Limmattal
Eltern haben die Wahl: Kitas sind teils zu wenig ausgelastet

In Dietikon kämpfen die Tagesstätten mit einer wachsenden Konkurrenz —andernorts mit zu wenig Platz.

Tobias Hänni
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Die meisten Krippen können sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen.

Die meisten Krippen können sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen.

Oksana Kuzmina

Vor kurzem hat der Dietiker Stadtrat der Kindertagesstätte «Chinderhus Suneblueme» die Betriebsbewilligung entzogen. Das ist nicht deswegen merkwürdig, weil die Krippe erst im letzten Frühling im Gewerbegebiet Silbern ihren Betrieb aufgenommen hat. Sondern wegen des Grunds für den Entzug: In der «Suneblueme» wurden zu wenig Kinder betreut. «Für eine Betriebsbewilligung müssen mehr als fünf Kinder an mindestens fünf Halbtagen betreut werden», sagt der städtische Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP). Liege die Zahl darunter, sei die städtische Sozialbehörde als Aufsichtsorgan nicht mehr zuständig. «Die Krippe hat nichts falsch gemacht. Für einen Betrieb dieser Grösse braucht es aber schlicht keine Bewilligung.» Die Krippe könne in dieser Grösse deshalb auch ohne diese weitergeführt werden. Und: «Sollte sich die Zahl der betreuten Kinder ändern, kann jederzeit ein Gesuch für eine Bewilligung gestellt werden.»

Natalie Zé-Hossmann, Geschäftsleiterin der Chinderhus Suneblueme GmbH, die auch in Oberrohrdorf und Fislisbach Tagesstätten betreibt, sagt: «Es dauert etwa dreiviertel Jahre, bis eine Krippe gut ausgelastet ist.» Inzwischen würden 13 Kinder betreut, und der Antrag auf eine neue Betriebsbewilligung sei bei der zuständigen Stelle schon in Bearbeitung. Trotzdem: Von den rund 50 Plätzen der «Suneblueme» ist nach wie vor ein Grossteil nicht besetzt. «Wir haben mehr erwartet», sagt Zé-Hossmann. Bislang würden aber auch erst jene Eltern ihre Kinder in die Stätte bringen, die sich die gesamten Kosten für einen Platz leisten können. Denn: Ohne Bewilligung kann die «Suneblueme» keinen Antrag auf subventionierte Plätze stellen, die das Betreuungsangebot auch für schlechter verdienende Eltern bezahlbar machen. «Wenn diese Plätze auf 2017 neu vergeben werden, werden wir einen Antrag stellen», sagt Zé-Hossmann.

Die Kindertagesstätte Suneblueme ist nicht die einzige, die in Dietikon mit einer tiefen Auslastung zu kämpfen hat. Nach rund fünf Jahren schliesst der Verein «Gemeinsam wachsen» auf Ende Jahr seine Kita Schildkrötli in Dietikon. «Weil die Auslastung zu tief war», heisst es bei der Geschäftsstelle. Die Nachfrage nach Krippenplätzen bestehe zwar, bloss könnten sich einen solchen nicht alle Eltern leisten. «Es gibt zu wenige subventionierte Plätze.»

Einen anderen Grund für die teilweise Unterbesetzung der Tagesstätten nennt Conny Beurer vom Kinderhaus Loki hinter dem Dietiker Bahnhof. «In den letzen Jahren sind extrem viele Krippen aus dem Boden geschossen.» Und auch wenn ihre Gruppen voll besetzt seien, so habe es aufgrund neuer Mitbewerber im letzten Jahr länger gedauert, bis die Plätze weg gewesen seien. Auf der anderen Seite habe das Kinderhaus aber vom neuen Quartier Limmatfeld profitiert.

Auch beim Kinderkrippenverein Dietikon, der mit vier Krippen und einem Hort grösste Anbieter in der Stadt, gibt es «keinen Grund zum Klagen», wie Treuhänder Martin Leiser von der Geschäftsstelle sagt. «Die Auslastung ist gut.» Auch die erst 2014 in Betrieb genommene Krippe 4 an der Schachenmattstrasse entwickle sich den Erwartungen entsprechend. Die gute Auslastung erklärt sich Leiser damit, dass der Verein bereits seit 60 Jahren in Dietikon tätig ist. «Bei uns werden bereits in zweiter oder dritter Generation Kinder betreut.» Als «dienstältester» Anbieter sei der Verein gegenüber Mitbewerbern deshalb im Vorteil.

Eltern haben grössere Auswahl

In anderen Gemeinden im Limmattal kämpfen die Kitas nicht mit einer zu tiefen Auslastung — im Gegenteil. So baut die Tagesstätte Stärneland in Geroldswil gerade aus, wie Geschäftsleiter Michael Hunziker sagt. «Wir könnten schon jetzt problemlos eine zweite Gruppe eröffnen.» Doch auch bei ihnen habe es zwei Jahre gedauert, bis die Kita voll ausgelastet gewesen sei. «Ich hatte die Erwartung, dass uns bei der Eröffnung die Tür eingerannt wird», sagt Hunziker.

Bei der Kinderkrippe «Am Rietpark» in Schlieren entspricht die Auslastung ein halbes Jahr nach der Eröffnung hingegen «absolut den Erwartungen», wie Karin Zumbühl, Geschäftsleiterin der Huetiberg GmbH, sagt. Aktuell seien 50 Prozent der Plätze besetzt oder fix reserviert. Mit einer vollen Belegung rechnet Zumbühl nach zwei Jahren. «Voll ausgelastet» sind die anderen Limmattaler Tagesstätten der Huetiberg GmbH in Birmensdorf und Urdorf.

Ähnlich tönt es bei der Firma Kimikrippen, die in Schlieren zwei Tagesstätten betreibt. «Wir waren überrascht, wie schnell die Plätze ausgebucht waren», sagt Denise Schürch, Verantwortliche Marketing und Business Development, zur Krippe Futura, die 2014 in der gleichnamigen Überbauung eröffnet wurde. Und auch der zweite Schlieremer Standort sei «sehr gut ausgelastet», ebenso die im August neu eröffnete Kindertagesstätte in Aesch.

Mit den beiden neuen Krippen «Am Rietpark» und «Futura» habe sich die Situation in Schlieren entspannt, sagt Fabio Pedretti, Bereichsleiter Administration und Projekte Soziales. «In der Vergangenheit war das Angebot nicht ausreichend.» Und: Es gebe Anzeichen, dass auch im nächsten Jahr eine neue Krippe hinzukommen könnte. Damit könnte auch in Schlieren der Wettbewerb zwischen den Kitas zunehmen. Was nach Denise Schürch von Kimikrippen nicht zwingend etwas Schlechtes ist: «Die Eltern haben eine grössere Auswahl. Wenn man ein so wertvolles Gut in fremde Hände gibt, macht das durchaus Sinn.»