Unterengstringen

Elsbeth Hophan ist auch eine Überlebenskünstlerin

Elsbeth Hophan

Elsbeth Hophan

Für ein Leben als Künstlerin hat Elsbeth Hophan auf Planbarkeit und finanzielle Sicherheit verzichtet

Glück spielt immer wieder eine Rolle, wenn Elsbeth Hophan von ihrem Leben als professionelle Künstlerin erzählt. Etwa als sie zum richtigen Zeitpunkt dank dem Gestalten von Werbekalendern für grosse Unternehmen zu Arbeit kam. Planbarkeit und finanzielle Sicherheit sind zwei Aspekte, auf welche die Künstlerin aus Unterengstringen zugunsten ihrer Selbstverwirklichung bewusst weniger Wert gelegt hat. Aber auch wenn Glück in vielen Biografien entscheidend die Finger im Spiel hat, braucht es für ein Dasein als selbstständige Kunstschaffende weitaus mehr als das.

In ihren Dreissigern entschied sich Hophan, ihrem lang gehegten Wunsch zu folgen, und wagte den Schritt in die künstlerische Selbstständigkeit. Der entscheidende Impuls kam von ihrem damaligen Kunstlehrer Norbert Paprotny, der ihr Schaffen bis heute nachhaltig geprägt hat.

Davor hatte Hophan bereits viel erlebt: Sie machte eine Ausbildung und arbeitete als Floristin, war in den acht Jahren als Flugbegleiterin der Swissair viel um die Welt gekommen, besuchte die Gerantenschule und führte drei Jahre ein Café und arbeitete als Empfangsdame. Doch etwas hatten all diese Tätigkeiten gemeinsam: Mit der Zeit wurde Hophan die Routine zu viel. «Ich brauche immer wieder neue Herausforderungen», sagt die Malerin.

Zur richtigen Zeit eingestiegen

Als selbstständige Künstlerin sein Geld zu verdienen, ist eine grosse Herausforderung. Die Einnahmen durch Bildverkäufe fluktuieren stark, bezahlte Krankheitsausfälle und Ferien existieren nicht. Nicht zuletzt ist auch die Konkurrenz gross. Wer wahrgenommen werden will, muss aktiv um Aufmerksamkeit buhlen und sich gut verkaufen. «In der heutigen Zeit müsste ich wohl vieles anders angehen», sagt Hophan. Sie habe Glück gehabt, den Schritt in der richtigen Zeit gewagt zu haben. Heute sei die Künstlerdichte höher und viele ihrer Aufträge wie Werbekalender oder ihre therapeutische Malarbeit in der Bircher-Benner-Klinik sind längst Sparübungen zum Opfer gefallen.

Als extrovertierter und geselliger Mensch ergaben sich für Hophan immer wieder Gelegenheiten, um ihre Lebensgrundlage zu sichern. Über viele Jahre gab sie Malkurse für Erwachsene und später auch für Schüler in Unterengstringen. «Es ist schön, dass ich mir den Wunsch erfüllen konnte, mit Kindern zu arbeiten», sagt die Malerin. Wenn das Geld mal knapp wurde, half sie zwischendurch wieder im Service oder am Empfangsdesk ihres ehemaligen Arbeitgebers aus. Wie viele ihrer Artgenossen ist Hophan auch eine Überlebenskünstlerin.

Nicht zuletzt auch ihr soziales Umfeld ermöglichte es ihr, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Dank ihrem grossen Bekanntenkreis konnte sie immer wieder neue Kontakte knüpfen und öffnete so wieder neue Türen im Leben.

Mittlerweile ist die Künstlerin auf dem Papier pensioniert. Obwohl davon keine Rede sein kann: «Ich bin immer noch voll ausgelastet, muss es einfach altersbedingt etwas ruhiger angehen.» Denn neben der Malerei singt sie noch immer in Chören und pflegt liebevoll ihren Garten. Der Bilderverkauf ist weiterhin ein netter Zustupf. Sie lebt zwar auf eher kleinem Fuss, ist aber glücklich, dass sie sich ihren Lebenswunsch erfüllt hat.

Die eigenen Emotionen beim Malen auszudrücken ist für Hophan wichtig. «Man legt seine Seele offen auf den Tisch», sagt Künstlerin. Mit der Vernissage heute Abend zeigt sie im Bergdietiker Gemeindehaus erstmals seit über zehn Jahren wieder ihr Werk öffentlich (siehe Kontext). Als Urs Spörri von der Gemeinde sie anfragte, erschien ihr das Projekt zu anstrengend und gross. Doch dann packte sie die Motivation. Die Unterstützung ihrer Schwester Marlis sei bei den Vorbereitungen unverzichtbar gewesen, sagt sie. Die Ausstellung zeigt, dass sie sich parallel zur zunehmenden Lebenserfahrung künstlerisch stark weiterentwickelt hat. Über die Jahre hat sie viele neue Techniken ausprobiert und fand in der Kunst immer wieder das, was sie für ein interessantes Leben brauchte: neue Herausforderungen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1