Dirigent Felix Egloff gibt das Zeichen zum Konzertbeginn und die Bläser schmettern Joseph Messners «Festfanfare» ins Publikum. Als sie verklungen ist, erheben sich Solisten und Chor. Die Orgel bringt den ersten Ton, der Tenor setzt ein und danach, präzise und mit Wucht, der Chor. Die vier Gesangssolisten – Meret Roth, Corina Cavegn, Marcello Pedruzzi und Gregoire May – übernehmen, begleitet erst von den Streichern, dann vom ganzen Kammerorchester Collegium Musicum Urdorf.

Der Riesenchor besteht aus dem ökumenischen Kirchenchor Urdorf und dem katholischen Kirchenchor St. Mauritius Engstringen. Entstanden ist er quasi aus einer Notlage heraus. Der Dirigent vom Chor St. Mauritius hatte auf den Mai gekündigt, und «der Chor stand vor dem nichts», wie Chorpräsidentin Antonia Müller sagt. Dabei war für Ende Jahr ein Konzert angesetzt, Mozarts «Krönungsmesse». Es sollte den Abschluss des Jubiläumsjahrs der katholischen Kirche bilden. Sie feiert dieses Jahr das 50-jährige Bestehen ihres Gotteshauses. Die Chormitglieder von St. Mauritius berieten sich und kamen auf eine Idee. Jener Sänger, der ab und zu in Urdorf mitwirkt, sollte den dortigen Dirigenten fragen, ob er einspringen könnte. Spontan sagte Felix Egloff zu.

Nun stehen also die beiden Chöre gemeinsam vor dem Publikum, bunt untereinandergemischt, aber nach Stimmregistern aufgestellt. Das gemeinsame Singen klappe reibungslos, sagt die Urdorfer Chorpräsidentin Renate Ulmi. Die beiden Chöre probten die letzten zwei Wochen gemeinsam, nachdem sie die Werke vorgängig separat mit dem Dirigenten einstudiert hatten. Viel Annäherungsbedarf gab es nicht, beide Chöre pflegen denselben Musikstil. Sie sind auf geistliche klassische Musik spezialisiert. «Neu ist das grössere Klangvolumen und das länger dauernde Konzert», sagt Ulmi. Die Dauer sei weniger eine musikalische Herausforderung, also vielmehr eine körperliche. Das lange Stehen ermüde, insbesondere die älteren unter den Chorsängerinnen und -sängern. Doch auch das klappt bestens an diesem Samstagabend.

Das Publikum hört eben den ersten Chor aus Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung». Zwei weitere Haydn-Chöre werden folgen, dann Werke von Anton Diabelli und Wolfgang Amadeus Mozart, bis zur angekündigten «Krönungsmesse», dem Höhe- und Schlusspunkt des Konzertabends. Das klassisch-geistliche Musikprogramm wirkt abwechslungsreich, die Präsentation gut gelungen, abgesehen von vereinzelten Klang- und Taktverschiebungen.

Solistin weiss zu überzeugen

Zwei musikalische Perlen schmücken den Anlass: die klar und kräftig gesungenen Soli der Sopranistin Meret Roth und das lebendig-temperamentvolle Geigenspiel der Konzertmeisterin Sira Eigenmann. Den musikalischen Teppich bilden mal das Orchester, mal der Chor mit seinen rund 80 Sängerinnen und Sängern. Und der klingt erstaunlich einheitlich. Ein unwissender Zuhörer käme nicht auf die Idee, es handle sich hier um zwei Chöre, die eben ihren ersten gemeinsamen Auftritt haben. Und doch ist es so.

Das Publikum in Urdorf ist klatscht begeistert, der Applaus schwellt jedes Mal an, als die Solisten und dann das Orchester sich erheben, und schliesslich der Chor sich verbeugt.