Dietikon

«Energiestadt Gold» will noch grüner werden

Die Stadt erhöht den Anteil erneuerbarer Energien bei 28 ihrer wichtigsten Liegenschaften.

Heinz Siegenthalers Gesicht leuchtet in Gold. Leicht gebückt schaut der Leiter thermische Verwertung der Limeco durch die Schauluke in das Innere der riesigen Brennkammer. Im lodernden Feuer beträgt die Temperatur rund 1000 Grad. Jene des Wassersdampfes in einem komplexen Rohrlabyrinth der Kesselanlage immerhin rund 400 Grad. Im «Kessel» – vergleichbar mit einem Dampfkochtopf – entstehen pro Stunde durch die rasante Abkühlung rund 21,5 Tonnen Wasserdampf, der mithilfe einer Dampfturbine zu Strom umgewandelt oder als Fernwärme ausgekoppelt wird.

In modernen Büros, nur wenige Schritte vom Kehrichtheizkraftwerk entfernt, gaben Vertreter der Limeco und der Stadt Dietikon diese Woche bekannt, dass die Stadt künftig mehr nachhaltige Energie nutzen will. So kauft Dietikon für die Jahre 2015 und 2016 zertifizierten Limeco Regiostrom mit total 20 Prozent zertifizierter Wasserkraft und Biomasse, der für die bedeutendsten 28 städtischen Gebäude und Anlagen verwendet wird. Dafür erhöhen sich die jährlichen Ausgaben um rund 24 000 Franken oder rund sechs Prozent der aktuellen Ausgaben für Strom. Zudem wurde der Biogas-Anteil im städtischen Gasnetz seit April von 5 auf 10 Prozent erhöht. «Aufgrund des gesunkenen Gaspreises bezahlt der Dietiker für das Erdgas mit Biogas dennoch weniger als letztes Jahr», sagt Esther Tonini (SP), Hochbauvorsteherin und Präsidentin der Energiekommission Dietikon.

Aktuell kommt sämtlicher Strom für die städtischen Liegenschaften – jährlich braucht es 3250 Megawatt – vollumfänglich aus 100 Prozent erneuerbarem «Limeco Regiostrom», also Strom aus der Region für die Region. Jene 80 Prozent, die nicht aus der zertifizierten Wasserkraft oder Biomasse stammen, kommen aus der Abfallverwertung.

Müll wird zu Energie

Sind die Gebührensäcke einmal eingesammelt und durch die grossen Tore der Anlieferungshalle in den Müllbunker geworfen worden, fängt die Arbeit für die Limeco-Mitarbeiter erst an. Im Kommandoraum rund 20 Meter über dem Erdboden ist es ruhig. Ausser einem latenten Hintergrundrauschen ist nichts zu hören. Dass sich im Bunker wilde Szenen abspielen, lässt sich durch die beiden wandhohen Fenster beobachten. Riesige Greifzangen packen den im Bunker entladenen Müll. Der Kranführer ist konzentriert bei der Arbeit. Die von ihm navigierte Greifzange vermag bis zu 800 Kilogramm Müll zu tragen. Ist die Ladung in der Luft, lässt er sie wieder fallen, damit der Brennstoff «homogenisiert» wird. «So wird der Unrat durchmischt, damit er später besser und gleichmässiger verbrennt», erklärt Siegenthaler.

Andererseits müsse der Müll auch in den höher gelegenen Trichter, der zum Verbrennungsofen führt, transportiert werden. Alle acht Minuten füllt der Kranführer eine Ladung in den Trichter. Ein Bürostuhl steckt nun in einem der Beine der Greifzange fest und lässt sich nur schwer abschütteln. Die «Müllvorratskammer» ist heute nur wenig gefüllt, noch fallen die Abfälle mehrere Meter in die Tiefe, wenn jemand seine Ladung von der Rampe hineinwirft. «Beispielsweise an Zügeltagen werden wir überrannt. Dann ist es gut möglich, dass wir einige Bunkertore zur Abgabe von Müll schliessen und bis fast ganz nach oben auffüllen», sagt Siegenthaler.

Zurück in den modern eingerichteten Limeco-Büros betont Tonini, dass das Label Energiestadt Gold, welches Dietikon im vergangenen Jahr verliehen wurde, nur zum Teil ein Beweggrund für diesen Schritt sei. «Mit dem Einkauf von erneuerbaren und ökologischen Energien unterstützen wir auch die Förderung ebendieser Stromquellen», sagt sie. Denn ein gewisser Teil der von Dietikon entrichteten Zusatzabgaben für sogenannte «Naturemade Star»-Zertifikate werde für neue Projekte zur Erfüllung umfassender ökologischer Anforderungen investiert. «Trotzdem ist es natürlich so, dass sich diese Ökologisierung positiv auf die Gesamtbewertung als Energiestadt Gold auswirkt», so Tonini.

Bei der Dampfturbine ist es laut, Siegenthaler versteht kaum sein eigenes Wort. Der mithilfe der Hitze aus dem Feuer entstandene Wasserdampf jagt die Turbine im inneren der Konstruktion mit 9500 Umdrehungen pro Minute im Kreis. Nur das Geräusch dringt nach draussen. Die daraus gewonnene elektrische Energie wird im Abschluss direkt ans Stromnetz eingespeist.

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