Dietikon

Endlich nicht mehr die höchste Quote im Kanton: Gemeinde gibt Spitzenplatz bei Sozialhilfe ab

In Dietikon arbeitet die Sozialberatung eng mit der Fachstelle für Arbeitsintegration zusammen, sagt Sozialvorstand Philipp Müller (FDP). (Symbolbild)

In Dietikon arbeitet die Sozialberatung eng mit der Fachstelle für Arbeitsintegration zusammen, sagt Sozialvorstand Philipp Müller (FDP). (Symbolbild)

Seit Jahren sinkt die Sozialhilfequote in Dietikon. Dank erneutem Rückgang hat die Stadt nun erstmals seit langem nicht mehr die höchste Quote im Kanton. Einen Grund dafür sieht Sozialvorstand Philipp Müller in der erfolgreichen Arbeitsintegration.

Lange hatte Dietikon die höchste Sozialhilfequote im Kanton Zürich. Doch diesen undankbaren Spitzenplatz konnte die Stadt nun an Winterthur abtreten. 2018 lag die Sozialhilfequote im Bezirkshauptort bei 5,4 Prozent, wie die Stadt mitteilt. Gegenüber dem Vorjahr (5,8 Prozent) ist sie um 6,9 Prozent gesunken. Damit ist die Dietiker Quote nun tiefer als jene von Winterthur (5,6 Prozent) und ist beispielsweise auch näher an jene von Zürich (4,6 Prozent) und Kloten (4,9 Prozent) gerückt.

Kantonsweit ist die Sozialhilfequote von 2017 auf 2018 um 0,1 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent zurückgegangen, wie im Anfang Dezember erschienen Sozialbericht des Kantons Zürich zu lesen ist.
Für den Dietiker Sozialvorstand Philipp Müller (FDP) bestätigt die positive Entwicklung die städtische Arbeit.

Der Quotenrückgang sei nicht auf externe Faktoren wie das Bevölkerungswachstum oder einen Wirtschaftsaufschwung zurückzuführen. Konkret waren 2018 in Dietikon 1455 Menschen auf Sozialhilfe angewiesen – das sind 117 weniger als im Vorjahr. Und der Rückgang ist Teil eines länger anhaltenden Trends; 2014 lag die Sozialhilfequote in Dietikon noch bei 7 Prozent.

Kurzer Sozialhilfebezug vereinfacht Reintegration

Müller verweist zudem darauf, dass die Stadt viele Menschen wieder in den Arbeitsmarkt integrieren konnte. Denn eine möglichst kurze Verweildauer in der Sozialhilfe verbessere die Chancen für eine Reintegration. Die städtische Auswertung der Sozialhilfestatistik zeigt, dass 2018 in Dietikon 55,8 Prozent der Sozialhilfedossiers innerhalb des ersten Bezugsjahres abgeschlossen werden konnten. Dieser Wert liegt 6,5 Prozent über dem kantonalen Schnitt. «Unsere Bemühungen bei der Arbeitsintegration zahlen sich aus», sagt Müller. 

Bei 35,2 Prozent der Personen, die keine Sozialhilfe mehr benötigen, war der Grund dafür eine Verbesserung der Erwerbssituation. Das sind 1,6 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Grund dafür seien unter anderem die schnelle Abklärung bei der Erstanmeldung und eine zeitnahe Beratung durch die stadteigene Fachstelle für Arbeitsintegration, schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung. «Die Sozialberatung und die Fachstelle für Arbeitsintegration arbeiten sehr eng zusammen», so Müller. Nächstes Jahr will die Stadt die Ressourcen für die Arbeitsintegration weiter ausbauen. Die Entwicklung zeige, dass Dietikon den richtigen Weg eingeschlagen habe, sagt er: «Ich bin überzeugt, dass der Erfolg nachhaltig ist.»

Mehr Unterstützung vom Kanton gefordert

Müller ist optimistisch, dass die Dietiker Sozialhilfequote mittelfristig weiter sinkt. Doch der Einfluss der Stadt sei begrenzt. Generell leben in städtischen Agglomerationen – mit eher hohen Arbeitslosenquoten und hohem Ausländeranteil – verhältnismässig viele Sozialhilfebeziehende. «Um dieses strukturelle Problem zu lösen, sollte der Kanton für unsere Soziallasten einen besseren Ausgleich schaffen», sagt Müller.

Er verfolgt die kantonale Politik genau. Denn bald soll ein neues Sozialhilfegesetz in Kraft treten. Die Analyse der bereits seit Januar abgeschlossenen Vernehmlassung stehe kurz vor dem Abschluss, bestätigt Daniel Winter, Sprecher der kantonalen Sicherheitsdirektion. 

Philipp Müller, Dietiker Sozialvorstand (FDP)

Philipp Müller, Dietiker Sozialvorstand (FDP)

Die Vernehmlassung dauerte auch lange, weil das Gesetz bei diversen Gemeinden und der kantonalen Sozialhilfekonferenz auf viel Widerstand traf. Derzeit übernimmt der Kanton allgemein vier Prozent der anfallenden Kosten für wirtschaftliche Hilfe. Zudem erstattet er den Gemeinden die Sozialhilfekosten komplett zurück, die sie an Ausländer ausrichten, die noch nicht zehn Jahre im Kanton leben. Neu will die Regierung pauschal 25 Prozent der anfallenden Kosten übernehmen. Dabei würde Dietikon finanziell zu den Verlieren gehören. Deshalb schloss sich die Stadt in der Vernehmlassung dem Vorschlag an, diesen Kostenverteiler auf 50 zu 50 zu ändern.

Auch anderweitig steht eine Entlastung zur Diskussion: Zudem nahm der Kantonsrat Ende Oktober den Gegenvorschlag für eine parlamentarische Initiative der Dietiker Kantonsrätin Rosmarie Joss (SP) an. Demnach soll der Kanton neu 70 Prozent der in den Gemeinden anfallenden Ergänzungsleistungen übernehmen statt wie bisher 44 Prozent. Dietikon würde damit um jährlich rund 5 Millionen Franken entlastet, rechnete Joss vor. Weil die SVP das Behördenreferendum ergriff, wird das Volk über das Geschäft abstimmen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1