Vor drei Jahren und drei Monaten hatte die Limmattalbahn AG das Gesuch für den Bau der neuen Bahnstrecke beim Bundesamt für Verkehr (BAV) in Bern eingereicht. Nun ist ein grosses Etappenziel geschafft: Die Planer müssen sich vorerst nicht mehr mit den total 229 Einsprachen beschäftigen. Denn 225 sind fertig verhandelt und 4 sind bis auf weiteres sistiert, da sie das neue Niderfeld-Quartier in Dietikon betreffen, wo noch der Gestaltungsplan der Stadt abgewartet werden muss.

Die Limmattalbahn AG konzentriert sich nun auf die Bauvorbereitung. Zugleich wartet sie darauf, dass das Bundesamt für Verkehr die Plangenehmigung verfügt. Und damit den Bau bewilligt. Dies soll nicht mehr lange dauern. Ein Sprecher des BAV sagt auf Anfrage: «Alle eingereichten Projekte haben eine hohe Priorität. Dies trifft auch für die Limmattalbahn zu. Mit einem Entscheid ist im Verlaufe der ersten Jahreshälfte 2017 zu rechnen.»

Maximal 60 Fälle vor Gericht

Vor dem Entscheid tätigt das BAV noch amtliche Verhandlungen, zu denen sich Bahnplaner und Einsprecher treffen. Später könnte der BAV-Entscheid mittels Beschwerden vor das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen gezogen werden, im Extremfall bis vor das Bundesgericht in Lausanne.

Der Kreis der Personen, die eine solche Beschwerde einreichen könnten, beschränkt sich aber auf jene 60 Einsprecher, mit denen sich die Limmattalbahn AG in den Verhandlungen nicht einig wurde. Bei jeder dieser 60 Einsprachen muss das BAV nun entscheiden, ob es den Bahnplanern Recht gibt oder sie zu Projektänderungen verpflichtet. Der Gesamtprojektleiter und Geschäftsführer der Limmattalbahn AG, Daniel Issler, geht davon aus, dass 10 dieser 60 Einsprecher nicht beschwerdeberechtigt sind, da sie nicht zu den Direktbetroffenen gehörten.

Sollte jemand den BAV-Entscheid aber vor die Richter ziehen, kommt es nicht zwingend zu Verzögerungen, wie Issler erklärt: «Es läge am Gericht zu entscheiden, ob die Beschwerde eine aufschiebende Wirkung hätte. Dabei ist zu beachten, dass nur 12 der 60 Einsprachen die erste Bauetappe betreffen.» Issler ist weiterhin guten Mutes, dass der Bau im Herbst 2017 beginnt.

Was bleibt, ist die Spitalstrasse

Rund 30 der 60 Einsprecher, mit denen sich die Planer nicht einig wurden, sind Anwohner der Schlieremer Spitalstrasse. Diese fordern insbesondere, dass die Limmattalbahn nicht nur zwischen Reitmen und Spital, sondern zwischen Reitmen und der Urdorfer Luberzen unterirdisch verläuft.

Das BAV muss nun zwar über 60 Einsprachen entscheiden. Es hätten aber noch mehr sein können: Die Limmattalbahn AG ist sich mit total 70 Prozent der Einsprecher einig geworden. 161 Vergleiche wurden abgeschlossen. Der letzte war diesen Montag im Trockenen, als er vom Einsprecher unterschrieben in den Büros der Limmattalbahn AG am Bahnhof Oerlikon eintraf. Dort füllen die Vergleiche elf Bundesordner. Zu den 60 verbleibenden Einsprachen, den 161 Vergleichen und den vier sistierten Niderfeld-Einsprachen kommen noch vier Einsprachen hinzu, bei denen es sich um reine Entschädigungsforderungen handelt, man sich also nicht einig ist, wie viel die Limmattalbahn AG für den Landerwerb zahlen muss. Diese vier Fälle wird nicht das BAV, sondern die eidgenössische Schätzungskommission abschliessend beurteilen.

«Projekt ist besser geworden»

«Die vielen Gespräche mit Einsprechern haben sich gelohnt», bilanziert Issler. Er nahm die Einsprecher nicht als hinderlich wahr: «Im Gegenteil, das Projekt ist dank ihnen besser geworden.» Schon vor dem eigentlichen Plangenehmigungsverfahren hatten die Planer dafür gesorgt, dass möglichst wenig Einsprachen eingehen. So wurden Behinderten-, Velo- und Fussgänger-Verbände von Anfang an einbezogen. Zudem ging man 2012 auf alle 550 Personen zu, von denen Land erworben werden muss. «Angesichts der hohen Zahl an Direktbetroffenen waren wir froh, dass nicht mehr Einsprachen eingingen», sagt Issler.

Das zweite Plangenehmigungsverfahren, jenes zum Limmattalbahn-Depot, steckt derweil noch fest, bis der Kantonsrat die nötige Richtplanänderung beschliesst. Erst dann gehen die Verhandlungen zu den acht Einsprachen richtig los. Bei zweien wurden aber schon Vergleiche erreicht. Und eine ist zu spät eingegangen. «Wir werden aber auch mit diesem Einsprecher das Gespräch suchen, da er die Frist nur um einen Tag verpasst hatte», erklärt Issler.