Schlieren
Entgegen ihrer Mutterpartei: Die Junge CVP will die Homo-Ehe

Olivia Boccali, Vizepräsidentin der Kantonalpartei, erklärt ihren Einsatz für die Gleichstellung.

Alex Rudolf
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Gehört neu zu den politischen Forderungen der Jungen CVP Zürich: die gleichgeschlechtliche Ehen (wie die Hochzeit dieser zwei Frauen in den USA).

Gehört neu zu den politischen Forderungen der Jungen CVP Zürich: die gleichgeschlechtliche Ehen (wie die Hochzeit dieser zwei Frauen in den USA).

Keystone

Hauchdünn scheiterte die CVP-Initiative gegen die Heiratsstrafe Anfang Jahr mit 49,2 Prozent Nein-Stimmen am Volksmehr. Darin wollten die Christdemokraten die fiskale Benachteiligung von Ehepaaren gegenüber Konkubinatspaaren aufheben – und dabei die Ehe als Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau in der Verfassung festhalten. «Ich kann mir gut vorstellen, dass die Ehedefinition viele Stimmbürger abgeschreckt hat», sagt Olivia Boccali. Die Jungpolitikerin sass im Dietiker Jugendparlament, ist Tochter einer ehemals aktiven CVPlerin und ist heute Vizepräsidentin der jungen CVP (JCVP) des Kantons Zürich. Seit Neustem setzen sich die junge Schlieremerin und ihre Politkollegen auch für die Anliegen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen (LGBTI*) ein.

Mit ihrem kürzlich veröffentlichten Positionspapier fassen die jungen Christdemokraten die heissen Eisen an. So wird ein besserer Schutz vor Diskriminierung, die Erfassung von Gewalttaten gegen LGBT-Menschen und die Öffnung der Ehe verlangt, also die Abschaffung der «diskriminierenden Unterschiede zwischen der zivilrechtlichen Ehe und der eingetragenen Partnerschaft», wie es im Papier heisst. «Für uns ist es zudem nicht ersichtlich, weshalb gleichgeschlechtliche Paare aus dem Adoptionsrecht ausgeschlossen werden», wird darin argumentiert.

Boccali verweist darauf, dass die junge Zürcher CVP bereits vor der Initiative der Mutterpartei eine gesellschaftsliberale Haltung vertrat: «Nach dem Volksentscheid vom Februar wollten wir unsere Meinung in diesen Fragen zusätzlich unterstreichen», so die 25-Jährige. Für Boccali stehen eine Öffnung der Ehe oder das Recht auf Adoption für gleichgeschlechtliche Paare keineswegs im Widerspruch zu den christlichen Werten, welche die Partei vertritt. «Viel eher sehe ich es als unsere Verpflichtung, andere Familienformen zu fördern und zu unterstützen.» Dass sie innerhalb der Partei damit auf Widerstand stossen würden, war den jungen Christdemokraten bewusst: «In der kantonalen wie aber auch in der nationalen CVP sind die Haltungen gegenüber diesen Themen sehr vielfältig», sagt Boccali. «Wir wussten, dass wir mit dem Positionspapier anecken würden.» Die parteiinternen Reaktionen seien somit auch sehr durchmischt gewesen, überwogen hätten aber sicherlich die positiven.

Hoffnung auf mehr Zuspruch

Derzeit sind keine politischen Vorstösse seitens der jungen CVP geplant, so Boccali: Viel mehr sei es darum gegangen, das Thema innerhalb der Partei zu besprechen. «Wir haben natürlich die Hoffnung, dass sich schweizweit noch mehr Sektionen hinter uns stellen.»
Die CVP Schweiz nimmt die Forderungen der jungen Zürcher Christdemokraten locker. Präsident Gerhard Pfister lässt sich gegenüber dem «Blick» damit zitieren, dass die unterschiedlichen Ansichten «Ausdruck der Vielfalt an gesellschaftspolitischen Meinungen in der CVP» seien. In der Region wollen sich nur wenige Exponenten zum Thema äussern. Vielen sind die Forderungen der JCVP noch unbekannt. Stefano Kunz, Präsident der Schlieremer CVP und Stadtrat, kann dem Positionspapier durchaus Positives abgewinnen: «Dass man diese gesellschaftspolitisch relevante Diskussion in der Partei führt, ist wichtig», sagt er.