Schlieren

Energieplan: EWZ macht die Tarifberechnung transparenter

Sie soll künftig Schlieren mit Wärmeenergie versorgen: die Kehrrichtverbrennung der Limeco. Max Häberli

Sie soll künftig Schlieren mit Wärmeenergie versorgen: die Kehrrichtverbrennung der Limeco. Max Häberli

Der Schlieremer Stadtrat hat den Konzessionsvertrag mit dem Energieverbund der Elektrizitätswerke Zürich (EWZ) neu ausgehandelt.

Dies, nachdem das Stadtparlament den überarbeiteten Energieplan wegen «mehrer Einseitigkeiten zugunsten der EWZ» in diesem Vertrag im vergangenen Dezember zurückgewiesen hatte. Der nun vom Stadtrat verabschiedete neue Kontrakt enthält einige Verbesserungen, die vor allem dazu dienen, das Angebot des Energieanbieters gegenüber Privatkunden transparenter zu machen.

Dass die Geschäftsprüfungskommission (GPK) dem Parlament empfahl, den Energieplan abzulehnen, gründete laut Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) vor allem auf der Angst, dass Energiebezüger über den Tisch gezogen werden könnten: «Es wurde kolportiert, dass die EWZ nicht alle Kunden gleich behandelten.» Dass ungleiche Verträge tatsächlich vorgekommen sind, will Kunz nicht ausschliessen. Doch verweist er auf die Regeln der freien Marktwirtschaft: «Es ist Sache des Kunden, das Angebot des Anbieters zu prüfen.» Die Stadt habe mit der Nachverhandlung des Konzessionsvertrags nun aber versucht, die Kontrolle zu erleichtern.

EWZ muss Richtpreise offenlegen

Darin wurde nun etwa festgelegt, dass die EWZ ein Preismodell mit den jeweils aktuellen Richtpreisen online offenlegen müssen. In Form eines Mustervertrags sollen zudem Investitionsbeteiligungsmöglichkeiten seitens der Kunden ersichtlich gemacht, oder Möglichkeiten zur Anpassung des Vertrags infolge von Gebäudesanierungsmassnahmen aufgezeigt werden. Weiter müssen die EWZ ihre Kunden künftig darüber informieren, dass sie im Falle von Meinungsverschiedenheiten betreffend eines Vertrags mit dem Energieanbieter bei der Stadt die Einberufung eine Schlichtungskommission beantragen können. Die Kommission besteht paritätisch aus Vertretern des Kunden, der EWZ und der Stadt Schlieren und hat zum Ziel, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Weiter verlangte die Stadt, dass auch ihr eine bessere Kontrolle der Entwicklungen im Energieverbund zugestanden wird. So müssen die Elektrizitätswerke den Stadtrat künftig halbjährlich über die Anzahl der Anschluss-Interessenten und jährlich über das ökologische Controlling sowie Änderungen am Netz des Energieverbunds informieren.

Den wichtigsten Forderungen der GPK wurde im neuen Vertrag also Genüge getan. Doch muss sich der Stadtrat den Vorwurf gefallen lassen, dass er beim ersten Mal zu lasch verhandelt hat? «Das würde ich nicht so stehen lassen», sagt Kunz. In den Grundzügen habe der Konzessionsvertrag schon in der ersten Version ähnlich ausgesehen. «Wir haben nun mit den EWZ aber präzisiert, welche Informationen wie erhältlich sein müssen», so der Werkvorstand.

Eines ist sicher: Ohne den neuen Vertrag hätte die Revision des Energieplans aus dem Jahr 2004 im Parlament auch bei der nächsten Behandlung einen schweren Stand. Denn den EWZ kommt darin bei der Energieversorgung eine wachsende Rolle zu. Mithilfe des Energieplans will die Stadt den Anteil der erneuerbaren Energien und der Abwärme am Gesamtwärmebedarf Schlierens bis 2035 von 12 Prozent auf 60 Prozent steigern. Dazu will der Stadtrat etwa die enorme Menge an ungenutzter Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage Limeco nutzen.

Um festzulegen, wo in Schlieren welche Energiequellen idealerweise genutzt werden, sind im neuen Energieplan drei Gebiete definiert: Im Prioritätsgebiet entlang der Eisenbahnlinie zwischen Badenerstrasse und Bernstrasse ist der Energieverbund Mülligen Rietbach geplant, der von den EWZ betrieben wird. Dort kann die Stadt Liegenschaftseigentümern vorschreiben, welche Energiequelle sie nutzen müssen. In den Eignungsgebieten – wie etwa dem Gaswerkareal und dem Zelgli – macht sie lediglich Empfehlungen und im Optionsgebiet Spitalquartier müssen gar nur die Voraussetzungen für einen künftigen Wechsel geschaffen werden.

Die erneuerbaren Energien sollen die städtische Gasversorgung trotz der hohen ökologischen Ziele der Stadt nicht ganz verdrängen. Zusammen mit dem Energieplan hat der Stadtrat daher eine Gasstrategie erarbeitet. Diese sieht vor, dass Gas als kurzfristige Alternative zu Heizöl, insbesondere in Form von Biogas, sowie zur Deckung der Verbrauchsspitzen auch weiterhin erwünscht ist.

Die GPK hat für die erneute Behandlung des Energieplans noch keine Empfehlung zuhanden des Parlaments gefasst. Das ausführliche Dossier liege erst kommenden Mittwoch vor, sagte ihr Präsident, Peter Seifriz, gestern.

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