Geroldswil

Er führte nicht nur im Klassenzimmer Regie

Jürg Knobel hat in seiner Wohnung ein kleines Kino eingerichtet. Dort kann man sich auch den Originalfilm der 1111-Jahr-Feier anschauen.  zim

Jürg Knobel hat in seiner Wohnung ein kleines Kino eingerichtet. Dort kann man sich auch den Originalfilm der 1111-Jahr-Feier anschauen. zim

Seit Jahren dreht der Ex-Lehrer Jürg Knobel Filme – jenen über die Weininger 1111-Jahr-Feier gibt es nun auf DVD. Er ist 25 Minuten lang und wurde in Weinigen drei oder viel Mal aufgeführt.

Kinder, die auf der Regensdorferstrasse Rollschuh laufen, Bühnen, auf denen verschiedene Musikgruppen auftreten – ganz Weiningen war auf den Beinen, als zwischen dem 28. und 30.August 1981 der Geburtstag zum 1111-jährigen Bestehen der Gemeinde begangen wurde.

Mitten im Getümmel war damals auch Jürg Knobel. Mit seiner Kamera hielt er das Geschehen auf den Festplätzen und in den vielen Beizen auf 16-mm-Film fest. Dieser Tage nun ist das knapp 25-minütige Zeitdokument auf DVD erschienen und kann so erstmals auch zu Hause angeschaut werden.

Bezogen werden kann der Film direkt bei Jürg Knobel, der vor 30Jahren nicht damit gerechnet hatte, den Film dereinst für den Hausgebrauch zu vervielfältigen. «Ich hatte keinen Auftrag von der Gemeinde, einen Film des Festes zu drehen. Weil Filmen mein grosses Hobby ist, habe ich damals den Film gedreht», so Knobel.

Nach dem Fest sei der Streifen drei oder vier Mal in Weiningen aufgeführt worden, mehr nicht.

Faszination für alte Filmklassiker

Mittlerweile hat der 62-Jährige sein Hobby zum Beruf gemacht. Zuvor arbeitete er rund 30Jahre als Primarlehrer an verschiedenen Schulen im Kanton Zürich. Ebenso lange wohnt Knobel in Geroldswil, wo er aber nie unterrichtete. «Arbeits- und Wohnort sollten getrennt sein. Ich wollte beim Einkaufen nicht von Eltern der Schüler angesprochen werden», erklärt er.

Seinem langjährigen Wohnort hat er ebenfalls ein filmisches Dokument gewidmet. Im Auftrag des Gemeinderates begleitete er die Feierlichkeiten zum 750.Geburtstag der Gemeinde mit seiner Kamera.

Aufgewachsen ist Knobel in Glarus. Dort entdeckte er auch die Liebe zum Film. «Ich ging gerne ins Kino. Mich faszinierten die alten Klassiker», so Knobel. Sein Ziel sei es fortan gewesen, irgendwann einen eigenen Film zu drehen.

Die ersten Aufnahmen habe er mit der Kamera des Vaters gemacht. «Dadurch wuchs bei mir der Wunsch Regie zu studieren», erinnert er sich. Gerne wäre er auch Pianist geworden, habe dann aber gemerkt, dass das einsame Lernen nichts für ihn sei.

Zudem hätte er nicht das Geld gehabt, sich eine solche Ausbildung zu finanzieren. «Mein Vater wollte, dass ich einen vernünftigen Beruf erlerne. Ich war bei den Pfadfindern und habe gemerkt, dass ich es ganz gut kann mit den jungen Leuten», hält er fest. Deshalb habe er sich entschieden, Lehrer zu werden.

Die Wahl, Pädagoge zu werden, entpuppte sich für das filmische Schaffen als guter Schachzug. «In all den Jahren habe ich mit meinen Schülern Filmprojekte durchgeführt», sagt Knobel. Auch ausserhalb des Unterrichtes blieb er dem Filmen treu.

Mehrere Schränke voller Filmrollen und Videokassetten in seiner Wohnung zeugen von diesem Schaffen. Sogar sein Ziel, einen Spielfilm zu realisieren, hat er erreicht. «Der Film heisst ‹Metamorphose›. Ich habe ihn ohne Drehbuch mit Freunden gedreht. Er wurde Anfang der 1970er-Jahre sogar zwei Mal im Kino in Glarus gezeigt», so Knobel.

Auf den Spuren der Indianer

Das gesammelte Werk Knobels zeigt auch eine andere grosse Passion, der er seit Jahren nachgeht. Viele seiner Filme sind auf Reisen entstanden. Die USA haben es ihm besonders angetan. Dort reist er auf den Spuren der Indianer.

Eine Leidenschaft, die er ebenfalls in seiner Jugend entdeckte. «Ich habe sämtliche Karl-May-Romane. So kam ich auf die Indianer», erklärt Knobel. «Heute interessieren mich allerdings eher wissenschaftliche Berichte und Dokumentationen über die ‹rote› und die ‹weisse› Geschichte.»

Auf diesen Reisen sind zudem unzählige Fotografien entstanden. Auch das ein grosses Hobby von Knobel. Vor allem 3-D-Fotografie hat es ihm angetan. Der bedeutendste 3-D-Schatz seiner Sammlung stammt allerdings nicht aus seiner eigenen Kamera. Seine Urgrosstante, Caroline Kofel, hat ihm über 200Glas-Dias hinterlassen.

Entstanden sind diese Aufnahmen Anfang des 20.Jahrhunderts, als Caroline Kofel für die theosophische Gesellschaft – aus derer deutschen Sektion ist die anthroposophische Gesellschaft von Rudolf Steiner hervorgegangen – als Lehrerin in Indien weilte. Jürg Knobel, interessiert an Historischem, hat Nachforschungen zu seinem Stammbaum und zum Leben seiner Urgrosstante angestellt: Caroline Kofel ist in Weiningen aufgewachsen.

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