Im Frühling wurde er noch als Jahrhundertsommer gehandelt. Jetzt, da der Herbstnebel herankriecht, hat sich die Euphorie längst verzogen. Der Sommer 2011 war ein Flop, der Juli zu kalt, zu nass, zu dunkel. Und auch wenn sich der August gerade nochmals aufbäumt und zeigt, was in ihm steckt – bei den Freibädern im Limmattal wird dieser Sommer frequenzmässig keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

«Das war einer der schlechteren Sommer, das gibt ein Streichresultat», sagt Oskar Schildknecht, Betriebsleiter des Hallen- und Freibads Fondli in Dietikon. Da habe auch der heisse Frühling nichts genützt, schliesslich liege die Hauptfrequentierungszeit zwischen Anfang Juni und den Sommerferien. Dank kombiniertem Hallen- und Freibad konnten die Besucher bei schlechtem Wetter zwar «im Trockenen» schwimmen. Schildknecht: «Das ist aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein; mit dem Hallenbadbetrieb erreichen wir niemals die gleiche Frequenz wie beim Freibad.»

Froh um das Regenwetter waren Schildknecht und sein Team lediglich nach der Sturmnacht vom 13. Juli, die in Teilen des Limmattals grossen Schaden angerichtet hatte. Das Gewitter hatte zwar die Freibad-Anlage übel zugerichtet; die Aufräumarbeiten dauerten mithilfe des Zivilschutzes gut drei Tage. «Aber zum Glück war das Wetter nach dem Sturm ebenfalls schlecht, so haben wir keinen Spitzentag verpasst», sagt Schildknecht.

Mai hui, Juni pfui

Bereits auf nächstes Jahr freut sich Hans Kaeser, Chef-Badmeister der Urdorfer Badi Weihermatt – dieses Jahr hat er abgeschrieben. «Diese Saison ist nicht gut gelaufen, die wichtigsten Wochenenden hat es verregnet.» Der Mai sei sensationell gewesen, aber in den Monaten Juni und Juli hätten sie nur gerade die Hälfte der üblichen Anzahl Eintritte registriert. «Und auch wenn sich der August jetzt von seiner schönen Seite zeigt, poliert das die Statistik nicht mehr auf.»

Ähnlich tönt es in der Birmensdorfer Badi Geren: «Obwohl sie im Frühling gut angefangen hat, war das eine schlechte Saison für uns», sagt Badmeister Süri Marcovic. Die Besucher, die dem Wetter trotzten, hätten sich aber die Laune nicht verderben lassen und seien immer aufgestellt gewesen. Und auch Marcovic selber ist das Lachen noch nicht vergangen, auch wenn er diese Saison eher die Funktion eines Gärtners denn die eines Badmeister gehabt habe. «Man kann ja am Wetter nichts ändern.»

Kurz war die Saison für das nigelnagelneue Bio-Schwimmbad Im Moos in Schlieren. Wegen der Umbauarbeiten startete sie erst Mitte Juli. «Ich bin zufrieden mit den Besucherzahlen, aber es könnte noch besser sein», sagt Chef-Badmeister Mihailo Nikic. Er sehe seit der Neueröffnung aber viele neue Gesichter.

Nikic freut sich auch über die Rückmeldungen auf die neue Anlage: «Die Reaktionen auf die Bio-Badi sind super», sagt er, insbesondere auf die Wasserqualität – das «Möösli» verzichtet auf die chemische Aufbereitung des Wassers – und auf die Wassertemperatur. Diese liege bei fast 25 Grad Celsius. Erfreulich sei auch, dass immer bereits bei der Öffnung um 9 Uhr die ersten Schwimmer eintreffen. «Deshalb habe ich jeweils auch bei schlechtem Wetter ab 9 Uhr bis kurz vor Mittag geöffnet», so Nikic.

Neoprenanzug statt Bikini

«Der Juli war für die Katz», sagt Doris Hängärtner, Leiterin des Freibades Zwischen den Hölzern in Oberengstringen. Während im April noch Rasen und Bäume vor dem Verdursten gerettet werden mussten, liess das Wetter vor den Sommerferien arg zu wünschen übrig. Just in diesem Zeitraum also, in dem die meisten Leute in die Badi wollen.

Trotzdem schreibt Hängärtner diese Saison nicht als «schlecht» ab, es gebe schliesslich jeden Sommer eine Schlechtwetterperiode. «Und viele Leute kamen trotzdem – mit Neoprenanzügen.» Gerade solche Gäste, die für Wettkämpfe trainieren, liessen sich den regelmässigen Schwumm nicht nehmen. Ausserdem sei die Wassertemperatur nie unter 20 Grad gesunken, so Hängärtner. «Ich habe auch viele Familien gesehen, die zum Spielen hierhergekommen sind.»

Ob ein warmer August die Saison noch aufzupolieren vermag, glaubt Hängärtner eher nicht: «Das ist ein psychologischer Effekt; nach den Ferien ist der Sommer für viele vorbei, dann wollen sie nicht mehr baden.»