Die Sommerferien nahen. Während die einen ans Meer fahren, beginnt für viele Limmattaler Jugendliche die Zeit der Ferienlager. Ob in der Oberengstringer Pfadi Laupen, in der Cevi Dietikon oder im Turnverein Weiningen; das Engagement, das Jugendliche in ihrer Freizeit in ausserschulische Aktivitäten stecken, ist gross.

Für diese Aktivitäten dürfen Jugendliche unter 30 Jahren eine Woche zusätzlich unbezahlte Ferien beziehen. Nur macht kaum jemand von diesem Gesetz Gebrauch. Der Grund: Fast niemand kennt es. Zu diesem Schluss kommt die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV). Deshalb hat sie jetzt eine Kampagne gestartet, die Jugendliche über ihr Recht aufklären soll.

Dabei ist der Artikel 329e im Obligationenrecht schon mehr als 20 Jahre alt. Dort steht, dass Jugendliche bis zum vollendeten 30. Lebensjahr für unentgeltliche leitende, betreuende oder beratende Tätigkeit im Rahmen ausserschulischer Jugendarbeit eine Woche unbezahlte Ferien zugute haben. «Trotzdem gibt es immer noch viele Arbeitgeber, die den Jugendurlaub nicht bewilligen, weil sie dieses Gesetz nicht kennen», sagt Andreas Koenig von der SAJV.

Mit Gesetzbuch zum Arbeitgeber

Fabio Ballak ist froh, dass sein Arbeitgeber dem Jugendurlaub zugestimmt hat. Der 19-Jährige ist Leiter in der Jugendriege des Turnvereins Engstringen. Im letzten Herbst musste er eine einwöchige Weiterbildung für den Verein besuchen und konnte von dem Jugendurlaub Gebrauch machen. «Ich wusste von dem Gesetz und habe meinem Arbeitgeber eine Kopie aus einem Schulbuch mitgebracht, um auf den Gesetzesartikel aufmerksam zu machen», sagt Ballak.

Sein Arbeitgeber, EKZ Eltop Dietikon, hatte Verständnis für das Anliegen. Filialleiter Max Dill sagt: «Dass wir das bewilligen, steht bei uns sogar in der Weisung. Aber ich glaube, das ist eher Ausnahme als Regel. Ich habe schon von vielen anderen Arbeitgebern gehört, die den Jugendurlaub nicht kennen.» Zudem findet es Dill eine gute Sache, wenn sein Lehrling jungen Leuten etwas weitergeben kann. Ein solches Engagement sei unterstützungswürdig.

Ferien auch für Lagerleitung

Auch Marcel Burch kennt das Gesetz. Der Abteilungsleiter der Pfadi Laupen sagt, dass viele Pfadimitglieder vor allem bei Weiterbildungswochen den Extraurlaub nutzen. Den Jugendurlaub darf aber auch für andere Aktivitäten eingefordert werden. Laut der SAJV fällt das Leiten oder Kochen in einem Lager oder das Durchführen eines Kurses in einem Jugendtreff ebenfalls unter ehrenamtliche Jugendarbeit, für die Ferien eingefordert werden dürfen.

Getan hat das der Oberengstringer Michel Copat. Und in seinem Fall hat alles bestens geklappt. Schon als der Pfadfinder die Lehre begann, informierte er seinen Arbeitgeber darüber, dass er eine Woche mehr Ferien machen darf. «Dieser hat das gut aufgenommen. Ich hab ihm ein Merkblatt gezeigt, wo alles draufsteht», so der 18-Jährige.

Laut Koenig profitiert ein Arbeitgeber davon, wenn sein Angestellter Freiwilligenarbeit leistet. «Studien haben bewiesen, dass solche Leute über eine grössere Sozialkompetenz verfügen», sagt er. In der Wirtschaft seien Kompetenzen wie Übernahme von Verantwortung, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Engagement gefragt. «Kompetenzen, die man besser während des freiwilligen Engagements lernen kann als in der Schule.»

Alle Informationen zu Jugendurlaub mit Merkblättern für Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter: www.sajv.ch