Rund die Hälfte aller Häuser, die heute in Dietikon stehen, wurden zwischen 1947 und 1975 erbaut. «Also noch bevor der erste grosse Ölschock richtig eingesetzt hatte», wie Heinz Villa betont. Auch lange, bevor die Katastrophe in Fukushima die ganze Welt von der Dringlichkeit eines umfassenden Umdenkens in Energiefragen überzeugte. Entsprechend schlecht ist die Ökobilanz vieler in die Jahre gekommenen Häuser in Dietikon: Öl und Gas dominieren als Wärmequelle, schlechte Isolationen verschleudern Unmengen an Energie. Doch was heisst das für die Besitzer? Müssen sie sich nun in den finanziellen Ruin stürzen, nur um der Umwelt etwas zu Liebe zu tun?

Nein, lautete das Verdikt an der Informationsveranstaltung «Starte! - Jetzt energetisch modernisieren», mit der Heinz Villa zurzeit durch den Kanton tingelt: Nein, denn langfristig lohne sich die Investition. Villa ist Energieberater bei der Zürcher Baudirektion, die zusammen mit den Elektrizitätswerken des Kantons (EKZ) und der Kantonalbank (ZKB) Gemeinden besucht, um direkt vor Ort etwas Licht ins Dunkel des Energiedschungels zu bringen. Denn dass die Energiewende auch hier noch lange nicht geschafft ist, und dass im Bereich der Liegenschaftssanierungen noch viel Energiesparpotenzial vorhanden ist, darüber sind sich alle Beteiligten einig.

Der Kanton geht von grob geschätzt 300 000 Häusern aus, die aufgrund ihres Alters energetisch aufgemöbelt werden müssten. «Genaue Zahlen sind schwierig zu errechnen», sagt Hansruedi Kunz, Abteilungsleiter Energie bei der Baudirektion. «Eigentlich müssten aber alle Häuser, die vor den 1980er-Jahren gebaut wurden, modernisiert werden, wenn sie es nicht bereits sind.» Klar ist, dass die Sanierungsphase im Kanton Zürich noch lange dauern wird: «Das Thema wird uns wohl noch gut 30 bis 40 Jahre beschäftigen», schätzt Kunz.

Geringer Aufwand, grosse Wirkung

Dass sich die Hauseigentümer nicht um Sanierungsmassnahmen reissen, liegt auf der Hand: Sie kosten Geld, sie sind ungemütlich und eine Schwemme an Angeboten und Ratschlägen erschwert es, sich für die beste Art der Modernisierung zu entscheiden. Dabei ist es gerade im Einfamilienhaus-Bereich von grösster Bedeutung, dass dem Umdenken auch Taten folgen. Denn rund 40 Prozent des gesamten Energiekuchens gehen im Kanton für den Bereich Gebäudeenergiebedarf drauf. Häufig würden schon geringe Massnahmen ausreichen, um diesen zu senken. So gehen etwa 80 Prozent der in einem Haushalt verschwendeten Energie über die Gebäudehülle verloren. Massnahmen wie Fensterersatz oder Keller- und Estrichisolationen könnten hier bereits viel bewirken.

Trotzdem wird noch zu wenig saniert im Kanton. Damit hiesige Hausbesitzer sich künftig eher überwinden, die Modernisierung ihrer Liegenschaft anzupacken, wollen der Kanton und das als Energiestadt zertifizierte Dietikon ihnen nun aufzeigen, dass Modernisierungen nicht nur aus ökologischer Sicht notwendig sind, sondern ihnen auch vorrechnen, dass sich die Investitionen auszahlen. Einerseits gibt es da eine Vielzahl von Subventionen im Rahmen von eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Förderprogrammen. Andererseits kommen Investitionen in Form von Steuerabzügen, Wertsteigerung der Liegenschaft und geringerem Energiebedarf allmählich auch wieder zurück.

Doch nicht jede Art von «guten» Energien ist für jede Liegenschaft geeignet - und in Dietikon zum Teil auch gar nicht möglich. So fragte am Informationsabend etwa ein Bewohner des Schachenmattquartiers, ob sein Haus nicht auch an den Fernwärmeverbund der Limeco angeschlossen werden könnte - eine saubere Energiequelle, die im benachbarten Limmatfeld und im Industriegebiet Silbern doch verfügbar und im Entwicklungsgebiet Niderfeld geplant ist (siehe Plan). Doch nicht so in seinem Quartier: Dort würde sich ein Anschluss nicht lohnen, so die Antwort.

Tatsächlich ist es wenig sinnvoll, Wohnquartiere mit vielen Einfamilienhäusern an ein Fernwärmenetz anzuschliessen, wie Energie-Abteilungsleiter Kunz erklärt. Die Überlegung sei eine wirtschaftliche, nicht eine technische: Einfamilienhäuser bräuchten in der Regel zu wenig Energie, um die Kosten für einen Anschluss zu rechtfertigen - besonders, wenn sie bereits energetisch saniert oder Neubauten sind. Für einen Fernwärmeanschluss müssten zwei Leitungen zu jedem Abnehmerhaus gebaut werden, dazu bräuchte es eine Wärmedämmung. «Verrechnet man das mit dem Energiebedarf eines Einfamilienhauses, würde ein sehr hoher Energiepreis pro Kilowattstunde resultieren», so Kunz.

Sinnvoller für ein freistehendes Einfamilienhaus sei, wo möglich (siehe Plan), eine Erdsondenwärmepumpe, andernfalls eine Luftwasserwärmepumpe - wobei letztere den Nachteil hat, dass sie bei tiefen Aussentemperaturen viel Strom frisst. «Je nach Liegenschaft kann auch eine Holzpelletheizung mit ergänzenden Sonnenkollektoren für Warmwasser zweckmässig sein», erklärt Kunz.

Welche Lösung für welche Liegenschaft am sinnvollsten ist, dafür gibt es keine allgemeingültige Antwort. Doch die Frage, welche Optionen einem in Dietikon überhaupt zur Verfügung stehen, kann etwa die Beratung bei der städtischen Energiebeauftragten Anita Binz-Deplazes klären. Die Hauptsache, so Binz-Deplazes, sei, dass sich allmählich etwas tut - oder eben: «Starte!» Jetzt.

Infobox: So sanieren Sie richtig
Damit bei der energetischen Sanierung Ihres Hauses alles rund läuft, sollten Sie diese Punkte beachten:
Achten Sie auf die Reihenfolge:
Modernisieren Sie der Reihe nach. Der Kanton schlägt vor: Zuerst den Bedarf senken (zum Beispiel mit Massnahmen an der Gebäudehülle), dann die Effizienz steigern (etwa mit dem Verzicht auf Geräte mit hohem Energieverschleiss), dann erst auf erneuerbare Energie umsteigen (etwa mit dem Einbau einer Erdwärmesonde).
Lassen Sie sich beraten:
Auch wenn der Wille, das eigene Haus zu sanieren, vorhanden ist, kann es schwer sein, alleine den Überblick zu behalten. Lassen Sie sich für Ihr Gebäude die am ehesten geeignete Lösung von Experten vorschlagen. Etwa bei der kostenlosen Vorberatung der Stadt Dietikon (Anita Binz-Deplazes: 044 744 36 12) oder bei Experten, die den mit Förderbeiträgen subventionierten und zertifizierten Gebäudeausweis (GEAK) ausstellen.
Legen Sie selbst Hand an:
Es gibt einfache Massnahmen, die handwerklich Begabte sogar selbst ergreifen können: Etwa die Kellerdecke oder den Estrichboden isolieren , damit weniger Wärme verloren geht.
Regeln Sie die Finanzierung:
Viele Banken bieten als Anreiz für nachhaltige Sanierungen günstige Konditionen an, etwa die ZKB mit ihrem Umweltdarlehen. Achten Sie zudem darauf, dass Investitionen in energetische Sanierungen als Unterhaltskosten von den Steuern abgezogen werden können, dass der Wert Ihrer Liegenschaft dadurch gesteigert wird und dass Investitionen mit dem dadurch gesenkten Energiebedarf im Haus langfristig amortisiert werden können. (rue)