An seiner letzten Sitzung hat der Dietiker Seniorenrat einen grossen Wechsel vollzogen. Nach fünf Jahren gab Elsbeth Preisig ihr Amt als Präsidentin des Seniorenrats an Jean-Pierre Balbiani ab (siehe Ausgabe vom Samstag). Der 67-jährige ehemalige Schulpräsident, der diesen Frühling nicht mehr zur Stadtratswahl antrat, setzt damit sein Engagement zugunsten der Stadt Dietikon fort. Die Limmattaler Zeitung hat ihn zu seinem neuen Amt befragt. Am Telefon ist ihm anzuhören, dass er seine Batterien seit dem Ende seiner Amtszeit als Stadtrat auffüllen konnte. Und damit bereit ist, die Stimme der Senioren in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Herr Balbiani, im Sommer endete Ihre 14-jährige Amtszeit als Stadtrat, jetzt sind Sie schon Präsident des Seniorenrats. War das so geplant?

Jean-Pierre Balbiani: Geplant habe ich nur, dass ich zuerst Ruhe wollte. Die hatte ich, und sie hat mir gutgetan. Dann kam diese Anfrage und ich dachte mir: Etwas will ich schon noch machen. Und der Seniorenrat ist etwas Gescheites, für das ich mich gerne einsetze.

Klären wir noch eine Begrifflichkeit: Fühlen Sie sich schon als Senior?

Überhaupt nicht. Das ist ja das Verrückte. Aber es stört mich nicht, wenn man mir Senior sagt. Denn es ist nun mal so: Ich bin jetzt AHV-positiv.

Inwiefern hatten Sie bisher mit dem Seniorenrat zu tun?

Als wir im Stadtrat das Altersleitbild diskutierten, das wir im Juni 2015 verabschiedeten, hatten wir natürlich auch Kontakt mit dem Seniorenrat. Zudem war ich als Schulpräsident begeistert davon, dass sich Senioren in der Schule Dietikon als Klassenbegleiter engagieren. Die Schule und der Seniorenrat arbeiten bei diesem sinnvollen Projekt sehr gut zusammen. Ansonsten hatte ich ehrlich gesagt noch keine grossen Berührungspunkte mit dem Seniorenrat. Im Prinzip bin ich ein völliger Quereinsteiger.

Sind Ihnen bereits Parallelen zwischen dem Stadtrat und dem Seniorenrat aufgefallen?

Der Seniorenrat ist als Verein organisiert. Der Vorstand hat wie der Stadtrat auch eine Ressortorganisation und die Ressortleitungen sind selbstständig und effizient. Als Präsident geht es darum, zu koordinieren und den Seniorenrat nach aussen zu vertreten.

Und was verbindet die beiden Gremien inhaltlich?

Der rote Faden ist für mich, dass es um Menschen geht. Das war mir schon immer wichtig. Als Seniorenratspräsident vertrete ich die Senioren, als Schulpräsident setzte ich mich für die Jugendlichen ein. Sowohl Senioren als auch Jugendliche machen einen gewichtigen Anteil der Bevölkerung aus. Wenn man die Aktivität der Senioren fördern kann, gibt es immer nur Gewinner. Nicht nur im Zusammenleben, sondern auch gesundheitlich und geistig. Der Seniorenrat wird sich auch künftig darauf fokussieren, dass die Interessen der Senioren wahrgenommen werden.

Wie politisch soll der Seniorenrat aus Ihrer Sicht vorgehen?

Sicher muss man auch auf der politischen Bühne tätig sein. Von dem her ist es ein Vorteil, schon ein Netzwerk zu haben. Es wird auch wichtig sein, dass wir uns als Seniorenrat beim Stadtentwicklungsdialog einbringen. Beim Altersleitbild war es auch sehr wertvoll, dass der Seniorenrat einbezogen wurde. Weitere Themen werden hinzukommen. Wir müssen die Ohren offen und die Nase in den Wind halten.

Haben Sie genug Ohren und Nasen? Wie schätzen Sie die Mitgliedersituation beim Seniorenrat ein?

Wir sind immer froh um neue Mitglieder. In dieser Altersgruppe gibt es immer wieder mal Krankheiten. Momentan sind wir gut besetzt, aber schon morgen kann es anders sein. Daher sind wir froh um alle, die mithelfen. Wir pflegen einen tollen Teamgeist.

Elsbeth Preisig hat dieses Team die letzten fünf Jahre angeführt. Wie gross sind ihre Fussstapfen aus Ihrer Sicht?

Die sind riesig. Da muss ich noch sehr lange trampen, bis meine Fussstapfen gleich gross sind. Elsbeth Preisig hat enorm viel gemacht für die Seniorinnen und Senioren. Sie hat den Seniorenrat sehr gut geführt. Ich übernehme somit kein einfaches Erbe.

Auch Sie hatten in Ihren Ämtern viel zu tun. Wie haben Sie die Zeit nach dem Abtritt aus dem Stadtrat erlebt?

Es war ein grosser Einschnitt. Erst im Nachhinein habe ich festgestellt, was damit alles wegfällt. Manchmal frage ich mich, wie das alles ging. Aber ich hatte es ja selber gemerkt, als ich vor drei Jahren leere Batterien hatte. In diesem Sinne war der Abschied aus dem Stadtrat auch eine Erleichterung. Aber es war eine gute Zeit, auf die ich sehr gerne zurückschaue.

Was geniessen Sie besonders an Ihrer neu gewonnenen Freiheit?

«Es macht Spass, die Politik aus der Distanz weiter mitzuverfolgen. Am schönsten ist es aber, die eigene Agenda wieder selbst bestimmen zu können.»