Schweizer Industriebetriebe können 5 bis 7 Prozent der Lehrstellen nicht mehr besetzen, wie kürzlich veröffentlichte Zahlen des Branchenverbands Swissmem zeigen. Vor allem in der Maschinenbaubranche sowie der Elektro- und Metallindustrie gibt es zu wenig Jugendliche, die eine Lehre beginnen möchten. In Limmattaler Industrieunternehmen scheint sich dieser Trend aber nur in Elektrobetrieben abzuzeichnen.

Bei der Firma Gribi Hydraulics in Schlieren etwa sind dieses Jahr gleich 200 Bewerbungen für eine Lehrstelle zum Polymechaniker eingegangen. «Dadurch konnten wir schon einmal vorselektieren und zum Schluss sogar zwischen mehreren geeigneten Jugendlichen auswählen», sagt Kurt Seiler, Produktions- und Montageleiter. «Die Lehrstellenvergabe läuft bei uns über Mund-Propaganda. So sind wir noch immer fündig geworden», sagt der Lehrlingsbetreuer.

Die richtige Herangehensweise

Die Logistiker-Lehrstelle, die die Schlieremer Küchler AG zu vergeben hatte, konnte ebenfalls mühelos vergeben werden. «Wir haben bisher immer Glück gehabt», so die Bereichsleiterin Antonietta Majoleth. Es sei nicht immer einfach, mal gebe es mehr Bewerbungen, mal weniger. «Doch wenn wir einen Lehrling gesucht haben, sind wir noch immer fündig geworden», so Majoleth. Es sei schwierig zu sagen, weshalb andere Betriebe mehr Mühe haben, ihre Lehrstellen zu besetzen. «Wir schreiben sie jeweils auf dem Lehrstellennachweis des Kantons aus», sagt sie. Vielleicht sei das mit ein Grund, weshalb man Lehrstellen bisher immer habe besetzen können.

Gleich verfährt die Tecton AG in Schlieren bei der Suche nach Lehrlingen. Auch ihre Stelle zum Polybauer ist erfolgreich vergeben worden. «Es ist bei uns noch nie ein Problem gewesen, jemanden zu finden», sagt Jael Fankhauser von der Tecton AG.

Irene Brändle, Berufsberaterin des Berufsinformationszentrum Urdorf (biz), bestätigt, dass die Limmattaler Metallindustrie und die Maschinenbauunternehmen für dieses Jahr nur noch wenige Lehrstellen offen haben. «Die meisten Stellen in diesen Bereichen waren im März weg», sagt Brändle. Besonders die Lehre als Polymechaniker sei bei den Jugendlichen beliebt. Angebot und Nachfrage deckten sich hier in etwa. «Es kann aber vorkommen, dass ein Betrieb, der Metallbauer ausbildet, keine oder wenige Bewerbungen bekommt», so die Berufsberaterin. Deshalb weise das biz die Schüler jeweils darauf hin, sich über solche Berufe zu informieren.

Ein Mangel an Lernenden zeichne sich hingegen in der Elektrobranche ab. Zurzeit sind noch acht Lehrstellen im Bezirk Dietikon offen, in der Stadt Zürich sind es sogar 38. Für den Beruf des Elektroinstallateurs würden oft Sek-A- Schüler bevorzugt, für die Lehre als Montageelektriker werde ein guter Sek-B-Abschluss vorausgesetzt, so Brändle. Oftmals würden Sek-A-Schüler aber nicht auf die Baustelle wollen und andere Berufe vorziehen. Sek-C-Schüler hingegen, von denen viele gerne den Beruf des Montageelektrikers erlernen würden, hätten wenig Chancen. Die schulischen Anforderungen seien für diese Schüler zu hoch, so Brändle.

Die Lino Stähli AG in Dietikon, die eine Lehrstelle als Elektroinstallateur zu vergeben hatte, wurde dieses Jahr aber fündig. In früheren Jahren sei es schwieriger gewesen, jemanden zu finden. «Es ist jedes Mal auch Glück, das mitspielt», so Geschäftsführer Philipp Bucher.