Shopping
Einkaufszentren der Region kämpfen ums Überleben

Betreiber von kleineren Einkaufszentren versuchen, mit unterschiedlichen Massnahmen den veränderten Marktbedingungen entgegenzutreten.

Florian Niedermann
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Leere Ladenlokale und Zersetzungserscheinungen setzen regionalen Einkaufszentren wie dem Schlieremer Wagi Shopping zu.

Leere Ladenlokale und Zersetzungserscheinungen setzen regionalen Einkaufszentren wie dem Schlieremer Wagi Shopping zu.

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Noch um die Jahrtausendwende galten sie als erfolgreiche Detailhandelsform, heute kämpfen sie gegen ihren Niedergang an: Kleinere Einkaufszentren in den Ortszentren von Schlieren, Dietikon oder Urdorf haben einen schweren Stand. Der wachsende Online-Markt und grosse Einkaufszentren wie in Spreitenbach graben ihnen zunehmend das Wasser ab. Neu entstehende Gewerbeflächen verschärfen den Verdrängungskampf zusätzlich.

Reagiert das Management eines kleineren urbanen Einkaufszentrums nicht, versiegen oft die Kundenströme, und bald müssen erste Läden schliessen, weil der Umsatz nicht mehr stimmt. Daraus entwickelt sich leicht eine Negativspirale, weil leere Ladenlokale auf die Konsumenten wenig attraktiv wirken und sie den gesamten Verkaufsstandort meiden. Umso mehr, wenn sich ein Einkaufszentrum darüber hinaus in einem schlechten baulichen Zustand befindet. Im schlimmsten Fall wird das Ladenangebot derart ausgedünnt, dass nur noch grosse Ankermieter wie Grossisten überleben: Das Zentrum stirbt aus.

Solche Zersetzungserscheinungen deuteten sich bereits vor einem Jahr auch im Dietiker Löwenzentrum an, das der Zurich Anlagestiftung gehört. Nachdem die traditionsreiche Papeterie Jenny dort ihr Geschäft aufgab, weil sich die Miete angesichts der erwirtschafteten Umsätze nicht mehr lohnte, wurde auch Kritik von anderen Ladenbesitzern laut: Sie beklagten rückläufige Kundenströme und stagnierende oder sinkende Umsätze. Die Vereinigung Zentrum Dietikon sagte damals, dass eine bauliche Auffrischung des Zentrums dringend nötig sei. Die Eigentümerin wolle mitziehen, liess Sabine Billeter von der Zentrumsvereinigung verlauten. Bisher hat sich jedoch noch nichts getan.

Billeter ist dennoch zuversichtlich, was die Zukunft des Löwenzentrums angeht: «Die Zurich plant eine Totalsanierung, bei der auch die Aussenfassade erneuert wird», erklärt sie auf Anfrage. Ein genauer Umsetzungstermin sei aber noch nicht bekannt. Die Zurich erklärt auf Anfrage, dass sich die Baumassnahmen wegen «geänderter Brandschutzvorschriften» verzögert hätten.

Der Laden, in welchem die Papeterie Jenny eingemietet war, ist zwar von einem Jeansgeschäft belegt worden. Doch am Eingang des benachbarten Ladenlokals ist heute ein Schild zu sehen, das auf einen Räumungsverkauf hinweist. Billeter sagt, dass sich das Management der Zurich ausserdem intensiv mit dem Ladenmix im Löwenzentrum befasse. «Wir sind froh, dass mit der Jeanskantine ein Kleinunternehmer das Lokal der ehemaligen Papeterie übernommen hat, und keine Kette», so Billeter.

Für den Standort sei es wichtig, dass Unternehmer mit Herzblut eine persönliche Beratung anbieten. «Das ist die einzige Chance für das Zentrum.» Billeter räumt ein, dass die Mieten für die Gewerbeflächen im Vergleich mit anderen Einkaufszentren «eher hoch» seien. Doch der Standort sei gut gelegen – umso mehr, wenn dereinst die geplante Limmattalbahn hier durchführen wird: «Im Dietiker Stadtzentrum trifft und verteilt sich dann der Verkehr, und damit auch die Menschen», ist Billeter sich sicher.

Für negatives Aufsehen sorgte vor einigen Wochen ein anderes Einkaufszentrum im Limmattal: das Wagi Shopping an der Schlieremer Zürcherstrasse. Gegenüber «20 Minuten» erklärte ein Angestellter eines dort eingemieteten Geschäfts: «Das Center ist eine Katastrophe – der schleichende Niedergang macht uns Sorgen.»

Leerstehende Ladenlokale, fehlende gemeinsame Werbeaktivitäten und uneinheitliche Öffnungszeiten würden dazu führen, dass die meisten Läden im Wagi Shopping – von den Ankermietern Aldi und Conforama abgesehen – in den letzten Jahren deutlich an Umsatz eingebüsst hätten. Und selbst Aldi liess verlauten, dass «durch die vielen Mieterwechsel und teils geschlossenen Läden» das Vertrauen der Kunden schwinde.

Ein Besuch vor Ort zeigt, dass sich das Einkaufszentrum auch baulich in einem schlechten Zustand befindet – dies, obwohl die Besitzerin UBS angeblich schon seit Jahren eine Aufwertung des Centers ankündigt: Heute bietet sich den Besuchern ein trauriges Bild. Ein grosser Teil des Passagio Restaurants im Erdgeschoss ist mit Absperrbändern abgetrennt: Der Boden ist teilweise stark beschädigt. Es herrscht eher Baustellenatmosphäre als Gemütlichkeit.

Die UBS sagt auf Anfrage, dass sie «in absehbarer Zeit» Näheres zur baulichen Aufwertung des Wagi Shopping bekannt geben werde. Die Einschätzung, dass das Einkaufszentrum keinen Erfolg mehr hat, teilt sie erwartungsgemäss nicht: «Sowohl das anhaltende Interesse bestehender und potenzieller Mieter als auch der aktuelle Geschäftsverlauf lassen sich als positiv bezeichnen», erklärt UBS-Sprecherin Sabrina Adam. Derzeit stehe nur ein Ladenlokal leer, dieser Leerstand sei aber «bewusst gewählt», weil man im Rahmen der Aufwertung das Nutzungskonzept dieser Gewerbefläche anpassen wolle. Und schliesslich will die UBS laut Adam nach der baulichen Erneuerung mit einer Agentur auch eine Werbestrategie für das Wagi Shopping erarbeiten.

Beim Zentrum Spitzacker in Urdorf sah die Situation noch vor kurzem ähnlich aus. Reto Schär, Leiter Immobilien bei der Inhaberin Migros-Pensionskasse, erinnert sich: «Es hatten sich Leerstände ausgebreitet.» Teilweise habe sich der Einkauf in die umliegenden Gemeinden verschoben. Im Mai 2013 reagierte die Eigentümerin, indem sie das Einkaufszentrum umfassend sanierte und um insgesamt 35 Wohnungen ergänzte. Seit Ende November sind die Ladenlokale bezogen. Hat sich die Situation für die Detaillisten und die Eigentümerin gegenüber früher verbessert? «Noch sind wir umsatzmässig nicht da, wo wir sein müssten», sagt Centermanager Gerhard Lang. Es dauere wohl noch ein Jahr, bis jene Kunden wieder in den «Spitzacker» einkaufen kämen, welche zuvor in andere Gemeinden ausgewichen sind. Die Gewerbetreibenden erhielten jedoch nur positives Feedback für das Zentrum, sagt er.

Nicht nur die Infrastruktur änderte die Migros-Pensionskasse beim Umbau. Auch das Ladenangebot und die Werbestrategie nahm sie unter die Lupe, wie Lang sagt. Dies führte dazu, dass heute neben der Migros unter anderem auch ein Denner und sogar Konkurrent Coop eingemietet sind. «Wir zielten beim Ladenmix auf eine hohe Kompetenz bei Produkten und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs», erklärt Lang. Denn, dessen ist er sich sicher: In allen anderen Dingen kann ein Einkaufszentrum wie der «Spitzacker» den Grossen in Spreitenbach nur schwer die Stirn bieten.