Oberengstringen
Eisstockturnier: Einen urchigen Sport zum Leben erweckt

Arosa? Davos? St. Moritz? Mitnichten. Der «Winterkurort» heisst Oberengstringen im Limmattal. Der ganze Dorfplatz erscheint vom Schnee wie überzuckert.

Christian Murer
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Eisstockschiessen synchron
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Im Fondue-zelt traf man sich nach dem Turnier zum gemütlichen Beisammensein
Eisstockschiessen in Oberengstringen
Auch die Kleinsten waren am Start der Adventswoche vertreten
Auf dem offenen Feuer wurde ein Tee zubereitet

Eisstockschiessen synchron

Christian Murer

Auf dem Eisfeld, das aus einzelnen weissen Kunststoffplatten wie ein Puzzle zusammengesetzt ist, üben Gross und Klein das Eisstockschiessen - eine urchige Sportart: Bereits im 16. Jahrhundert hatten sich vor allem Bauern und Handwerker die Winterzeit damit vertrieben. Am vergangenen Samstag liess die Oberengstringer Bevölkerung diese Tradition wieder aufleben.
10 Teams traten an
Insgesamt zehn Teams haben sich für das erste Eisstockturnier im Dorfzentrum angemeldet. Auf zwei Feldern wird der friedliche Wettkampf ausgetragen. Lukas Vogt, der Jugendbeauftragte der Gemeinde Oberengstringen, erklärt kurz die Regeln: «Der Grundgedanke des Spiels ist es, die Eisstöcke so nah wie möglich an der Daube - dem Zielpunkt - zu platzieren.» Pro Ausscheidungsrunde werden vier Durchgänge gespielt. Die Spielregeln sind rasch begriffen. Und ohne grosse Vorkenntnisse entstehen bei klirrender Kälte bald einmal spannende Spiele.
Das Team «Pneu Shop» der Familie Pallaoro mit Vater Sergio, Mutter Esther und den beiden Söhnen Diego und Luca spielt unter anderem gegen den Gospelchor, die Oberengstringer Lehrerinnen und Lehrer sowie gegen die Verantwortlichen der Jugendkommission.
Eisstockturnier wird wiederholt
«Eisstockschiessen vergleiche ich am ehesten mit Boccia», sagt Diego. «Die Wurftechnik auf dem Eis ist aber gar nicht so einfach.» Der 17-Jährige ist von der Sportart sehr begeistert. Auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Luca hat sichtlich Spass am Turnier.
Jens Naske vom Gospelchor schiesst zum ersten Mal den Eisstock: «Ich finde es einen lustigen Zeitvertreib», meint der Oberengstringer Pfarrer. Auch Lukas Vogt ist mit seinem «Juko-Team» ganz bei der Sache. Begeistert sagt er am Schluss: «Das Turnier wird am kommenden Samstag nochmals durchgeführt.» Wer dann auch mitspielen möchte, könne sich vor Ort dafür anmelden. «Man muss einfach um 13 Uhr auf dem Platz sein», sagt der Jugendbeauftragte.
Inzwischen dunkelt es langsam ein. Auf dem Eisfeld tummeln sich Kinder und Erwachsene, die sich auch nach Turnierschluss dort vergnügen, wo vorher um den Sieg gekämpft worden ist. Am offenen Feuer erwärmen sich all jene, denen die Kälte zu schaffen macht. Im Häuschen daneben können sich die Anwesenden mit einem Glühwein oder Punsch erwärmen. Und im Fonduezelt sitzen die Eisstockspieler und das Publikum bei einer gemütlichen Mahlzeit beisammen. Der Tenor der Anwesenden lässt sich aus den Gesprächen schnell heraushören: Sie alle finden den Anlass «eine tolle Sache».
Rangliste des Eisstockturniers: 1. Team des Elternvereins; 2. Schule Oberengstringen; 3. Jugendkommission; 4. Pneu Shop Familie Pallaoro.