Einen ganzen Tag waren die Jugendlichen im Rahmen eines Workshops für das Projekt «Stadtentwicklung Schlieren Südwest» in ihrem Stadtteil unterwegs, haben fotografiert, sich Notizen gemacht, und gemeinsam überlegt, was ihnen am Quartier gefällt und was weniger.

Das Quartier verändert sich

Die Fragen dazu gestellt haben der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin und die Soziologin Barbara Emmenegger. Brühlmann ist verantwortlich für das Projekt «Stadtentwicklung Schlieren Südwest», Emmenegger von der Hochschule Luzern ist die externe Betreuerin. Ihr Ziel ist es, mit den Anwohnern in Kontakt zu treten, um herauszufinden, wo sie der Schuh drückt. Oder eher: wo er später drücken könnte.

«Das Quartier wird in den kommenden Jahren einen rasanten Wandel durchmachen», erklärt der Stadtpräsident. Schon heute wird viel gebaut, hinzu komme die geplante Limmattalbahn. Mit dem Projekt «Stadtentwicklung Schlieren Südwest» möchte man bereits jetzt für die Anliegen der Bevölkerung hellhörig sein. So will man den sozialen Problemen, die im Zuge der Veränderungen entstehen könnten, besser vorbeugen können.

Einkaufszentrum statt Autos

Die Jugendlichen haben klare Vorstellungen für die Verbesserung ihres Quartiers: Anstelle der Autowerkstatt an der Badenerstrasse wünschen sie sich ein Einkaufszentrum, und im Quartier bräuchte es einen Starbucks. Ausserdem sollte der Fussballplatz besser beleuchtet werden, und vor der Migros am Kesslerplatz, wo man sich üblicherweise trifft, bräuchte es mehr Sitzgelegenheiten. «Das Bedürfnis ist offensichtlich gross, einen Ort zu haben, an dem man sich treffen kann», stellt Brühlmann fest. Dieser Wunsch findet sich nicht nur bei den Jugendlichen. In einem anderen Workshop des Projekts wurden erwachsene Bewohner des Quartiers zusammengeführt, um sich gegenseitig zu denselben Themen zu interviewen. «Auch hier war der Wunsch nach einer Begegnungszone stark spürbar», so Brühlmann.

Was bei den Jungen hinzu kommt, ist der Wunsch nach einem Raum, über den sie unabhängig von Erwachsenen verfügen können. Die Vorschläge reichen vom Sommerhaus an der Limmat bis hin zum eigenständig geführten Café – für die Finanzierung würde sich hoffentlich der Stadtpräsident grosszügig zeigen.

Besser als sein Ruf

Auch die optische Aufwertung des Quartiers ist den Schülern ein Anliegen: Mehrmals erwähnen sie die Enge des Quartiers. Es fehle an wirklich schönen Plätzen. Als Beispiel erwähnt ein Junge den Robinson-Spielplatz: «Farblos, langweilig, hat nichts mit Spass zu tun.»

Bei aller Kritik stellen die Jungen aber auch Positives fest. So habe das Schulhaus Kalktarren zwar einen schlechten Ruf, doch eigentlich sei es gar nicht so schlimm. Man gehe generell gerne dort zur Schule. Ähnliches sagt der Stadtpräsident auch über Schlieren: «Innensicht und Aussenwahrnehmung sind nicht immer identisch.»

Abwarten und beobachten

Wie die Ideen der Jugendlichen dereinst umgesetzt werden, dazu will sich der Stadtpräsident noch nicht äussern. «Im Moment geht es darum, herauszufinden, welche Anliegen vorhanden sind, ohne gleich an politische Massnahmen zu denken.» Etwas konkreter denkt Marcel Lepper von der Fachstelle Jugend. Zwar sei auch ein Sommerhaus kurzfristig schwierig zu organisieren; «Ein Grillfest an der Limmat ist aber sicher machbar.»