Dietikon

Er ist nicht nur Trainer, sondern auch Videospiel-Figur

Der Taekwon-Do-Weltmeister Hwang Su Il, der auch eine Computerspielfigur ist, gibt Tipps und Tricks.

Bare Füsse trippeln über den Turnhallenboden des Schulhauses Zentral. Weisse Hosen, weisse Jacken, schwarze, gelbe, rote, blaue und grüne Gürtel zieren die Taillen der Männer und Frauen, der Mädchen und Jungen. Sie alle warten auf einen: Hwang Su Il, mehrfacher Weltmeister im TaekwonDo.

Der Japaner, der als Vorbild für eine Figur des Videospiels Tekken 3 fungierte, ist vom Verein Taekwon-Do Schweiz eingeladen worden, um in Dietikon interessierte Kinder und Erwachsene zu trainieren. Das lockte gar Gäste aus Davos und Frankreich an.

Training mit Hwang Su Il

Training mit Hwang Su Il

Während alle Teilnehmer noch auf ihn warten und locker am Plauschen und Üben sind, schleicht sich der Kampfkunst-Star fast unbemerkt in die Turnhalle. Die Vereins-Sekretärin Sandra Guggisberg ruft in der entspannten Atmosphäre «absitzen». Als sie Hwang Su Il entdeckt, fordert sie jedoch gleich wieder: «Aufstehen!» Die zirka 50 Teilnehmer stehen stramm in vier Reihen aufgestellt, die Kinder zuhinterst.

Eine lange Liste mit Erfolgen

In gebrochenem Englisch begrüsst der Sportler alle Anwesenden. Sandra Guggisberg, die als Übersetzerin arbeitet, steht ihm zur Seite, um allfällige Verständigungsschwierigkeiten zu beheben. Danach zählt er koreanisch ein «Hana, dul, set, net, daseot, yeoseot, ilgop, yeodeol, ahop, yeol». Mit jeder Zahl zeigt er eine Bewegung einer Aufwärmübung vor. Die koreanischen Zahlen von eins bis zehn werden im Taekwon-Do oft benutzt. Hwang Su Il lebt zwar in Japan, hat aber koreanische Wurzeln.

Die Vereins-Sekretärin schwärmt vom Gast: Es sei schon etwas ganz Besonderes, einen so bekannten Sportler in der Schweiz zu haben. Es ist aber auch nicht ganz billig: «Schon der Flug von Japan hierher war teuer», sagt Guggisberg. Doch der Verein würde sowieso einmal im Jahr jemanden für ein solches Seminar einladen – es ist einfach nicht immer ein Videospiel-Star.

1992 holte Hwang Su Il seine erste Goldmedaille im Leichtgewicht bei der ITF-Taekwon-Do-Weltmeisterschaft. Zwei Jahre später bekam er Bronze in der Mittelgewichts-Klasse und im Jahr 2000 reichte es wieder für den ersten Platz während der asiatischen ITF-Meisterschaft. 2010 holte er bei den Veteranen-Weltmeisterschaften (für Personen über 40 Jahre) Gold in den Kategorien Sparring und Patterns.

Er hat ein Videospiel bewegt

Dank all seiner Erfolge wurde er 1997 als sogenanntes Motion-Capture-Model (Bewegungserfassung) für das Videospiel Tekken 3 verpflichtet, welches bis heute weltweit mehr als 8,5 Millionen Mal über den Ladentisch ging.

Am Samstagvormittag in der Dietiker Turnhalle ist der Weltmeister ganz entspannt. Er treibt die Teilnehmer zu lustigen Aufwärmübungen an, indem er die Besucher zum Beispiel übereinander drüber hüpfen lässt. «Wie Kängurus», ruft er.

Beim vorgezeigten Spagat stöhnen einige Teilnehmer auf. Hwang Su Il versucht aber mit korrekter Ausführung – also mit geradem Rücken und der Hüfte nach vorne gekippt – seine Schüler zu motivieren. Und er macht ihnen auch Mut: «Ich kam früher genauso wenig runter wie Ihr.»

Vor dem Mittag werden noch einmal die sogenannten Kicks geübt. Für die Kinder ist das Seminar dann zu Ende. Die Erwachsenen durften nach dem Mittagessen noch zum Sparring antreten.

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