Am Neujahrstag schlafen viele Leute ihren Rausch von der Silvesternacht aus. Martin von Aesch hatte vor 25 Jahren an jenem Tag anderes vor. Er organisierte mit ein paar befreundeten Musikern im Singsaal des Schulhauses Allmend in Oberengstringen eine Jamsession. Von Aesch war damals noch Lehrer dort und wusste daher, dass der Schulhausabwart an diesem Tag nicht zu Hause ist.

«Darum sind wir auf die Idee gekommen, dort einfach für uns Musik zu machen», erinnert er sich. Was er damals noch nicht wusste: Die Jamsession vor 25 Jahren sollte den Grundstein für den Jazzclub Allmend bilden. Nächste Woche wird dieses Jubiläum mit einem dreitägigen Festival gefeiert.

Zu den Musikern, die sich 1988 im Singsaal eingefunden hatten, zählte unter anderen auch der Saxofonist Urs Blöchlingler. «Urs fand damals, dass der Sound im Singsaal so gut sei, dass man dort etwas machen muss», sagt von Aesch. Ein Dreivierteljahr später sei das erste Konzert über die Bühne gegangen.

Jazzgrössen aus dem In- und Ausland

Seither organisiert der Verein, der von seiner Gründung an von von Aesch präsidiert wird, rund 15 Konzerte im Jahr. Neben vielen Jazzgrössen aus der Schweiz wie Co Streiff oder Nat Su, standen auch zahlreiche ausländische Musiker, darunter der amerikanische Saxofonist Davie Liebman auf der Allmend-Bühne.

Dass der Jazzclub so lange durchgehalten hat, sei vor allem der Gemeinde Oberengstringen zu verdanken, sagt von Aesch: «Wir werden von der Gemeinde seit Jahren grosszügig unterstützt.» Aber auch die Künstler leisteten ihren Beitrag. So würden die Schweizer Musiker immer auch Bekannte mitbringen. Und die ausländischen Künstler hätten zum guten Renommee beigetragen.

Der Jazzclub geniesst mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Aus der ganzen Welt treffen Demo-Tapes von Musikern ein, die in Oberengstringen auftreten wollen. «‹Bändlisitzungen› nennen wir die Treffen, an denen neue Tapes angehört werden», sagt von Aesch.

An einer dieser Sitzungen sei ihnen aufgefallen, dass plötzlich viele Anfragen aus Österreich eintrafen. «Wir haben dann herausgefunden, dass ein Dozent an der Jazzhochschule Graz den Studierenden eine Liste mit den besten Jazzclubs Europas aushändigte. Unserer war auch aufgeführt», so von Aesch. Überhaupt laufe in der Jazz-Szene sehr vieles über Mund-Propaganda.

Tränen am Abend des Mauerfalls

Über diese Kommunikationsform ist von Aesch in den Anfängen des Clubs auf eine Formation aufmerksam gemacht worden, mit der er eine ganz besondere Geschichte verbindet. «Mir wurde von einer Formation aus der DDR erzählt, die unglaublich gut sei. Ich wollte sie engagieren, was aber nicht ganz einfach war», erinnert er sich. Irgendwie habe er den Kontakt dann doch hergestellt.

Die Musiker hätten eine Ausreisebewilligung für ein Konzert in St. Etienne erhalten. «Sie waren bereit, einen Tag vorher bei uns aufzutreten. Einer der Musiker weilte einige Tage vor dem abgemachten Konzert in Zürich und wir vereinbarten einen Termin für die Vertragsunterzeichnung», so von Aesch. Just an diesem Tag sei die Mauer gefallen.

Der Musiker habe zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon gewusst und weinte eine halbe Stunde, als von Aesch ihm am Abend in der Zürcher Bodega die Nachricht vom Ende der DDR überbrachte. Bei der Formation handelt es sich um die «Fun Horns», die auch am Jubiläum auftreten werden.

Ein anderer Grund für die Langlebigkeit des Clubs ist die Tatsache, dass der Verein nicht gewinnorientiert arbeitet und kein Lokal unterhalten muss. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern, sagt von Aesch. «Wenn wir grösser werden wollten, ginge dies nicht, ohne Löhne zu bezahlen. Das wollen wir nicht. Der Jazzclub soll weiterhin ein Hobby bleiben.»