Fussball
Engstringen und Oetwil-Geroldswil haben keine Angst vor dem Abstieg

Bei den beiden Fussballclubs Oetwil-Geroldswil II und Engstringen herrscht trotz des schwachen Saisonstarts in der 3. Liga Zuversicht. Die beiden Teams wollen den Ligaerhalt schaffen – Verletzungen und fehlende Leistungen auf dem Platz sind zu überwinden.

Julian Förnbacher
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Oetwil-Geroldswil II und Engstringen haben einen schwierigen Start hinter sich. Im Bild das Derby zwischen den beiden ersten Mannschaften im März. (Archiv)

Oetwil-Geroldswil II und Engstringen haben einen schwierigen Start hinter sich. Im Bild das Derby zwischen den beiden ersten Mannschaften im März. (Archiv)

Michel Sutter

Noch vor fünf Monaten war die Welt beim FC Oetwil-Geroldswil II und beim FC Engstringen in Ordnung. Während Engstringen am zweitletzten Spieltag den Klassenerhalt in der 3. Liga sicherte, stieg Oetwil-Geroldswil II in extremis in die Gruppe der Engstringer auf.

Heute sind die Jubelschreie längst verhallt. Stattdessen regieren Frustration und Ungewissheit. Denn das Abstiegsgespenst geht um im Limmattal. Nach sechs Spieltagen stecken beide Teams im Tabellenkeller fest, das Derby endete mit einem für beide Seiten enttäuschenden 0:0. Seitdem gelang dem FC Engstringen immerhin ein Sieg, man steht mit bisher fünf Zählern dennoch nicht rosig da. Noch schlimmer erging es Oetwil-Geroldswil II: Der Aufsteiger verlor sein erstes Ligaspiel gleich mit 0:9 und rangiert mit nur zwei Punkten und dem schlechtesten Torverhältnis an zweitletzter Position.

Zwischen Prinzipien und Zuversicht

«Logisch tut dieser Start weh. Aber uns war von Anfang an klar, dass wir in der 3. Liga um jeden Punkt kämpfen müssen, damit es für den Klassenerhalt reicht», schätzt Trainer Michael Egger die Situation ein. Schon der Auftakt zur Mission Klassenerhalt sei enorm steinig gewesen, da teilweise bis zu zwölf Spieler verletzt fehlten. Dies verunmöglichte eine zielgerichtete Saisonvorbereitung und lässt bis heute kaum einen geordneten Trainingsbetrieb zu.

«Das spürten wir bisher in jedem Spiel», so Egger. Extern verstärken wollte man sich bei Oetwil-Geroldswil II nicht, da dies den eigenen Prinzipien widerspreche. Denn zuallererst sei es Aufgabe der zweiten Mannschaft, Junioren an den Aktiven-Fussball heranzuführen. Dem ordnet man alles unter. Auch den Klassenerhalt. Dafür kann man sich bei Oetwil-Geroldswil auf die Fahne schreiben, dass beide Aktivmannschaften – das «Eins» spielt ebenfalls in der 3. Liga und liegt in seiner Gruppe auf dem 3. Rang – nahezu komplett aus ehemaligen Junioren des eigenen Vereins bestehen.

Diese Politik bewirke, so Egger, auch eine positive Stimmung in der Mannschaft; trotz der schwierigen Situation. Denn neben der Tabelle mache seinen Spielern auch die aufgeladene Stimmung bei Spielen in ihrer Gruppe zu schaffen. Trauriger Höhepunkt: Die Eskalation nach dem 0:0 gegen United Zürich II, bei der Trainer Egger mutmasslich bespuckt und der Schiedsrichter vom Gegner beleidigt wurde. Ein Urteil des Verbandes ist noch hängig.

Allen Widrigkeiten zum Trotz verliert man bei Oetwil-Geroldswil II nicht den Optimismus, denn die Saison dauere noch lang: «Wir wissen, was wir können und dass wir die nötigen Punkte holen werden. Jetzt ist vorerst einfach Geduld gefragt. Wir müssen unser Selbstvertrauen hochhalten, die Fehler ansprechen und daraus lernen.»

«Trainieren hervorragend»

Anders gestaltet sich das Bild in Engstringen. Dort verstärkte man sich namhaft, absolvierte eine starke Vorbereitung und ging dementsprechend mit Erwartungen in die Saison: «Wenn man aber die ersten sechs Spiele anschaut, dann besteht zwischen unseren Erwartungen und dem, was wir erreicht haben, eine grosse Diskrepanz», zeigt sich Engstringen-Trainer Roger Balmer enttäuscht.

Einen manifesten Grund dafür auszumachen, fällt ihm schwer: «Wir trainieren jede Woche hervorragend. Es ist jedoch wie mit der Prüfungsangst: Wir bringen einfach unsere Trainingsleistungen am Wochenende nicht auf den Fussballplatz.»

«Vergangenheit ist nicht draussen»

Das Problem scheint also hausgemacht – und dies, obwohl der FC Engstringen nach den letzten Saisons, in welchen er den Kopf jeweils erst kurz vor dem Ende aus der Schlinge ziehen konnte, im Abstiegskampf erprobt sein müsste. Balmer erkennt in der Rolle als Abstiegskampf-Dauergast gar eher eine Bürde: «Schlussendlich glaube ich, dass unsere Vergangenheit nicht gänzlich aus den Köpfen draussen ist. Das macht den Spielern enormen zusätzlichen Druck.»

Darum achtet man im Training vor allem darauf, zurück zur Lockerheit und zum Selbstverständnis zu finden. So sollen in Engstringen die Mannschaft weiter reifen, die Automatismen greifen und letztlich auch die Resultate wieder stimmen. «Ich bin felsenfest überzeugt, dass alles gut kommt, wenn wir ruhig weitermachen und uns nicht in die Bredouille bringen lassen wegen der aktuellen Tabellenlage», sagt Balmer.

Sowohl bei Oetwil-Geroldswil II als auch bei Engstringen steckt man also den Kopf noch nicht in den Sand und glaubt an die eigenen Stärken. Es stehen wegweisende Wochen an, in denen
dringend weitere Punkte eingefahren werden müssen. Nur so kann das
Abstiegsgespenst aus dem Limmattal verjagt werden, damit die Welt auch
am Ende dieser Saison wieder in Ordnung ist.