Schlieren

Er hat die Familie mit dem Schuhmacher-Gen infiziert

Heinrich Rombach aus Schlieren. MST

Heinrich Rombach aus Schlieren. MST

Es war Zufall, dass Heinrich Rombach Schuhmacher wurde. Dann begann der Beruf ihm richtig Spass zu machen. Mittlerweile sind auch sein Sohn und sein Enkel Schuhmacher.

Heinrich Rombach wuchs mit fünf Geschwistern in St. Peter im Schwarzwald auf, wo Vater Karl als Wirt, Metzger und Bauer tätig war. Eines Tages kam ein feiner Herr aus Freiburg zum Essen ins elterliche Restaurant. Er stellte sich als Besitzer einer etablierten Schuh-Werkstätte vor und stellte ihn vom Fleck weg als Lehrling ein.

Im Betrieb waren 15 Mitarbeiter mit Reparaturen beziehungsweise Neuanfertigungen von Massschuhen beschäftigt. Rombachs Lehrzeit dauerte von Herbst 1947 bis Herbst 1950. Nach bestandener Prüfung blieb er noch bis zum kommenden Frühling im Lehrbetrieb. «Nach guten Zwischenprüfungs- und Abschlussnoten habe ich richtig Freude am Beruf bekommen», erzählt Rombach.

Als er 20 Jahre alt war, machte ihn ein Kollege auf eine freie Stelle in Biel aufmerksam, seinem ersten Arbeitsplatz in der Schweiz. Danach arbeitete er in Bern sowie in der Nähe von Münsingen. Im Restaurant Kreuz in Wichtrach lernte er Hedi Braun kennen, die gerade bei ihrer Freundin Alice zu Besuch war. Danach fuhr er oft mit dem Töff ins «Kreuz» zum Jassen – immer nach 22 Uhr, wenn der Eintritt gratis war. «Das Hedi hat mir gleich gefallen», sagt er. «Ich wusste jedoch nicht, ob meine Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen. Aber ich hatte Glück.» 1956 wurde sie seine Frau.

Vor Zürich gewarnt

Ein Jahr zuvor war er zum Leben und Arbeiten nach Zürich gezogen, obwohl ihm sein damaliger Chef dringend davon abgeraten hatte. «Geh ja nicht nach Zürich, da gehst du unter, hat er mich gewarnt. Aber ich bin beruflich nicht untergegangen im kleinen Reparatur-Betrieb im Niederdorf und habe auch privat bestens überlebt», erinnert sich der heute 80-Jährige. 1960 offerierte ihm Ueli Nägeli einen Job in seiner Schuhmacherwerkstatt an der Zürcherstrasse 21 in Schlieren, wo er acht Jahre lang als Angestellter tätig war. Nach Nägelis Pensionierung, am 1. Januar 1968, kaufte ihm Heinrich Rombach das Geschäft ab, welches seither auch seinen Familiennamen trägt.

Gattin Hedi gebar zwei Jungen und zwei Mädchen und betätigte sich hauptsächlich als Hausfrau und Mutter. Wenn es die Zeit erlaubte, half sie im Verkauf oder erledigte Näharbeiten. Heinrich Rombach erwarb die Diplome zum eidgenössisch geprüften Schuhmachermeister (1973) sowie Orthopädie- Schuhmachermeister (1981), die es ihm ermöglichten, eigene Lehrlinge zu haben. «In unserem Beruf gibt es drei verschiedene Ausbildungen, wobei die Lehre als Orthopädie-Schuhmacher am anspruchsvollsten ist und vier Jahre dauert», so Rombach. Dies sei jedoch erst der Anfang, denn bis zum Orthopädie-Schuhmacher-Meister müsse man insgesamt zehn Jahre investieren.

Bereits die dritte Generation

Im Jahr 1998 legte Rombach seinen Betrieb in die Hände von Sohn Hansjörg, der ebenfalls eidgenössisch diplomierter Orthopädie-Schuhmacher ist. Inzwischen schickt sich auch dessen Sohn Pascal an, in die Familien-Fussstapfen zu treten. Der gelernte Orthopädie-Schuhmacher vertritt somit bereits die dritte Generation. Grossvater Heinrich Rombach hat sich im Untergeschoss des Hauses eine eigene kleine Werkstatt eingerichtet, in der er drei Mal in der Woche für ein paar Stunden arbeitet. Es erstaunt kaum, wenn er sagt: «Ich betreibe meinen Beruf mit viel Herzblut. Wenn ich nicht mehr arbeiten könnte, würde mir was fehlen.»

Meistgesehen

Artboard 1