Der Mai steht vor der Tür: Dieser gilt als jene Zeit, in welcher besonders viel geheiratet wird; es ist sozusagen die Rush Hour auf dem Weg zum Altar. Wer nicht früh genug plant, muss sich meist auf andere Monate konzentrieren. Doch die kirchliche Hochzeit büsst an Bedeutung ein; nicht wenige Paare wählen eine andere, auf sie zugeschnittene Zeremonie. Es ist ein boomender Markt – das weiss auch der Dietiker Philipp Erne, der seit rund drei Jahren als Zeremonienmeister und freier Redner den Akt der Eheschliessung beruflich gestaltet. Aber mit ihm erklingen nicht nur die Hochzeitsfanfaren: Erne kümmert sich auch um Baby-Willkommensfeiern und um Beerdigungen. «Es sind Situationen, die ein Leben unausweichlich verändern», sagt Erne. Das habe ihn schon immer fasziniert. Weswegen seine Firma auch «Conversion», sprich Verwandlung, heisst.

In der Region ist der 38-Jährige kein Unbekannter. Nicht nur, weil Erne ein waschechter Limmattaler ist – geboren in Schlieren, aufgewachsen in Dietikon –, er ist auch Pastor der evangelischen Freikirche Bewegung Plus in Dietikon. Ursprünglich kommt er jedoch aus einer katholischen Familie und absolvierte eine Lehre als Koch im Winzerhaus in Weiningen. Erst später begann er sich tiefer mit dem Glauben auseinanderzusetzen und erwarb an einem privaten theologischen Institut den Bachelor der Theologie.

Seine Arbeit als Pastor habe aber nichts mit seinem zweiten beruflichen Standbein zu tun, sagt er. Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, schliesslich kümmert er sich um Rituale, die viele Religionen für sich beanspruchen. Doch Erne sagt: «Meine Angebote richten sich speziell an Menschen, die wenig von der Liturgie halten.» Es sei auch nie das Ziel gewesen, an seinen Zeremonien zu missionieren, versichert er – auch wenn «Conversion» in einer weiteren Übersetzung «Bekehrung» bedeutet. «In meinem Beruf gehe ich auf alle Menschen und deren Wünsche offen zu, die sich von meiner Arbeit angesprochen fühlen», so Erne.

Als Cowboy an die Hochzeit

Ein klassischer Wedding Planner sei er nicht, betont er. Solche kümmern sich um eine Hochzeit in allen Belangen, auch praktischer Natur. Erne versteht sich als reiner Zeremonienmeister für die Meilensteine des Lebens, beginnend bei der Geburt – wie Baby-Feiern. Viele frischgebackene Eltern würden sich keine Taufe, aber trotzdem eine Feier wünschen. «Ich gestalte das Fest nach der Vorstellung der Eltern, wenn sie keiner Glaubensgemeinschaft angehören oder das Kind später selbst seinen Glauben wählen soll», so Erne. Letzteres ist allerdings auch die Überzeugung von Bewegung Plus: Jeder soll seine Glaubensentscheidung alleine treffen.

Das Konzept funktioniert auch mit Trauungszeremonien, die den grössten und aufwendigsten Teil seines Angebots einnehmen. «Natürlich finden christliche Werte den Weg in meine Reden», sagt er, da müsse man sich nichts vormachen. Letztlich seien es aber auch Werte der Gesellschaft, wie etwa Treue, Vertrauen und Geduld. Wird Erne angefragt, um eine Traumhochzeit zu leiten, sind die Möglichkeiten vielfältig. «Als Ort stehen Burgen und Schlösser hoch im Kurs, aber auch Themen-Feste.» Er erinnert sich gut daran, als er für eine Western-Hochzeit in ein Cowboy-Kostüm schlüpfen musste.

Zu seinem festen Angebot gehören dabei drei Treffen, die dem Kennenlernen und der Vorbereitung dienen, sowie der Anlass selbst. Hochzeitszeremonien mache er maximal zehn pro Jahr, die Zahl der Anfragen sei aber weit höher. «Ich will mein Angebot nicht verkürzen. Letztlich will ich mich intensiv auf das Paar konzentrieren und ihre Namen nicht nachschlagen müssen.»

Keine gleichgeschlechtlichen Paare

Die Frage, ob Erne auch gleichgeschlechtliche Paare betreuen würde, musste er sich bis anhin nie stellen. Er gerät bei diesem Thema ins Nachdenken. Schliesslich besinnt er sich auf seinen Glauben sowie auf die Einstellung seiner Kirche und sagt, er würde konsequenterweise darauf verzichten: «Sollte eine Anfrage kommen, so werde ich von Beginn weg offen darüber sprechen, und ich denke, dass man meinen Standpunkt verstehen wird.»

Begegnungen mit Verstorbenen

Während Geburten und Hochzeiten für glückliche Momente sorgen, verhält es sich bei Todesfällen anders. Die Planung beginnt relativ plötzlich und wird begleitet von Trauer. «Ein Freund sagte mir einst, dass er mich um meinen schweren Beruf diesbezüglich nicht beneide. Allerdings sehe ich das anders.» Erne spricht dabei von «Begegnungen mit den Verstorbenen»; er richtet eine Abschiedsfeier für einen Menschen aus, den er erst im Tod durch die Worte der Hinterbliebenen kennen lernt. Diesen Menschen will er würdigen und dessen Leben Revue passieren lassen. Es gelte, Abschied zu nehmen. «Da viele Menschen den Bezug zur Kirche verloren haben, ist es aus meiner Sicht auch der falsche Zeitpunkt, um den Glauben an Gott zu klären.»

Erne hat als Pastor sowie als Zeremonienmeister ein volles Programm; als Letzterer ist er bis Ende Jahr ausgebucht. Zeit für ein erfülltes Privatleben findet er dennoch: Mit seiner Frau Pascale und zwei Söhnen lebt er im Altbergquartier. Verheiratet ist das Paar seit 17 Jahren. «Diese Jahre des Ehelebens sind natürlich reich an Erfahrung, was mir wiederum für mein Angebot bei Trauungen hilft. Ich darf behaupten, dass ich weiss, wovon ich rede», sagt er.