Eine, die wissen muss, was bei traditionsbewussten Limmattalern auf den Tisch kommt, ist die ehemalige Bäuerin Maria Gut. Sie ist Ortsvertreterin der Aescher Landfrauen und freut sich auf die Feiertage. Die 65-Jährige und ihr Mann erwarten an Weihnachten ihre Kinder und Enkel – insgesamt bewirten sie 13 Personen.

Das Menü ist dieses Jahr sehr traditionell: Zum Schinken im Brotteig serviert sie frischen Kartoffelsalat (siehe Rezept) und Zuckerhut-Salat aus dem eigenen Garten. Moderner wird es dann beim Dessert: Gut macht einen amerikanischen Cheesecake mit Blaubeeren, die ebenfalls aus dem eigenen Garten stammen (siehe Rezept).

Für die Kinder gibt es ein traditionelles Schoggimousse. «Für mich ist Weihnachten ein Fest des Beisammenseins, daher ist es mir wichtig, etwas zu kochen, das schnell geht und jeder gern hat», sagt Gut. Ein weiterer Fokus legt sie auf die Dekoration: Mit einem weissen Tischtuch und Tannästen sowie Kerzen werde ihre Tafel zu Weihnachten erst richtig festlich.

Vom Stall auf den Tisch

In ihrer Kindheit wurde Weihnachten noch anders, viel schlichter und weniger lange, gefeiert als heute, erinnert sich Maria Gut. Einen Kartoffelsalat habe es zwar bereits damals auf dem väterlichen Bauernhof in Samstagern gegeben. Dazu wurden aber Bratwürste serviert.

«Es kam das auf den Tisch, was man auf dem Bauernhof hatte», so Gut. Dieser Devise blieb sie auch in ihrem Erwachsenenleben treu: «Früher, als unsere Kinder noch klein waren, gab es bei uns stets einen Braten oder Rahmschnitzel, da wir selber Schweine auf dem Hof hatten», sagt sie. Doch habe sich die weitverbreitete Tradition des Fondue chinoise auch bei der Familie Gut eingestellt, wie sie zugibt.

In der Tat haben das Fondue chinoise und dessen öliges Pendant, das Fondue bourguignonne, die Limmattaler Festtafeln erobert. Dies bestätigt auch Maria Guts Sohn Othmar Gut von der Dietiker Metzgerei Hildebrand. Rinds- und Kalbfleischstücke seien schon seit längerem der absolute Renner.

«Doch auch Filetstücke vom Rind und Kalb zum Niedergaren laufen gut.» Eines steht aus Sicht des Metzgers jedoch fest: «Den traditionellen Weihnachtsbraten, den gibt es nur noch in den Geschichtsbüchern», sagt er lachend. So steuert er zur familiären Weihnachtsfeier den Schinken im Brotteig bei, den es in seiner Metzgerei zu kaufen gibt. «Mein Vater hat sich diesen als Menü gewünscht; diesen Wunsch erfülle ich ihm natürlich gern.»

Esstempo ist entscheidend

Was hält Mutter und Landfrau Maria Gut zum Fondue-chinoise-Trend, der die Schweizer Weihnachtstafeln beherrscht? «Dieses Gericht braucht nur wenig Vorbereitung und die meisten haben es sehr gern. Ehrlich gesagt, bevorzuge ich es gegenüber dem Festbraten», sagt sie.

Dies hat jedoch wenig mit dem Geschmack des Gerichts zu tun, sondern viel mehr mit dem langsamen Esstempo, das es ermöglicht. «Bei dem Fondue chinoise kann man über mehrere Stunden gesellig beisammensein und essen, bei jedem anderen Gericht ist der Teller nach kurzer Zeit leer und das gemeinsame Essen vorbei.» Dass die traditionelle Küche allmählich in Vergessenheit gerät, beschäftige auch die Landfrauen: «Wir bieten Kochkurse zu verschiedenen Themenbereichen an», sagt sie.