Oberengstringen
Eishockey-Torhüterin erhält eigenen Weg – dort, wo sie früher zur Schule vorbeilief

An der Jubiläumsfeier ehrte Gemeindepräsident André Bender Florence Schelling und Chris Baltisberger für ihre Leistungen auf dem Eishockeyfeld. Rolf von Moos wurde zum Ehrenbürger ernannt.

David Hunziker
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Eishockey-Torhüterin erhält eigenen Weg – dort, wo sie früher zur Schule vorbeilief
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Rolf von Moos hat 40 Jahre in der Verwaltung gearbeitet
Chris Baltisberger wurde mit den ZSC Lions Schweizer Meister 2014

Eishockey-Torhüterin erhält eigenen Weg – dort, wo sie früher zur Schule vorbeilief

Sandro Zimmerli

Als Kind ging Florence Schelling an der «Schäfliweid» in Oberengstringen vorbei zur Schule. Bald wird dort ein Schild stehen, das in grossen Buchstaben ihren Namen trägt. Um die Eishockeytorhüterin für den Gewinn einer Bronzemedaille in Sotschi zu ehren, hat der Gemeinderat beschlossen, einen Weg nach ihr zu benennen. Stolz verkündete Gemeindepräsident André Bender dies an der gestrigen Feier zum 50-Jahr-Jubiläum des Gemeindehauses.

Nach der Eingemeindung von Höngg als Teil von Zürich rückte Oberengstringen an die Stadtgrenze. Weil die Bevölkerung schnell wuchs, musste die Infrastruktur der Gemeinde Anfang der sechziger Jahre schnell ausgebaut werden – so auch das Gemeindehaus. Die Grösse des Gebäudes wurde entsprechend so geplant, dass es die Verwaltung einer 14'000-Bürger-Gemeinde aufnehmen könnte. Zu seinem Geburtstag erhielt das Gemeindehaus nun einen neuen Lift geschenkt.

Rolf von Moos, ehemaliges Mitglied der Sozialbehörde, hat einen grossen Teil der Geschichte des Gemeindehauses hautnah miterlebt. 40 Jahre lang engagierte er sich in der Verwaltung. Dafür wurde er nun mit dem Ehrenbürgerrecht geehrt. Dennoch zeigte sich von Moos bescheiden und meinte, er sei bereits durch seine Tätigkeit reichlich belohnt worden. Diese Ehre müsste man sowieso auf viele Leute aufteilen.

Geehrt wurde ausserdem ein weiterer Oberengstringer Sportler: der Eishockeyspieler Chris Baltisberger, der in seiner ersten Saison als Stammspieler der ZSC Lions dieses Jahr Meister wurde.

Das heutige Gemeindehaus ist einem Schweizer Rekord zu verdanken

Neben den Geehrten stand gestern mit dem Gemeindehaus noch ein weiterer Protagonist im Zentrum der Feierlichkeiten. Es ist das erste richtige Verwaltungsgebäude der Gemeinde überhaupt und wurde im Dezember 1963 offiziell eröffnet. Von 1941 bis 1963 war die Kanzlei in einem ehemaligen Ladenlokal an der Dorfstrasse 45 untergebracht. Zuvor war es üblich, dass der Gemeindeschreiber und der Steuerbeamte ihre Arbeiten in den eigenen Wohnungen erledigten. Wer etwas von den Beamten wollte, musste am Abend in der Stube der Wohnung vorsprechen. Im Schulhaus stand der Gemeinde ein Archiv zur Verfügung. Als die Schulpflege diese Räume 1941 für eigene Zwecke benötigte, offerierte der damalige Gemeindeschreiber seine frei werdende Ladenlokalität an der Dorfstrasse. Oberengstringen zählte zu jener Zeit 750 Einwohner. Der Gemeinderat konnte der Gemeindeversammlung somit die Schaffung einer zentralen Kanzlei mit Archiv beantragen. Die 22 anwesenden Stimmberechtigten stimmten mit 17 zu 5 dem Antrag zu. Die jährliche Miete belief sich auf 840 Franken. Die Kanzlei an der Dorfstrasse wurde in den 1950er-Jahren zu klein. Der Platzmangel in den Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung hatte unter anderem mit einem beispiellosen Bevölkerungswachstum in Oberengstringen zu tun. Zwischen 1950 und 1960 stieg die Einwohnerzahl von 1242 auf 4088 an. Das entsprach einer Zunahme von 2846 Personen. Die Bevölkerungszahl von Oberengstringen ist binnen eines Jahrzehnts demnach um fast 230 Prozent gestiegen. In keiner anderen Gemeinde wurde diese Zahl übertroffen. Prozentual gesehen bedeutete dieser Anstieg also Schweizer Rekord. 1960 stimmten die Stimmbürger dem Landkauf an der Dorf- und Goldschmiedstrasse zu. Ein Jahr später genehmigten sie einen Kredit über 1,6 Millionen Franken für den Bau des neuen Gemeindehauses. Ende der 1970er-Jahre folgte das Zentrum, wenige Jahre später die reformierte Kirche. Sie umschliessen den heutigen Dorfplatz. (zim)