Birmensdorf
Eltern kämpfen für die Bushaltestelle «Sternenquartier»

Die Postauto Schweiz AG will Mitte Dezember die Haltestelle «Sternenquartier» auflösen. Die Behörden versäumten es, frühzeitig zu informieren - die IG SHS reichte nun eine Petition ein.

Florian Niedermann
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Wird aufgehoben: Die Haltestelle «Sternenquartier» in Birmensdorf.

Wird aufgehoben: Die Haltestelle «Sternenquartier» in Birmensdorf.

Limmattaler Zeitung

In den Birmensdorfer Quartieren Sternen, Haslen und Stöcken gehen Eltern von Schulkindern auf die Barrikaden. Der Grund: Die Postauto Schweiz AG plant, die Bushaltestelle «Sternenquartier» Mitte Dezember aufzulösen. Damit müssten rund 40 Kinder aus dem Quartier die stark befahrene Zürcherstrasse queren, um den Bus zur Schule im Dorf zu nehmen.
Über die Interessengemeinschaft Sternen, Haslen, Stöcken (IG SHS) reichten die Eltern bei der Primarschulpflege und der politischen Gemeinde nun eine Petition ein, mit der sie sich gegen die geplante Auflösung der Bushaltestelle wehren. Postauto Schweiz beschloss die Streichung dieser Haltestelle, weil die Platzverhältnisse vor Ort zu eng sind für Gelenkbusse, die künftig auf der betreffenden Postauto-Linie 350 verkehren.
Eine «unzumutbare Erschwerung»
Die Petitionäre verweisen in der Petition auf die Bundesverfassung. Diese hält fest, dass Kanton und Gemeinden Abhilfe schaffen müssen, wenn der Schulweg eine «unzumutbare Erschwerung des Schulbesuchs» darstellt. Sie sehen diese Voraussetzung mit der Auflösung der Quartierhaltestelle als gegeben. An der Zürcherstrasse sei der Fussgängerstreifen für Autofahrer schlecht sichtbar und es bestehe keine Ampel, sagt Magda von Keresztes von der IG SHS. Im Dunkeln sei diese Stelle sehr gefährlich. «Wenn dort bald Sechsjährige die Strasse kreuzen, kommt es unausweichlich zu Unfällen», sagt sie.
Neue Route, Schulbus oder Ampel?
Als Lösung für das Problem nennt die Petition mehrere mögliche Szenarien: Am liebsten wäre es den Eltern, wenn die Bushaltestelle bestehen bleibt und der Bus auf einer alternativen Route durch das Quartier verkehren würde, die auch für Gelenkbusse fahrbar ist. Falls das nicht möglich ist, soll die Primarschulgemeinde einen Schulbus organisieren. Eine weitere Option wäre ein Lotsendienst, der den Schülern über die Zürcherstrasse hilft. Und schliesslich wären die Eltern aus auch zufrieden, wenn eine Ampelanlage ihre Kinder auf dem Fussgängerstreifen über die Kantonsstrasse schützen würde.
Vorwürfe erheben die Eltern und die IG vor allem wegen der Kommunikation der Behörden in der Causa Bushaltestelle: Von der Auflösung habe man erst in den Herbstferien über ein Plakat erfahren, dass an der Haltestelle angebracht wurde, erklärt Keresztes. Und dies, obwohl die Auflösung bereits an der regionalen Verkehrskonferenz «Knonaueramt» vom 16. Mai 2013 kommuniziert wurde.
Die politische und die Primarschulgemeinde räumen ein, dass ihre Kommunikation in dieser Sache nicht optimal war. Man habe die Schulpflege schriftlich über das Protokoll der Verkehrskonferenz orientiert und sei davon ausgegangen, dass sie mit den Eltern in Kontakt trete, um nach Lösungen zu suchen, sagt Sicherheitsvorstand Reto Derungs (parteilos): «Gleichzeitig ging die Primarschule davon aus, dass wir aktiv werden. So fiel das Thema zwischen Stuhl und Bank.» Die Gemeinde habe an der Konferenz bei Postauto Schweiz gegen die Aufhebung der Haltestelle interveniert - allerdings ohne Erfolg.
Behörden suchen nach Lösung
Postauto Schweiz lehnt die Erschliessung der Quartierhaltestelle auch über eine Alternativroute ab, wie sie auf Anfrage mitteilt. Die Gemeinde wird nun umgehend aktiv, um mit der Kantonspolizei und der Primarschulgemeinde die Situation zu analysieren und eine Lösung für die Schulkinder anzustreben, wie Derungs erklärt. Einen Schulbus einzuführen, ziehe die Primarschulgemeinde derzeit nicht in Erwägung, sagt Primarschulpräsident Ernst Brand (SVP). Seit zwei Jahren können die Kinder aus den betreffenden Quartieren auf Kosten der Schulgemeinde mit dem regulären Bus zur Schule fahren. «Parallel dazu einen Fahrdienst anzubieten macht keinen Sinn und würde viel kosten.»
Die Schulpflege erachte den Schulweg für die Kinder aus dem Sternenquartier auch als zumutbar, wenn sie die Zürcherstrasse über den Fussgängerstreifen kreuzen müssten, so Brand. Ein Lotsendienst sei allenfalls durch die Eltern selbst zu führen. Von Keresztes entgegnet dem, dass es arbeitstätigen Eltern kaum möglich sei, morgens, mittags und abends einen Lotsendienst zu stellen: «Betreffend Lösungsvorschlägen sind wir aber offen für Diskussionen.»