Dietikon
Er gibt den Dirigentenstab der Stadtjugendmusik Dietikon im Sommer ab

Sechs Jahre lang haben die jugendlichen Musiker nach Hanspeter Adanks Pfeife getanzt. Nach dem Weltjugendmusikfestival Zürich im Juli wird ein neuer Dirigent die Leitung übernehmen. Adank erklärt, wieso er nur ungern geht.

Gioia Lenggenhager
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Hanspeter Adank pustet leidenschaftlich gerne in seine Tuba. zvg

Hanspeter Adank pustet leidenschaftlich gerne in seine Tuba. zvg

Er habe nicht nur sechs Jahre lang dirigiert, er habe sechs Jahre lang gerne dirigiert, sagt Hanspeter Adank, der Chef der Stadtjugendmusik Dietikon (SJMD), der den Dirigentenstab im Sommer einem Nachfolger übergeben wird. «Ich gehe nur sehr ungerne.» Aber der Stau vor dem Gubrist-Tunnel auf seinem Weg von Volketswil nach Dietikon ging Adank auf die Nerven. «In meinem hohen Alter tue ich mir das nicht mehr an», sagt der 51 Jahre junge Musikverleger und lacht nicht ohne einen Anflug von Bitterkeit. Auch die Leitung der Harmonie Berikon hat er aus diesem Grund abgegeben.

Adank betont, er habe unzählige positive Erinnerungen an seine Zeit mit der Stadtjugendmusik. Vor allem die Jahreskonzerte und die Kinderumzüge am Sechseläuten würden ihm für immer in Erinnerung bleiben. Den kommenden Sechseläutenumzug könne er kaum erwarten. Obwohl er die Jugendmusik mit mehr als nur einem weinenden Auge verlassen wird, verliert er den Glauben an seine Lebensphilosophie nicht: «Das Leben ist zu kurz für schlechte Laune».

Karriere noch nicht vorbei

Doch ganz vorbei ist Adanks Karriere in der Leitung der SJMD noch nicht. Die 60 Jugendlichen zwischen 9 und 22 Jahren werden noch bis zum Weltjugendmusikfestival Zürich im Juli nach seiner Pfeife tanzen. An dem internationalen Wettbewerb treten die jungen Dietikerinnen und Dietiker unter anderem gegen ihre Kollegen aus Spreitenbach sowie gegen Jugendmusikvereine aus Schweden, Israel, Lettland und Deutschland an. «Das wird ein grosses Erlebnis für die Jugendlichen. Die Musik ist dann nicht nur zur Unterhaltung da – dann geht es um die Wurst», sagt Adank und reibt sich voller Vorfreude die Hände.

An seiner Arbeit mit der Jugend schätzt Adank immer wieder «ihre grenzenlose Begeisterungsfähigkeit». «Du kannst ihnen vorausrennen – egal in welche Richtung – sie rennen dir nach. Und das ohne grosse Fragen zu stellen.» Für die Jungmusiker sei Adank weder Vater noch Lehrer. Er sieht sich eher als Kollege. Richtige Probleme mit seiner Autorität oder der Disziplin habe es trotzdem nie gegeben. «Natürlich sind Jugendliche diszipliniert, wenn man es ihnen vorlebt.»

«In eine gute Bahn lenken»

Adank arbeitet engagiert mit «seinen Jugendlichen». Als Dirigent der Stadtjugendmusik kann er «ein kleiner Mosaikstein sein, der die Jungen in eine gute Bahn lenkt». «Gibt es etwas Spannenderes, als zu sehen, wie sie als Knirpse anfangen und dann in die Pubertät kommen?» Ein junger Mann hat den Dirigenten besonders beeindruckt. Er hatte «quasi über Nacht» den Stimmbruch. «Es ist mir vorgekommen, als wäre er von heute auf morgen ein anderer Mensch geworden», sagt Adank.

Das weckt Erinnerungen an seine eigenen ersten musikalischen Gehversuche. Im Alter von neun Jahren hatte Adank zum ersten Mal eine Trompete in den Fingern. Geübt habe er damals nie. Bis ein entnervter Musiklehrer seine Mutter angerufen habe, erzählt Adank und kichert spitzbübisch. Die Wende kam mit der Volljährigkeit. Ein Brass-Band-Konzert beeindruckte den jungen Adank dermassen, dass er später selber in diversen Big Bands, Brass Bands, Harmonien oder Blasorchestern spielen wollte. Heute pustet Adank leidenschaftlich für den Musikverein Helvetia Rüti-Tann in seine Tuba und dirigiert die Stadtjugendmusik Illnau-Effretikon und die Musikgesellschaft Schwerzenbach.

Berufung und Leidenschaft

Die Musik begleitet Adank durch das Leben. Tag für Tag. Sie ist für ihn mehr als Hobby und Beruf. Sie ist seine Berufung und Leidenschaft. Unter der Dusche singt Adank gerne «stinknormale Radiohits». Der Text sei jeweils «kreuzfalsch, aber es kommt von Herzen».

Adanks Wunsch ist es, seine musikalische Karriere fürstlich abzurunden. «Einmal das Neujahreskonzert der Wiener Philharmoniker zu dirigieren, das ist mein Traum», sagt er. Schon seit er sich erinnern kann, schaut er das Konzert im Pyjama zum Frühstück im Bett.