Energie
Vier Limmattaler Orte mit Windkraftpotenzial: Martin Neukom will im Kanton Zürich bis zu 120 Windräder bauen

Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) will die Windenergie im Kanton deutlich ausbauen. Nun hat er einen Plan. Vier der 46 ausgemachten Potenzialgebiete liegen im Limmattal – in Dietikon, Schlieren, Urdorf, Oetwil und Aesch.

Drucken
Ab 2030 sollen die ersten Windkraftanlagen gebaut werden. (Themenbild)

Ab 2030 sollen die ersten Windkraftanlagen gebaut werden. (Themenbild)

Valentin Flauraud / KEYSTONE

Baudirektor Martin Neukom (Grüne) hat am Freitag seine Pläne für den Ausbau der Windkraft im Kanton Zürich enthüllt. Nach ersten Abklärungen gibt es 46 Gebiete, die für den Bau von insgesamt 120 grossen Anlagen geeignet wären.

Bei den 46 Gebieten handelt es sich um jene Standorte, die übrig geblieben sind, nachdem zahlreiche andere Gebiete wegen Lärmschutz, Flugverkehr, wichtigen Infrastrukturen, Flora und Fauna sowie Landschaftsschutz ausgeschlossen wurden, wie Neukom an einer Medienkonferenz sagte.

Vier der Potenzialgebiete liegen im Limmattal. Im Knonaueramt sind es fünf. Schwerpunktmässig liegen die Potenzialgebiete aber im Osten des Kantons – im Weinland, östlich von Winterthur und im Oberland. Auch auf dem Pfannenstiel gibt es etwas Potenzial. Hinzu kommen weitere vereinzelte Standorte.

Urdorf ist gleich Teil von zwei Potenzialgebieten

Die vier Limmattaler Potenzialgebiete sind der Honeret in Dietikon und Urdorf, der Buechhoger in Urdorf, Schlieren und Zürich sowie der Hüttikerberg in Hüttikon, Dänikon und Oetwil und der Chüewald in Aesch. Das Ämtler Potenzialgebiet, das dem Limmattal am nächsten ist, ist jenes in Hedingen an der Grenze zu Arni.

Sollten tatsächlich alle rund 120 Anlagen gebaut werden, die in den 46 Potenzialgebieten denkbar sind, könnte damit rund 8 Prozent des kantonalen Strombedarfs gedeckt werden. Das sind laut Kanton rund 800 Gigawattstunden pro Jahr respektive Strom für 170'000 Haushalte pro Jahr. Die 8 Prozent entsprechen auch ungefähr dem Anteil der Windkraft am Strommix, den die Energiestrategie 2050 des Bundes vorsieht.

Regierungsrat Martin Neukom (Grüne), Baudirektor Kanton Zürich.

Regierungsrat Martin Neukom (Grüne), Baudirektor Kanton Zürich.

Alex Spichale

Die 46 Potenzialgebiete sollen nun vertieft geprüft werden, bevor eine Revision des Richtplans angegangen wird. Diese ist laut Neukom für 2026 geplant. Erste Anlagen könnten 2030 gebaut werden. Die Gemeinden und weitere Institutionen sollen frühzeitig miteinbezogen werden, wie Neukom betonte. So hatte der Kanton zum Beispiel bereits Kontakt mit der Vogelschutzorganisation Birdlife. Diese sei nicht kategorisch gegen Windräder, machte Neukom klar. Er erklärte auch, dass gemäss einer Statistik in der Schweiz 820 Vögel pro Jahr durch Windenergieanlagen getötet werden, derweil 30 Millionen Vögel durch Katzen, 5 Millionen von Glasfassaden und eine Million durch den Verkehr getötet werden.

«Windstrom ist Winterstrom»

Auch mit Gemeindevertretern wurde teils schon gesprochen. Laut Neukom haben viele Gemeinden grundsätzlich positiv auf das Thema Windkraft ­reagiert. Ihm sei aber klar, dass es auch Widerstand geben ­werde.

Für die Standortgemeinden und Nachbargemeinden könnte es allenfalls eine finanzielle Entschädigung geben. Neukom stellte in Aussicht, die Idee eines Windzinses prüfen zu lassen, in Analogie zum Wasserzins bei Wasserkraftwerken.

Der Regierungsrat zeigte sich überzeugt, dass mehr Strom aus Windkraft gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise unverzichtbar sei.

«Unsere grösste Herausforderung ist, im Winter genügend Strom zu produzieren. Und Windstrom ist Winterstrom.»

Der nächste grosse Schritt bei der Umsetzung der Windkraftpläne ist eine Revision des Richtplanes, über die der Kantonsrat abschliessend entscheiden wird. Parallel dazu werden Gesetzesänderungen, etwa im Planungs- und Baugesetz sowie im Energiegesetz, ausgearbeitet, die danach ebenfalls im Kantonsrat behandelt werden. Diese sind im Gegensatz zur Richtplanrevision referendumsfähig und dienen dazu, die Bewilligungsverfahren für Windkraftanlagen zu beschleunigen. Dabei sollen aber nach wie vor alle rechtsstaatlichen Prinzipien beibehalten werden, so Neukom weiter. (liz/sda)