Limmattalbahn
«Elektrobusse sind keine Alternative zur Limmattalbahn»

Für den Dietiker Stadtrat steht fest: Elektrobusse würden die Stauproblematik nicht entschärfen. Er erklärt zudem, wieso sich heute die künftigen Beitragskosten für die Stadtbahn noch nicht beziffern lassen.

Alex Rudolf
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«Fakten, Ansichten und fachlich nicht unterlegte Behauptungen stehen zuhauf im Raum. Bürger, die sich nicht eingehend mit der Limmattalbahn befassen, wissen kaum mehr, wo ihr Kopf steht.» Martin Romer, FDP-Gemeinderat

«Fakten, Ansichten und fachlich nicht unterlegte Behauptungen stehen zuhauf im Raum. Bürger, die sich nicht eingehend mit der Limmattalbahn befassen, wissen kaum mehr, wo ihr Kopf steht.» Martin Romer, FDP-Gemeinderat

In den Augen des Stadtrates von Dietikon ist ein Elektrobus keine Alternative zur Limmattalbahn. Dies geht aus seiner Antwort auf eine Interpellation von Gemeinderat Martin Romer (FDP) hervor. Romer wollte der Verwirrung um Fakten, Zahlen und Behauptungen rund um das Projekt ein Ende setzen, wie er schrieb. Dazu sprach er Themen an, bei denen die Meinungen von Gegnern und Befürworten auseinandergehen. Im Fokus stand die Frage, ob ein fahrleitungsloser Elektrobus eine gute Alternative zur Stadtbahn wäre, wie die Gegner des Jahrhundertprojekts geltend machen.

Der Stadtrat betont in seiner Antwort, dass Elektrobusse die Stauproblematik nicht entschärfen würden. «Der Hauptvorteil eines schienengebundenen Verkehrsmittels ist das Eigentrassee, das einen zuverlässigen Betrieb garantiert sowie grosse Kapazitäten zulässt», schreibt er. Eine Buslösung auf einem Eigentrassee würde mehr Land beanspruchen, da zwei separate Busspuren gebaut werden müssten. Für ein doppelspuriges Stadtbahntrassee brauche es derweil nur eines. Die Investitionen würden sich für beide Varianten in ähnlichen Grössen bewegen.

Doch auch die Befriedigung der Nachfrage sieht der Stadtrat mit dem Einsatz von Elektrobussen nicht gewährleistet. Dies gelte besonders für den Abschnitt Altstetten bis Dietikon. Zwar könne die geringere Kapazität eines Elektrobusses mit einer erhöhten Taktfrequenz ausgeglichen werden. Allerdings wäre ein verdichteter 7,5-Minuten-Takt der Elektrobusse nicht auf den 15-Minuten-Takt der S-Bahnen abgestimmt.

Weiter hält der Stadtrat fest, dass zwar in der Tat bei Bussen ein Trend weg von den Verbrennungsmotoren hin zu Elektromotoren zu beobachten sei. Doch gebe es erst wenige Städte – wie Braunschweig oder Wien –, die auf kurzen Strecken Elektrobusse einsetzen. Der Grund: «Die dafür nötigen Technologien sind zwar verfügbar, aber noch nicht ausgereift.» Eine Umstellung auf Elektrobusse bedeute zudem einen Systemwechsel, mit dem hohe Investitionskosten einhergehen.

Schiene geniesst mehr Akzeptanz

Auch bei der Wahrnehmung schneidet der Elektrobus bei den Kunden schlechter ab als die Stadtbahn. Denn: Schienengebunde Verkehrsmittel stossen bei den Fahrgästen auf mehr Akzeptanz, da sie komfortabler sind und ein angenehmeres Brems- und Beschleunigungsverhalten aufweisen, wie der Stadtrat schreibt.

Romer thematisierte in seiner Interpellation aber auch grundsätzliche Themen rund um die Limmattalbahn. «Behauptungen stehen zuhauf im Raum. Bürger, die sich nicht eingehend mit dem Projekt befasst haben, wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht», schreibt er. Er forderte die Exekutive auf, die Vor- und Nachteile für die Bevölkerung Dietikons, die sich durch den Bau der Stadtbahn ergeben, darzulegen. Die Exekutive verweist in ihrer Antwort darauf, dass die Limmattalbahn einen wesentlichen Teil des künftigen Mehrverkehrs abfangen solle. Entlang der künftigen Linienführung der Stadtbahn rechne man mit einer Entwicklungsdynamik. Zudem gebe sie Impulse für Investitionen und die weitere Stadtentwicklung. Ein Blick ins Glattal und nach Zürich-West zeige, dass die dortigen Tram-Projekte Auslöser privater Bauvorhaben seien. Allfällige Nachteile erwähnt der Stadtrat keine.

Mit einer Umfrage sorgten die Gegner der Limmattalbahn Ende Februar für Aufsehen. Eine von den beiden Vereinen «Limmattalbahn – Nein» und «Limmattalbahn – so nicht» veröffentlichte Studie, bei der 250 Personen befragt wurden, brachte zutage, dass sich 60 Prozent gegen die Stadtbahn aussprechen. Dabei operierten die Verfasser der Umfrage auch mit Zahlen ungeklärten Ursprungs. So wollten sie von Teilnehmern wissen, ob sie die jährlich wiederkehrenden Ausgaben von je zirka 3 Steuerprozenten – rund 800 000 Franken – in Schlieren und Dietikon befürworten würden.

Stadtrat kann Kosten nicht beziffern

Der Stadtrat legt nun dar, dass es für solche Aussagen keine Grundlage gibt, indem er erklärt, wie sich die Beitragskosten für den öffentlichen Verkehr zusammensetzen. So kosten die Leistungen im Einzugsgebiet den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) jährlich rund eine Milliarde. Davon werden rund 60 Prozent durch Abo- und Ticketverkauf gedeckt. Der Restbetrag wird nach Abzug der Beiträge von Bund und Nachbarkantonen je zur Hälfte vom Kanton Zürich und den Gemeinden übernommen.

Der Gemeindebeitrag berechnet sich durch ein Kostenverfahren. Darauf haben neben der Steuerkraft der Gemeinde auch die auf ihrem Gebiet liegenden Haltestellenabfahrten Einfluss. 2014 zahlte Dietikon 2,1 Millionen Franken, bei der Einführung der Limmattalbahn würde sich dieser Beitrag erhöhen, da mehr Haltestellenabfahrten hinzukämen. «Um wie viel der Gemeindebeitrag wächst, kann noch nicht gesagt werden, da sich bis ins Jahr 2022 das S-Bahn- und Busangebot sowie die Steuerkraft Dietikons verändern werden», so der Stadtrat.

Auch in puncto Sicherheit ortet Romer bei der Bevölkerung Unsicherheit. Ein Grund dafür dürfte die Häufung von Unfällen in Zusammenhang mit der Glattalbahn sein. Der Stadtrat verweist hierbei auf das Sicherheitskonzept, das im Konzessionsgesuch der Stadtbahn enthalten ist. Auch sei ein Sicherheitsbericht erstellt worden, der bestätige, dass die Bahn sicher betrieben werden könne.

Was mit den geplanten Investitionen für die Strassenprojekte an der Bern- und Überlandstrasse geschieht, wenn die Limmattalbahn nicht gebaut wird, wollte Romer ebenfalls wissen. Dafür sind 75 Millionen Franken aus dem kantonalen Strassenfonds reserviert. Die flankierenden Massnahmen sind Teil der Kreditvorlage der Limmattalbahn, über die der Kantonsrat am 30. März befinden wird. Werde die Vorlage abgelehnt, betreffe dies auch die Gelder aus dem Strassenfonds, so der Stadtrat. Der vorgesehene Ausbau würde dann vorerst nicht realisiert.