Mein Ding

Er erkundete bereits über 213 Bäche – eine Schnapsidee nach der Rente gab ihm den Anstoss dazu

Hans Heinrich Bachofen sammelt seit seiner Kindheit Landkarten.

Hans Heinrich Bachofen sammelt seit seiner Kindheit Landkarten.

«Alles begann mit einer Schnapsidee nach der Rente», sagt Hans Heinrich Bachofen. Er wollte dem Verlauf der Aare von seinem zu Hause in Dietikon bis zur Quelle folgen. Gesagt, getan: wenige Monate später stand er auf dem Oberaarhorn. «Da dachte ich, eine solche Wanderung könnte ich bei allen Seitenbächen der Aare wiederholen.» Doch schnell merkte er, dass er für dieses Unterfangen mehrere Leben haben müsste. So beschränkte er sich auf 134 «direkte» und 79 «indirekte» Seitenbäche. Letzte Woche, fünf Jahre später, konnte er den letzten Seitenbach von der Liste streichen. Das heisst, «die Aare ist komplett», wie er sagt. Doch damit ist das Unterfangen des 67-Jährigen noch lange nicht zu Ende: Bereits vor einigen Jahren hat er die Seitenbäche des Rheins, des Doubs, der Rhone, des Ticino und des Inns dazugenommen. Alle zusammen messen insgesamt über 6400 Kilometer.

Begibt sich Bachofen auf Wanderschaft, läuft er nicht direkt im Bachbett, sondern entlang der Wanderwege in Bach-Nähe. «Für mich ist besonders die Quelle, die Mündung und die Entwicklung dazwischen wichtig», sagt der pensionierte Forstingenieur. Seine Motivation ist es, immer etwas Neues zu entdecken.

Leichtes Gepäck

Meist wandert Bachofen alleine, nur selten begleiten ihn seine Frau oder Freunde. «Es hat nicht immer jemand Zeit und Lust, mitzukommen», sagt er. Denn einige seiner Touren seien alles andere als gemütliche Spaziergänge. Letzte Woche machte er auf seiner Tour 1'300 Höhenmeter. Einige Bachwanderungen sind sogar gefährlich: «Einmal ging ich durch ein Gebiet, durch welches seit 13 Jahren kein Bergsteiger mehr ging, weil Erdrutschgefahr bestand», sagt er. Natürlich habe er sich zuvor gut informiert. Doch die Wanderwege habe man meist nicht mehr gesehen. Aus diesem Grund zählen zu seiner Standardausrüstung neben der Wanderkarte, dem Fotoapparat auch ein Höhenmesser, eine Regenjacke und ein Liter Wasser. «Meist brauche ich keinen grossen Proviant. Das Wasser fülle ich immer wieder auf.»

Auch an der Quelle trinke er regelmässig. Das GPS braucht Bachofen nur sehr selten. Karten dafür umso mehr: Er ist ein Landkarten-Sammler. In seinem Arbeitsraum befinden sich 6'000 Stück. Die Sammelleidenschaft begann schon früh. «Im Alter von 12 Jahren kaufte ich meine erste Karte», sagt er. Bachofen interessiert sich besonders für Schweizer Karten. Gerade weil diese genau und schön sind. Zu seinem Ehrgeiz gehört es, Fehler auszuloten. «Ich fand beispielsweise eine Höhenmeterzahl, die falsch eingezeichnet war», sagt er. Trotz den vielen Karten nimmt er auch Ausdrucke aus dem Internet mit. Denn auf diesen kann er die Strecke und die Quelle noch genauer lokalisieren.

Tagebuch ist ein Muss

Nach der Wanderung ist seine Arbeit noch nicht zu Ende. «Eine meiner Regeln ist, dass ich die Wanderungen dokumentiere», sagt Bachofen. Bislang zeigte er seine Fotos vor allem seinen Freunden. Eine Website zu erstellen, ist eine Idee, die er schon seit längerem verfolgt. Nebst dem Bachwandern hat er aber noch andere Hobbys, zum Beispiel das Bierbrauen. «Doch momentan hat das Wandern meine grösste Aufmerksamkeit.» Es tue ihm einfach gut, draussen zu sein, mit Landkarte und Wanderschuhen durch die Gegend zu streifen. Das hat er schon in seiner Kindheit gelernt. Sein Vater war für die Wanderwegweiser im Fischenthal  zuständig, deshalb war er oft draussen und lernte so spielerisch Kartenlesen. Heute liegen auf seinem Arbeitstisch ebenfalls Landkarten und GA bereit. «Morgen geht es in das Rheinwald bei Splügen. Dort besuche ich verschiedene Bäche, die in den Hinterrhein fliessen.»

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