöne Abwechslung zum vollgepackten Alltag.

Hat das Fischen für Sie also etwas Beruhigendes?

Diese Aussage würde ich sofort unterschreiben. Ich war in jungen Jahren ein kleiner Zappelphilipp und sehr aktiv. Das Fischen war für mich stets ein schöner Ausgleich. Es ist eine gute Gelegenheit, seine Konzentration zu verbessern und sich in Geduld zu üben. Etwa wenn man den Köder befestigt oder während man wartet, bis ein Fisch anbeisst. Ich kann es jedem nur empfehlen, egal in welchem Alter.