Spiel des Lebens
Eishockey-Playoff-Spiel - wenn der Knoten endlich platzt

Der Oberengstringer Philippe Schelling erzählt vom wegweisenden Eishockey-Playoff-Spiel in der Saison 2013/2014 mit Kloten gegen Davos.

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Philippe Schelling begann seine Karriere in der Jugend der GCK Lions.

Philippe Schelling begann seine Karriere in der Jugend der GCK Lions.

Fabian Sangines

Ungläubig blickte ich auf das Eis in Richtung unseres Goalies Martin Gerber und dachte nur: nicht schon wieder! Zum vierten Mal stand ich in den Playoffs und noch nie konnte ich mit meinen Teams (ZSC Lions und Kloten Flyers, d. Red.) eine Runde weiterkommen. Vergangene Saison lagen wir mit den Flyers im Viertelfinale gegen Davos in der Best-of-7-Serie mit 0:2 hinten, als die Bündner zu Gast in unserer Kolping-Arena waren. Somit standen wir einmal mehr mit dem Rücken zur Wand, obwohl die Stimmung im Team gut war und ich mich hervorragend fühlte. Die Vorbereitung auf das Spiel an diesem 15. März 2013 war wie immer in den Playoffs minutiös geplant.

Um 9:15 Uhr ass ich im Stadionrestaurant das Frühstück und absolvierte das Abschlusstraining vor dem wichtigen dritten Spiel. Nach dem Mittagessen ging ich nochmals nach Hause, um etwas zu schlafen. Zwei Stunden vor Anpfiff bin ich wieder in der Halle eingetroffen, bereit für den nächsten Kampf.

Zu Beginn des Spiels hatten wir extrem Mühe, Davos kam besser in die Partie. Das spürte ich auf dem Feld und mit einem 0:2-Serie-Rückstand beginnst du, langsam etwas zu zweifeln. Soll es das wirklich gewesen sein? Endet die Saison tatsächlich auf diese Weise? Das wäre unglaublich schade. In dieser Phase fehlte natürlich dann etwas das Selbstvertrauen und auch das nötige Glück. Das Spiel plätscherte vor sich hin, ich habe einfach meinen Job gemacht. Dann kam die 29. Minute: Unser Goalie Martin Gerber schlug mit dem Fanghandschuh seinem Gegner mitten ins Gesicht, dieser brach blutend zusammen. Gerber wurde mit einer 5-Minuten-Strafe und Restausschluss aus dem Spiel bestraft. Zu diesem Zeitpunkt sprach eigentlich nichts mehr für unser Weiterkommen – einzig jeder von uns wusste: jetzt erst recht.

Für mich war dieser Rückschlag der allerletzte Weckruf, um die Wende in dieser Serie noch zu schaffen. Und dieser Weckruf verfehlte seine Wirkung nicht. Mit einem unglaublichen Boxplay rettete ich mit meinen Teamkollegen zusammen das 0:0 über die fünfminütige Überzahl. Das verlieh uns Flügel. Ab da fühlte ich mich grossartig, mit neuem Selbstvertrauen. Die Pässe kamen präziser, die Checks wurden härter und in der 38. Minute gingen wir folgerichtig in Führung. Getragen vom Publikum besiegten wir Davos in diesem Spiel mit 2:1 und legten den Grundstein für unvergessliche Playoffs. Erst im Finale wurden wir von den übermächtigen ZSC Lions gestoppt – wo wir zwar super gespielt haben, der Gegner aber einfach besser war.

Aufgezeichnet: Fabian Sangines

In der Rubrik «Spiel des Lebens» erzählen Persönlichkeiten aus der regionalen Sportszene von ihrem denkwürdigsten Sportereignis. Heute: Philippe Schelling (29), der Eishockey-Profi spielt seit 2011 bei den Kloten Flyers. Zuvor war er bei den ZSC Lions