Schlieren
«Elitärer Altherrenclub»: Rotary Club liebevoll auf die Schippe genommen

Der Rotary Club Zürich-Limmattal lud seine Mitglieder zu einer Lesung der Glossen des deutschen Journalisten Alexander Hoffmann ein. Hoffmann schrieb einen satirischen Text über den Verein, der aber «immer auch ein Körnchen Wahrheit enthält».

Meret Michel
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Lesung des Rotary-Clubs im Stürmeierhuus

Lesung des Rotary-Clubs im Stürmeierhuus

Meret Michel

Etwas mehr als dreissig Rotarier sind der Einladung an die Lesung der Glossen von Alexander Hoffmann ins Stürmeierhuus gefolgt. Nach Häppchen, Wein und einem entspannten Schwatz durfte man die satirischen Geschichten geniessen. Vorgetragen wurden sie vom Rotarier Erich Gerber, der sich zuweilen selber das Lachen nicht verkneifen konnte.

«Pröpcke», «Papke» und «Knödler» heissen sie. Sie sind aber nicht Figuren aus einem Kinderroman, sondern Präsident, Ehrenpräsident und Schatzmeister des fiktiven Rotary Clubs «Bröckedde». Ausgedacht hat sie sich der Journalist und Rotarier Alexander Hoffmann. Seit 2006 erscheint seine Glosse über den «RC Bröckedde» im Rotary Magazin Deutschland. Sie erfreut sich bei Klub-Mitgliedern im Nachbarland so grosser Beliebtheit, dass er inzwischen auch zwei Bücher mit einer Auswahl der Texte publiziert hat.

Überalterung und zu wenig Frauen

«Bei Rotary denken viele an einen steifen, elitären Altherrenclub», sagt Hoffmann. «Doch auch in solch einem Verein menschelt es gewaltig». So kam dem Autor die Idee, witzige Texte über den Verein zu schreiben. Eine Glosse sei ein satirischer Text, der aber «immer auch ein Körnchen Wahrheit enthält», so Hoffmann. In seinen Texten karikiert er auf liebevolle Weise das Innenleben eines Rotary Clubs und die Schwierigkeiten, die sich ihm stellen: keine Frauen, sinkende Mitgliederzahlen und ein Durchschnittsalter nahe beim Pensionsalter sind dabei Dauerthemen.

Ein Rotary-Club ist ein international vernetzter, regional organisierter «Service-Club», der neben dem sozialen Austausch auch humanitäre Ziele verfolgt. Die Hürden für eine Mitgliedschaft sind hoch: Man muss eine Führungsposition innehalten oder selbstständig erwerbend sein, einen Beruf haben, der noch nicht übervertreten ist, und man kann nur aufgenommen werden, wenn man von einem Mitglied vorgeschlagen wird.

Da erstaunt es wenig, dass das Durchschnittsalter der Schweizer Rotary Clubs bei 62 Jahren liegt, und viele Clubs keine weiblichen Mitglieder haben. «Wir haben beim Rotary-Club Zürich-Limmattal bereits einige Versuche unternommen, Frauen ins Boot zu holen», erklärt Christof Richard Glaus, der diesjährige Programmverantwortliche. «Bisher allerdings ohne Erfolg».

Gegen die Überalterung gibt es den «Rotaract Club», ein von Rotary International gegründeter Club für Menschen zwischen achtzehn und dreissig Jahren - ohne sonstige Einschränkungen. «Der direkte Sprung von Rotaract in den Rotary-Club ist allerdings schwierig. Deshalb gibt es bei den Mitgliedern im Alter von 30 bis 40 Jahren oft eine Lücke», erklärt Michael Schaffner von Rotaract Schweiz-Liechtenstein.

Doch die Herren nehmen es mit Humor. «Auch wenn das Elitäre sicher einen Teil ausmacht», so Hoffmann, «so haben wir es oft auch einfach lustig zusammen.»