Oberengstringen

Er brachte Bewegung ins Limmattal – Herbert Donzé über die Entstehung des Limmattaler Schulsports

Herbert Donzé war 38 Jahre lang Reallehrer in Oberengstringen. 1962 entwarf er das Raumprogramm für die Sportanlage Brunewiis.

Herbert Donzé war 38 Jahre lang Reallehrer in Oberengstringen. 1962 entwarf er das Raumprogramm für die Sportanlage Brunewiis.

Weil Herbert Donzé unzufrieden mit dem Sportunterricht war, gründete er 1968 den Schulsport. Er beschloss auf dem Tisch seines Physiotherapeuten, dass er etwas tun müsse – und setzte so den Grundstein für die Zukunft des Limmattaler Sports.

«Der reguläre Sportunterricht ist ungenügend.» Von dieser Überzeugung geleitet, gründete Herbert Donzé vor 50 Jahren den freiwilligen Schulsport Limmattal. Er erkannte bereits in den 60er-Jahren, dass sich Schweizer Kinder zu wenig bewegen. Donzé unterrichtete damals als Reallehrer an der Oberstufe in Oberengstringen. Pädagogik gehörte aber nicht zu seiner einzigen Stärke. Er war und ist noch immer ein angefressener Sportler. Der heute 86-Jährige war Leichtathlet, Sprinter, Zehnkämpfer und Handballer. Ab 1957 trainierte er die Handballer der Lehrersportgruppe Zürich, 1962 entwarf er das Raumprogramm für die Sportanlage Brunewiis in Oberengstringen.

Als er mit Rückenproblemen beim Zürcher Physiotherapeuten Sigi Ulrich auf dem Streckbett lag und diesen über die unbeweglichen Kinder klagen hörte, wusste Donzé, dass er etwas dagegen unternehmen musste. Denn ihm war auch bewusst, dass nicht jede Lehrperson dieselbe Leidenschaft für den Sport an den Tag legte wie er. «Ich habe einmal eine Umfrage bei Lehrern und Schülern durchgeführt und sie nach ihrem bevorzugten Unterrichtsfach gefragt. Der Sport stand bei den Schülern meist an oberster Stelle, bei den Lehrern war es genau umgekehrt», erzählt Donzé.

Vorbild Schweden

Die Idee zur Abhilfe kam dann auch vom Physiotherapeuten Ulrich. Er erzählte Donzé, dass die Schulen in Schweden freiwilligen Schulsport anböten. Donzé nahm sich Schweden zum Vorbild, gründete 1965 den ersten Schulsportklub der Volksschule in Oberengstringen.

Drei Jahre später, am 23. September 1968, rief er den Schulsport Limmattal ins Leben, den er bis 1975 präsidierte. «Ich freue mich, dass es das Angebot auch nach 50 Jahren noch gibt. Es ist schön, dass sich immer noch Leute dafür einsetzen», sagt Donzé zum Jubiläum. Sein Ziel sei es gewesen, die Schüler für den Sport zu begeistern, ihnen diverse Sportarten näher zu bringen, um ihnen so den Übergang in einen Vereinssport zu erleichtern. Und nicht nur dies: Die Weiterbildung der Volksschullehrer habe ebenso einen wichtigen Platz eingenommen.

Das Sportangebot fand Anklang im ganzen Limmattal. Innert kürzester Zeit entstanden in den Gemeinden Schulsportkurse in Schwimmen, Leichtathletik, Handball und weiteren Sportarten — in Dietikon wurden sogar Tenniskurse angeboten. Und auch über den Bezirk Dietikon hinaus machte Donzés Idee Schule. 1972 wird er zum ersten Schulsportchef des Kantons Zürich ernannt. Nach dem Limmattaler Muster baute er die anderen Schulsportorganisationen auf.

Donzé war aber auch auf nationaler Ebene beteiligt. Er organisierte die Schweizerischen Schulsporttage in den 70er Jahren. Es folgten internationale Engagements durch Swiss Olympics (damals Schweizerischer Landesverband für Sport). 1985 hielt er Vorträge an einem Kongress des Europarats in Bilbao über «Der Volksschullehrer und sein Sportunterricht» und «Vom Wettkampf zum Wettspiel». «Dies Auftritte waren für mich ein persönliches Highlight», erinnert sich Donzé, der heute nicht mehr in Unterengstringen, sondern abwechselnd im Engadin und in Altstetten lebt.

Mit der Limmatstafette wollte er den Ausdauersport in den Fokus rücken

Donzé rief aber nicht nur den Schulsport selber ins Leben, sondern auch die Limmatstafette. An dieser laufen Schülerteams aus der Region entlang der Limmat im Raum Schlieren, Oberengstringen und Dietikon um die Wette. «Zum zehnjährigen Bestehen des Schulsports plante ich 1978 einen grossen Sportanlass. Gleichzeitig wollte ich den Ausdauersport in den Fokus rücken, der damals nicht so populär war», sagt Donzé. So kam es, dass vor 40 Jahren der Event zum ersten Mal über die Bühne ging. Auch diese Idee Donzés fand Nachahmer, zum Beispiel in der Tössstafette in Winterthur.

Die diesjährige Ausgabe der Limmatstafette findet am Donnerstag statt. Donzé wird nicht wie sonst als Schaulustiger bei der Autobahnbrücke in Oberengstringen die rennenden Schülerinnen und Schüler anfeuern, sondern im Start- und Zielgelände bei der Sporthalle Unterrohr in Schlieren warten. Während dem Wettkampf wird nämlich auf das halbe Jahrhundert Schulsport Limmattal angestossen. Donzé freut sich. Für ihn hat der Schulsport nicht an Bedeutung eingebüsst. Im Gegenteil: «Sport ist wichtiger denn je. Er hilft vor allem Kindern aus fremden Kulturen, sich besser zu integrieren.»

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