Vor Gericht kam nicht zur Sprache, in welchem Verhältnis der Täter zur Frau stand. Aber es war erwiesen, dass er sie mit zahlreichen SMS bedroht hatte. In derber Sprache gab er ihr zu verstehen, dass er ihr ein Messer in den Kopf, in den Genitalbereich und ins Gesäss stecken werde. Die Augen werde er ihr ausstechen. Darauf freue er sich. Ins Auto werde er sie zerren, zerstückeln werde er sie. Das war noch nicht alles.

Auch ihren Bruder bedrohte er. Suchen werde er ihn, nicht umsonst habe er zwei Pistolen gekauft. Er werde auf ihn schiessen. Er werde die Türe aufbrechen und Handgranaten reinwerfen, sodass alle in die Luft fliegen.

Das war vor fast einem Jahr. Der Mann, der sich am Montag für diese mehrfachen Drohungen vor dem Bezirksgericht Dietikon zu verantworten hatte, schien ein anderer zu sein. Schlecht geschlafen hatte er, nervös war er, die Gerichtsverhandlung machte ihm zu schaffen. «Nein, bitte nicht!», sagte er, als ihn Bezirksgerichtspräsident Stephan Aeschbacher standardmässig fragte, ob ihm die Anklage bekannt sei oder ob das Gericht sie verlesen solle.

«Ich schäme mich jedes Mal, wenn ich das nochmals lese», sagte der Angeklagte. Solche Drohungen kämen nicht mehr vor, versicherte er. Die Reue wirkte echt. Doch macht sie die Tat nicht ungeschehen. An zwei verschiedenen Tagen hatte er insgesamt 22 solcher SMS voller entsetzlicher Drohungen verschickt.

Umfassendes Geständnis abgelegt

Zudem hatte er Kokain verkauft und konsumiert. Und er rauchte Marihuana. Auch dazu stand der angeklagte Schweizer mit Wurzeln auf dem Balkan. Schon in der Untersuchung hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt. So umfassend, dass er sogar den Teil des Kokain-Verkaufs zugab, den die Ermittler kaum aus eigener Kraft hätten nachweisen können.

Angesicht des Geständnisses kam es am Montag zu einem abgekürzten Verfahren. Der Angeklagte, sein Verteidiger und die Staatsanwaltschaft waren sich schon vor der Gerichtsverhandlung einig geworden.

18 Monate Freiheitsstrafe bedingt lautet das Urteil wegen mehrfacher Drohung und wegen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz. Einen Tag hat er bereits in Untersuchungshaft abgesessen. Hinzu kommt eine 300-Franken-Busse wegen mehrfachen Konsums illegaler Drogen.

Küchenschrank als Drogentresor

Total hatte er am Tag seiner Verhaftung im Frühling dieses Jahres 42,2 Gramm reines Kokain bei sich zu Hause. Die eine Hälfte war für den Eigenkonsum gedacht, die andere für den Weiterkauf – damit wollte er seinen Eigenkonsum finanzieren. Zudem wurden in seiner Wohnung 85 Gramm Marihuana für den Eigenkonsum gefunden. Während etwas mehr als eineinhalb Monaten hatte er im Frühling zudem 30 Gramm Kokain verkauft, für rund 100 Franken pro Gramm.

Die Kunden kamen jeweils zu ihm in die Wohnung, die Drogen hatte er in seinem Küchenschrank versteckt. Zwei bis dreimal pro Woche schnupfte er selber Kokain und täglich rauchte er Marihuana. Neben den Drogen wurden bei ihm zuhause 8350 Franken und 150 Euro beschlagnahmt. Die illegalen Einnahmen aus dem Kokain-Verkauf – rund 3000 Franken – schöpft der Staat davon ab. Der Rest wird zur Deckung der Busse und der Verfahrenskosten verwendet.

Zum Drogenhandel hielt das Gericht fest, dass es sich beim Verurteilten um keinen grossen Drahtzieher handle und das Verschulden eher leicht sei. «Sehr zahlreich» und «sehr gravierend» seien hingegen die Drohungen gewesen. Aufgrund des Werdegangs des Verurteilten – seine Vorstrafe liegt zehn Jahre zurück – stellte das Gericht dem Täter eine günstige Prognose aus.

«Schauen Sie, dass Sie sich unter Kontrolle haben und halten Sie Abstand von illegalen Drogen», ermahnte ihn der Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher zum Schluss der Urteilseröffnung.

Dafür muss sich der Mann aber noch das Kiffen abgewöhnen. «Ich gebe zu, ich rauche ab und zu Marihuana», hatte er in der Befragung durch den Richter gesagt. «Aber das andere, das habe ich nicht mehr angefasst.»