«Offenbar hatte ich, als ich mit elf Jahren getauft wurde, schon eine philosophische Ader», sagt Plato, besser bekannt unter dem Namen Rolf Steiner, Kantonsrat, Gemeinderat und Präsident der SP Limmattal. Er höre noch immer auf seinen Pfadinamen, gibt Steiner zu.

Aber: «Es ist teilweise schon schräg, den Zoo-Direktor als ‹Chüngel› zu bezeichnen und den Direktor der Pädagogischen Hochschule mit ‹Bängel› anzusprechen», sagt Plato über Freunde, mit denen er vor mehr als einem halben Jahrhundert als «Wölfe» in den Wäldern von Zürich Hütten gebaut hatte.

Seit über 50 Jahren dabei

Seither ist Steiner im Pfadfinderverband aktiv. So scheint der Name der Jubiläumsausstellung zur Feier des 100-jährigen Bestehens der Pfadi Zürich «Einmal Pfadi – immer Pfadi?» wie auf Steiners Biografie zugeschnitten. Als Krönung seiner Karriere war er während zehn Jahren oberster Pfadfinder der Schweiz. Zu dieser Zeit sei in Jugendfragen politisch viel im Umbruch gewesen, sagt Steiner.

So kam es, dass er als Interessensvertreter der Jugend in einer Arbeitsgruppe des Bundesamts das erste Mal politische Luft schnuppern konnte. Heute leitet Steiner im Kantonsrat eine parlamentarische Gruppe, in der Vertreter aller Parteien die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen thematisieren.

Als Stiftungsrat der schweizerischen Pfadistiftung ist er zudem an Fundraising Projekten beteiligt. Zusätzlich unterstehen ihm drei Pfadheime. «Ich kann nicht gut Nein sagen», gesteht Steiner. So habe er nach und nach viele Aufgaben in der Organisation der Pfadfinder übernommen. «Ich versuche einfach, Dinge möglich zu machen.»

Plato trifft auf Salto

Steiner hat bei den Pfadfindern aber nicht nur lustige Spitznamen, das Knotenbinden und Feuermachen, sondern auch zu leben und zu lieben gelernt. In der rund 18-monatigen Vorbereitungszeit für das internationale Bundeslager 1980 ist er einem Mädchen namens Salto begegnet.

«Salti schlägt meine Frau heute keine mehr», sagt Steiner und lacht. Unter den wachsamen Augen von Plato und Salto haben rund 12000 Pfadis ihre Zelte aufgeschlagen. Die Beiden gaben schon damals ein gutes Team im Krisenmanagement. Nach einem zerstörerischen Unwetter und einem schweren Unfall mit Schwarzpulver hätten sie das Krisenhandbuch der Pfadfinder beinahe auswendig gewusst, erzählt Steiner.

Pfadi als Lebensschule

Die Samstagnachmittage verbringt Steiner heute inzwischen nicht mehr beim Knotenbinden im Wald, sondern geniesst die Sonne auf Balkonien oder räumt den Garten auf. Trotzdem hat die Pfadi in Steiners Leben einige bleibende Banden gesetzt. Ehrlich, treu, freundlich, genügsam, froh: So soll ein Pfadfinder sein. «Ich habe früh gelernt, dass es wichtig ist, sich für die Allgemeinheit einzusetzen und dass man in der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Menschen viel erreichen kann», sagt der Steiner.

Heute glaubt er in Diskussionen und Teamarbeiten zu erkennen, wer von seinen Gesprächspartnern in der Pfadi war. Trotzdem: Teamarbeit sei zwar immens wichtig, aber am Ende bleibe jeder für sein Handeln selber verantwortlich. Die Pfadi vermittelt Verantwortung, Initiative, Durchhaltewillen – alles Qualitäten, die Plato in seinem Alltag als Politiker gut gebrauchen kann.

Fazit: Steiner hat seinen Pfad im Leben gefunden.