Flohmarkt Dietikon
Entwarnung an der Schnäppchen-Front: Kleiderverbot aufgehoben

Der Stadtrat hat die Flohmarktverordnung angepasst: Standbesitzer dürfen wieder Kleider verkaufen. Wobei: Auch vorher waren Stände mit Secondhand-Kleidung gang und gäbe. Es ging mehr darum, die Platzverhältnisse zu wahren.

Julia Wartmann
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Der Friede am Dietiker Flohmarkt ist wieder hergestellt: Nach einer Anpassung der Verordnung dürfen Kleider dort erneut feilgeboten werden.

Der Friede am Dietiker Flohmarkt ist wieder hergestellt: Nach einer Anpassung der Verordnung dürfen Kleider dort erneut feilgeboten werden.

Thomas Pfann

Dutzende Anrufe und E-Mails hat Sicherheitsvorsteher Heinz Illi erhalten, als bekannt wurde, dass am Flohmarkt in Dietikon keine Kleider mehr verkauft werden dürfen – sogar auf seinem Heimtelefon. Er sei froh, Entwarnung geben zu können, denn: Am Flohmarkt Dietikon dürfen weiterhin gebrauchte Klamotten verkauft werden.

Noch Ende März sah alles ganz anders aus. Plötzlich patrouillierte die Polizei am Samstag regelmässig auf dem Kirchplatz und mahnte Kleiderverkäufer am Flohmarkt ab.

Zwar stammte das Verbot, Kleider am Flohmarkt zu verkaufen, aus dem Jahr 2005 und war sogar in der Kirchplatzordnung festgehalten. Doch zuvor war es von der Polizei nie durchgesetzt worden. Die Standbetreiber waren empört und wehrten sich.

Mit Erfolg: Unterdessen hat die Sicherheitsabteilung den entsprechenden Artikel in der Verordnung geändert. Sie ist am 11. April in Kraft getreten. «Es war nie in unserem Sinn, dass man keine Kleider mehr verkaufen darf am Flohmarkt», sagt Illi. Es sei der Stadtpolizei lediglich darum gegangen, dass der Verkauf kein Ausmass annehme, das nicht mehr zu akzeptieren sei.

Damit sind vor allem die Platzverhältnisse gemeint. Einige Standbesitzer haben laut Illi jeweils doppelt so viel Platz eingenommen wie erlaubt. Oft hätten sie mehrere Kleiderstangen neben ihre Stände gestellt oder ihre Ware mit Kleiderbügeln an öffentliches Eigentum gehängt, wie beispielsweise an die Glaswand des Veloraums. Jedem Standbesitzer stehen drei Laufmeter zur Verfügung, wer sich darüber hinwegsetze, werde ermahnt, so Illi.

Grund für Verbot war unklar

Bis vor kurzem habe die Polizei bei Kontrollen immer ein Auge zugedrückt, sagt der Sicherheitsvorsteher. Dass das Verbot in Dietikon plötzlich zum Dorfgespräch wurde, sei darauf zurückzuführen, dass bei der Polizei und beim Stadtrat vermehrt Reklamationen eingegangen seien.

Diese vermuten, dass es sich bei den Beschwerdeführern um Standbesitzer handelte, deren Produkte durch die Kleider vom Markt verdrängt wurden. Unter den Flohmarktverkäufern denkt man allerdings anders. Es wurde gemunkelt, dass das Dietiker Gewerbe beim Stadtrat reklamiert habe.

Zumindest auf das Modegeschäft Chicorée, das sich im Löwenzentrum, also in unmittelbarer Nähe des Flohmarkts befindet, trifft diese Vermutung nicht zu. Marketingleiter Pascal Weber sagt: «Wir haben keinerlei Massnahmen getroffen, um die Aktivitäten des Flohmarkts einzuschränken oder zu verbieten, und sehen den Flohmarkt auch nicht als Konkurrenz.» Im Gegenteil: Betrieb rund um das Zentrum von Dietikon erhöhe die Zahl der Laufkundschaft, wovon schliesslich alle Geschäfte in der näheren Umgebung profitierten.

Neu gilt auf dem Flohmarkt: Es dürfen nur gebrauchte Waren verkauft werden; darunter fällt auch Secondhand-Kleidung. Verboten bleibt jedoch der Verkauf von fabrikneuen Lagerbeständen. Verboten ist ausserdem der Verkauf von Medikamenten, Kosmetikartikeln und Waffen jeder Art.

Dafür dass die Richtlinien eingehalten werden, sorgt Marktaufseher Hermann Messerli. Seit sieben Jahren waltet er jeden Samstag als Aufsichtsperson am Markt. Die Stimmung habe sich seit der Auflösung des Verbots wieder verbessert, sagt er. Verärgerte Verkäufer seien durch die Anpassung der Verordnung zufriedengestellt worden.

Gute Stimmung wieder hergestellt

Die Stimmung am Dietiker Markt sei aber grundsätzlich positiv, sagt Messerli. Seit er den Markt beaufsichtige, sei es noch nie zu einem Platzverweis gekommen. Das liegt aber nicht nur an den Standbesitzern, sondern auch an Messerlis wohlwollender Einstellung ihnen gegenüber: «Ich will nicht mit der Peitsche hinter den Standbetreibern stehen», sagt er.

Manchmal sehe er zwar noch eingepackte Ware, melde dies aber nicht der Polizei. Man dürfe schliesslich nicht zu kleinlich sein.

Das sieht auch Sicherheitsvorsteher Illi so. Es sei nicht die Absicht der Stadt, in jedem einzelnen Fall Bussen zu verteilen. «Mir ist es wichtig, dass der Flohmarkt weiterhin Bestand hat», sagt er. Denn dieser belebe das Zentrum von Dietikon und sei eine echte Bereicherung für die Stadt.