Dietikon

Eltern gingen auf Lehrerin los und schlugen ihren Sohn: Bald kommen sie vor Gericht

Mitte September findet der Prozess am Bezirksgericht Dietikon statt.

Mitte September findet der Prozess am Bezirksgericht Dietikon statt.

Das Paar, das 2017 auf eine Dietiker Lehrerin losging, ist jetzt angeklagt. Laut den Ermittlungen haben sie noch mehr auf dem Kerbholz.

Sie werde sie und ihre Kinder töten, soll die Dietiker Mutter zur Lehrerin gesagt haben, nachdem sie das Klassenzimmer im Wolfsmatt-Schulhaus betreten hatte. «Die Drohungen unterstrich die Beschuldigte, indem sie versuchte, die Geschädigte mit ihren Händen zu greifen, was ihr aber nicht gelang», heisst es in der Anklageschrift. Dann kam die Polizei und führte die Mutter ab.

Der Mann der Angreiferin, der ebenfalls im Wolfsmatt aufgekreuzt war, soll beim Weggehen noch zur Lehrerin gesagt haben, dass sie die Aussagen seiner Frau ernst nehmen solle.

Bedroht mit dem Tode, konnte die Lehrerin vorerst nicht weiter unterrichten. Passiert war das am Mittwoch, 20. September 2017, um 8.30 Uhr. Vater und Mutter wurden noch vor Ort verhaftet. Die Mutter sass bis Anfang Dezember 2017 in Haft, der Vater bis Mitte Dezember 2017. Beide sind Schweizer, die Mutter wurde im Ausland geboren. Sie spreche Englisch und für die Gerichtsverhandlung brauche es eine Übersetzung, heisst es in der Anklageschrift.

Die Limmattaler Zeitung weiss: Mitte September verhandelt der Dietiker Einzelrichter den Fall. Die kantonale Staatsanwaltschaft für schwere Gewaltkriminalität schloss ihre Ermittlungen im Mai ab.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Paar noch weitere Delikte zur Last. So soll die Mutter ihren Sohn insgesamt 20 Mal geschlagen haben. Zum Beispiel mit einem Kleiderbügel. So stark, dass der Kleiderbügel zerbrach, heisst es.

Schritt die Kesb ein, weil der Sohn gewürgt wurde?

Auch der Vater soll den Sohn geschlagen haben. Zwei- bis dreimal pro Woche und das während mehrerer Monate, habe er das wehrlose Kind zum Beispiel mit der Faust in den Brustbereich und den Bauch geschlagen. Auch soll er mit seinen Füssen gegen das Bein des Knaben gekickt und dessen Bein mit einem Gürtel geschlagen haben. Schmerzende Kratzspuren und Hämatome sollen teilweise die Folge gewesen sein.

Am 19. September, einen Tag vor dem Vorfall im Klassenzimmer, muss die Situation offenbar endgültig eskaliert sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Vater das Kind mit den Händen am Hals packte und es während zwei bis drei Minuten würgte. Dem Kind sei schwindlig geworden und das Würgen habe zu roten Flecken am Hals geführt. «Der Geschädigte wurde durch das Verhalten des Beschuldigten in seiner seelischen Entwicklung gefährdet und musste am 19. September durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) fremdplatziert werden», heisst es in der Anklage. Statt die Schuld bei sich zu suchen, wollten die Eltern ihre Wut über den Kindsentzug offensichtlich an der Lehrerin auslassen.

Rauschgift, Waffen und eine illegale Töffli-Fahrt

Im Nachgang zur Verhaftung sollen die Ermittler ein einhändig bedienbares Klappmesser mit automatischem Mechanismus, ein Kleinkalibergewehr, fünf Randpatronen sowie eine Druckluftpistole beim Vater gefunden haben. Alles ohne Bewilligung und trotz seiner problematischen Abhängigkeit von Opioiden und Opiaten.

Im Dezember 2018 wurde er laut Anklageschrift zudem erwischt, wie er mit seinem Töffli über den Dietiker Bahnhofplatz fuhr, obwohl ihm das Strassenverkehrsamt schon 1993 den Führerausweis für alle Kategorien auf unbestimmte Zeit entzogen hatte.

Mitte September werden die Eltern ihre Version der Geschichte vor Gericht vorbringen können. Beide sind angeklagt wegen Drohung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht. Zusätzlich ist der Vater wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz und Fahrens ohne Berechtigung angeklagt.

Für den Vater sind zehn Monate Freiheitsstrafe unbedingt und eine Busse von 3000 Franken beantragt, für die Mutter eine bedingte sechsmonatige Freiheitsstrafe und ebenfalls 3000 Franken Busse.

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