Sommerserie

Einsteigen, bitte! Wir fahren in die Zukunft

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Eine Seilbahn, ein riesiger Bahntunnel, eine doppelstöckige Autobahn, ein Stadtzürcher Tram, das bis nach Weiningen fährt: An Ideen dafür, wie man in der Region zukünftig pendelt, mangelt es nicht.

Fünf Ideen könnten den Limmattaler Verkehr nachhaltig prägen. Eine wartet nur noch auf das Ja des Bundesrats, der Bau der anderen liegt noch in weiter Ferne.

S-Bahn-Station Dietikon Silbern: Warten auf Bern

Bald ist klar, ob sich der Kampf der Stadt Dietikon, der Region und des Kantons gelohnt hat. Seit Jahren lobbyieren sie dafür, dass der Bund eine Haltestelle für die S-Bahnen im Dietiker Industriegebiet Silbern baut. Der Status des Projekts im sogenannten Ausbauschritt 2035 ist «offen».

Jetzt sagt das Bundesamt für Verkehr auf Anfrage: Im vierten Quartal dieses Jahres — also spätestens in vier Monaten — will der Bundesrat seine Botschaft zu der Vorlage veröffentlichen. Bis dann heisst es: Warten auf Bern.

«Wir lobbyieren natürlich hinter den Kulissen», sagt der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP). «Konkreteres kann ich naturgemäss nicht sagen.»

Die direkte Verbindung besitzt vor allem Hans Egloff, SVP-Nationalrat aus Aesch, der sich in Bundesbern für die Haltestelle einsetzt. Auch er lobbyiert. «Man kann das Thema bei Gelegenheit ansprechen, etwa beim Kaffee mit einem Bundesrat», sagt Egloff.

Was, wenn der Bundesrat die Station nicht ins Programm schreibt? Egloff: «Das wäre ein Rückschlag, aber kein Todesstoss.» Der nächste Schritt sei dann, in den Kommissionen des Parlamentes einzuwirken. Denn was am Schluss gebaut wird, entscheidet das Parlament.
Von der Haltestelle erhofft sich Stadtpräsident Bachmann «die Ansiedlung zukunftsträchtiger Branchen» und Arbeitsplätze für Hochqualifizierte, die idealerweise auch in der Stadt leben würden und Dietikon mehr Steuersubstrat bringen. Bachmann: «Wenn die Station nicht gebaut wird, findet dieser erhoffte Quantensprung nicht statt.» Einen Plan B habe man aktuell noch nicht.

Niderfeld-Silber-Seilbahn: Wo kommen die Pfeiler hin?

Google Maps: Niderfeld-Silbern-Seilbahn

Was für eine schöne Vorstellung: Wenn das Dietiker Niderfeld irgendwann überbaut ist, verlässt man morgens seine Wohnung, steigt in eine Seilbahn und wird rüttelfrei in das Dietiker Silbern-Gebiet gebracht. Von der Station Silbern (sollte sie gebaut werden) nimmt man dann die S-Bahn.

Ungefähr so stellt sich das die Stadt Dietikon vor. 2016 hat sie mit den Grundeigentümern des Niderfelds eine Machbarkeitsabklärung durchgeführt, die ergab, dass das Verkehrsmittel eine sinnvolle Lösung ist. «Die technische Hürde ist aber recht hoch, weil man das Gleisfeld des Rangierbahnhofs überqueren muss», sagt Severin Lüthy, Projektleiter Stadtplanung in Dietikon. Die banal klingende, aber komplizierte Frage lautet: Wo kommen die Pfeiler hin? Ausserdem müsse man klären, wie man die Seilbahn über dem Rangierbahnhof evakuieren könnte.

Deshalb ist klar: «Eine Seilbahn wie im Skigebiet, wie man sie sich klassisch vorstellt, wird es nicht», sagt Lüthy. Stattdessen denke man über einen People Mover (zu deutsch: Leutebeweger) nach, der an einem Seil gezogen wird, aber auf einer Brücke hoch über dem Rangierbahnhof fährt.

Ob und wann dieser People Mover gebaut wird, ist aber unklar. Stadtplaner Lüthy sagt: «Es ist nicht so, dass wir die Planung im Moment sehr intensiv verfolgen. Viel eher ist das Projekt eine visionäre Idee.» Der Bau der beiden Haltestellen, die der People Mover verbinden soll — also die Limmattalbahn-Station im Niderfeld (wegen der «Stopp-Limmattalbahn»-Initiative) und die S-Bahn-Haltestelle Silbern (unklar, ob sie es ins Bundesprogramm schafft) — ist denn auch ebenfalls unsicher.

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Aarau-Zürich-Bahntunnel: Entlastung für das Schienennetz

Die Schnellzüge, die das Limmattal ohne Halt durchfahren und den S-Bahnen Kapazitäten wegnehmen, könnten bald verschwinden. Denn das Bundesamt für Verkehr prüft ein Riesen-Projekt: Einen rund 28 Kilometer langen Bahntunnel von Aarau nach Zürich Altstetten.
«Für die Region wäre das sehr positiv», sagt Heinz Schröder, Fachplaner bei der Zürcher Planungsgruppe Limmattal. Denn es würde wohl den Ausbau der jetzigen Linie von vier auf sechs Gleise unnötig machen, den die Planungsgruppe ablehnt. Der Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) steht dem Tunnel grundsätzlich positiv gegenüber. Aber: «Es ist zweischneidig. Denn es ist möglich, dass das Limmattal dann Schnellzug-Anschlüsse verliert.»

Seine Stadt würde wie die Gemeinde Urdorf wohl untertunnelt. Als Standort für das Tunnelende sah das Bundesamt bei der Vorstellung im Jahr 2016 Zürich Altstetten vor. Auf eine entsprechende Frage konnte eine Sprecherin nicht ausschliessen, dass die Züge auf Schlieremer Gebiet aus dem Tunnel kommen könnten, weil man noch keine Details zum Projekt bekannt gebe. Stadtpräsident Bärtschiger sagt: «Es ist schwierig, zu sagen, ob ein Tunnelportal stören würde, weil noch keine konkreten Pläne vorliegen.» Wichtig wäre für Bärtschiger dann vor allem, dass sich das Tunnelportal in das Stadtbild einfügen und für Lärmschutz gesorgt werden würde.

Autobahn-Ausbau: Doppelstöckig oder mehrere Spuren

Das Bundesamt für Strassen will die Pannenstreifen der Autobahn A1 im Limmattal während Spitzenzeiten für den Verkehr freigeben – aber nicht vor 2023. Ausserdem will das Amt die A1 und A3 um je zwei Spuren ausbauen. Im Abschnitt des Dietiker Moors denkt man über eine zweistöckige Autobahn nach. Realisierungshorizont für den A1-Ausbau wäre das Jahr 2040. Die Gemeindepräsidenten sind grundsätzlich für eine Doppelstock-A1 offen.
Beim geplanten Ausbau der A3 auf sechs Spuren sieht das anders aus. Die Gemeinde Urdorf ist dagegen. Bauvorstand Danilo Follador (CVP) sagt, ein Ausbau würde das Risiko von zusätzlichem Verkehr mit sich führen. Im Ereignisfall wäre der Schleichverkehr durch die Gemeinde noch grösser. Deshalb will Urdorf eine temporäre Umnutzung des Pannenstreifens. Das Astra plant den Ausbau der Westumfahrung bis 2030.

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Bahn fürs rechte Limmattal: Neuauflage des «Lisbethli»

Vor sieben Jahren machte der ETH-Professor und Verkehrsplaner Ulrich Weidmann einen grossen Aufschlag. Er wollte die Trams in der Zürcher Innenstadt in den Boden verbannen und die Tramlinie 13 vom Frankental über Ober- und Unterengstringen bis nach Weiningen verlängern.

Auf den vergessenen Vorschlag angesprochen, sagt Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) sagt: «Das löst richtig nostalgische Gefühle aus.» Denn durch Weiningen fuhr schon mal ein Tram: die im Volksmund «Lisbethli» genannte Limmattal-Strassenbahn. Okle ist von einer Neuauflage nicht wirklich überzeugt: «Grundsätzlich ist eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu begrüssen. Aber ob ein Tram die richtige Lösung ist...» Weil man mit der Strassenbahn in die Stadt wohl 35 Minuten oder länger fahren würde, würden Weininger eher den Bus an eine S-Bahn-Haltestelle nehmen. Deshalb sei eine gute Busverbindung viel wichtiger.

Der Zürcher Verkehrsverbund prüfte vor einigen Jahren eine Tram-Verlängerung nach Weiningen, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt. Das Nachfragepotenzial sei aber zu tief gewesen. 

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