Mit sympathischer Sachlichkeit erklärt Tim Rhomberg seinen Fachbereich Systemtechnik. Um zu verstehen, welche Aufgaben der 18-Jährige an den Swiss Skills in Bern meisterte, muss man seine Arbeit nachvollziehen.

Wörter wie Server, Applikation, Software und Hardware gehören zum Alltag des Informatik-Lehrlings. Er und seine Arbeitskollegen in der Abteilung Organisation und Informatik (OIZ) der Stadt Zürich erhalten Aufträge von Kunden, die beispielsweise eine App benötigen.

Sein Team kontaktiert eine Firma, die die Applikation programmiert. Dann arbeiten Rhomberg und seine Kollegen daran, führen Updates durch, machen Back-ups von Datenbanken, optimieren das Produkt und liefern dies schliesslich an die Kundschaft.

Wie der Sieg zustande kam

An den Swiss-Skills letzten Freitag wiederholte der Urdorfer seinen Erfolg vom Vorjahr und gewann die Lehrlingsmeisterschaft in Systemtechnik zum zweiten Mal. Dabei musste er für eine reibungslose Übertragung von Informationen in Netzwerken sorgen.

Seine Aufgabe ähnelte im Aufbau einer Zwiebel. Die äusserste Schicht war eine physische Maschine, ein Server. Rhomberg musste dann einen virtuellen Server aufbauen und darin, in der innersten Schicht, zwei Applikationen installieren: eine Datenbank und einen Webserver. «Ich fragte mich: Wie kann ich diese Aufgabe lösen, wenn ich das benötigte Wissen nicht habe? Ich musste kreativ und spontan sein», sagt er.

Vor allem sei die Anpassungsfähigkeit wichtig. An den Swiss Skills lernte er neue Betriebssysteme und Software kennen. Und kam damit gut aus. «Mein Netzwerk enthielt am wenigsten Lücken.» Anders gesagt: Rhomberg löste die Aufgabe am geschicktesten. «Dieses Jahr besuchte ich zwei Vorbereitungskurse. Der Druck war letztes Jahr höher, dieses Mal habe ich mein Wissen nachgeholt und eingesetzt.»

Einzig einen Fehler wiederholte Rhomberg: Er vergass, die Stromleitung des Computers am Anfang des Wettbewerbs einzustecken: «Ich wurde etwas nervös, als der Bildschirm nicht leuchten wollte. Aber als ich das Kabel am Boden sah, konnte ich die Aufgabe wieder konzentriert und ruhig lösen», erinnert er sich. «Den Sieg sah ich aber nicht kommen.»

Nach dem Wettkampf kehrte er nach Urdorf zurück. Er schrieb gerade eine SMS an seine Berufsbildungsverantwortlichen, wollte sich für ihre Unterstützung bedanken und ihnen seinen Misserfolg mitteilen. «Dann bekam ich den Anruf von Bern – man sagte mir, ich sei in der Stichwahl.»

Auf welchem Platz, das wusste niemand. Also fuhren die Rhombergs am Samstagmorgen nach Bern. Zweieinhalb Stunden Ungewissheit. «Ich war eigentlich schon dankbar, dass ich mitmachen durfte.» Nach der Dankbarkeit, nach der Mühe kamen die Scheinwerfer, das Podest und der Handschlag mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann. «Das Ganze dauerte etwa 45 Sekunden.» Sekunden, die ihm in Erinnerung bleiben werden.

Mit dem Alter wuchs Rhombergs Interesse an Informatik. Der grossgewachsene 18-Jährige wuchs in Urdorf auf. Im Schulhaus Moosmatt absolvierte er die Sekundarschule, nach der dritten Klasse begab er sich auf Lehrstellensuche. Er begeisterte sich für Technisches.

Also ging Rhomberg hier und dort schnuppern und informierte sich über Fachrichtungen der Informatik. Software und Hardware interessieren ihn am meisten. «Die Aufgaben in diesem Feld sind sehr abwechslungsreich, das gefällt mir.»

Der Schweizer Meister im Bereich Systemtechnik hatte damals Mühe, eine Stelle zu finden. Die Absagen häuften sich, aber zwei Betriebe sahen in Rhomberg Potenzial: die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich und die Informatikabteilung der Stadt Zürich.

Rhomberg entschied sich für Letztere und begann 2015 seine Lehre in der OIZ. Dort muss das Team Aufträge für andere Departemente erledigen. «Wir arbeiten von der Stadt Zürich für die Stadt Zürich», sagt er.

Informatik-Studium in Sicht

Bald ist jedoch damit Schluss, denn Rhomberg wird nächsten Sommer seine Lehre beenden. Er entschied sich für einen berufsbegleitenden Abschluss, damit Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen. Rhomberg zeigt Ehrgeiz und Wissbegierde, als er seinen Traum kundtut: «In Zukunft will ich mein eigenes IT-Unternehmen aufbauen.» Für dieses Anliegen plant er ein Studium der Informatik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Seine Leidenschaft lässt er nicht im Büro liegen: Auch in seiner Freizeit belegt er IT-Kurse. «Informatik ist so ein breiter Fachbereich, man muss sich ständig auf dem Laufenden halten.» Er informiert sich deswegen über Fachmedien, natürlich alles digital. Für Tagesmedien interessiert er sich weniger.

Ausgleich für die Kopfarbeit findet er beim Schwimmclub Butterfly Urdorf, wo er wöchentlich schwimmt. Danach kehrt er wieder zu seinem Computer. Denn vor dem leuchtenden Bildschirm kann sein Talent sich voll entfalten.