Das Volk stimmt zwar erst am 10. Juni ab. Aber am Mittwochabend konnten sich die Stimmbürger das erste Mal zu den Plänen der Limeco äussern und Fragen stellen. Die Betreibergesellschaft der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Dietikon will für brutto 90 Millionen Franken das Nachbargrundstück der heutigen Anlage, die Coop-Verteilzentrale, kaufen, um darauf eine neue KVA zu planen. Dazu organisierte der Quartierverein Limmatfeld eine Infoveranstaltung. Zu Gast waren Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi und der Leiter Strategieprojekte Markus Bircher.

Feusi erklärte den acht anwesenden Stimmbürgern, warum die Limeco das Grundstück braucht. Die KVA erreicht 2035 das Ende ihrer Lebensdauer. Neue Naturschutzbestimmungen und die engen Platzverhältnisse verhinderten einen Neubau auf dem selben Grundstück. Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) werde, obwohl erst 2012 ausgebaut, bereits zwischen 2030 und 2040 aufgrund des Bevölkerungswachstums die Leistungsgrenzen erreicht haben. Ausserdem müsse man die Versorgung der Regiowärme mit erneuerbarer Energie sicherstellen. «Wenn wir das Land nicht kaufen können, müssen wir unsere KVA 2035 herunterfahren und unsere Angestellten in diesem Bereich entlassen», so Feusi.

Patrik Feusi, Geschäftsführer Limeco

Patrik Feusi, Geschäftsführer Limeco

Das Coop-Areal sei ideal erschlossen, ideal gross und ist bereits Industriezone. Feusi sagte: «Deshalb ist es geradezu ein Glücksfall, dass Coop uns das Grundstück verkaufen will.» Er fügte an, dass Coop nur an die Limeco verkaufen will. Eine Zuhörerin stellte die naheliegende Frage «Warum verkauft Coop nur an die Limeco?» Feusi: «Das würden wir auch gerne wissen. Aber Coop hat gemerkt, dass für Limeco nur dieses Grundstück infrage kommt und ein übergeordnetes, öffentliches Interesse besteht.» Doch auch ein anderer Grund könnte mitgespielt haben. Laut Justizdirektion sind Enteignungen für Werke möglich. Damit sei «auch eine Enteignung für KVAs nicht per se ausgeschlossen».

Eine Vertreterin des Quartiervereins sagte zu den Verantwortlichen: «Ich setze ein Fragezeichen hinter Ihre Planungskompetenzen.» Sie verwies darauf, dass die ARA erst 2012 ausgebaut wurde und laut Limeco-Prognose schon 2040 zu klein sein wird. «Jetzt wollen Sie aber bei der Regiowärme 70 Jahre vorausplanen.» Feusi antwortete, man könne für die ARA und die KVA, basierend auf dem aktuellen Bevölkerungswachstum, gut etwa 15 bis 20 Jahre, bei der Regiowärme 60 bis 80 Jahre vorausplanen. «Aber ich gebe Ihnen recht. Was genau 2040 ist, können wir nicht sagen» Er fügte an: «Wir können nur nach bestem Wissen und Gewissen planen und Reserven schaffen, um auf alle Entwicklungen so gut wie möglich vorbereitet zu sein.» Nachfrage der Bürgerin: «Das Grundstück ist also überdimensioniert, damit man noch Reserve hat?» Feusi antwortete: «Ja, das ist korrekt.».

Verkehr halbiert sich

Die Limeco-Vertreter betonten in ihrem Vortrag die Vorteile eines Landkaufs und KVA-Neubaus. Strategieprojektleiter Bircher sagte: «Mit dem Wegfall der Coop-Lastwagen und der Vergrösserung der KVA würde sich der Verkehr, der heute von beiden Firmen ausgeht, halbieren.» Ausserdem versprach er, dass die Einlieferpreise für die Trägergemeinden um einen Drittel günstiger werden.

Feusi kam auch auf die Zukunft der Trägerschaft zu sprechen: «Das Ziel muss es sein, die Trägerschaft zu erweitern.» Damit bezog er sich auf die Gemeinden des Bezirks Horgen, deren KVA nach Planungen des Kantons um 2035 abgeschaltet wird. Der Müll käme dann wohl nach Dietikon. Feusi: «Diese Gemeinden sollen nicht nur an Vorteilen, sondern auch an den Risiken partizipieren.»

Peter Metzinger, Präsident des Quartiervereins Limmatfeld, Präsident des Komitees «Ja zum Kauf des Coop-Areals» und FDP-Gemeinderat sagte danach: «Angesichts der Tatsache, dass es bei der Abstimmung darum geht, wie sich das Gebiet direkt neben uns entwickelt, wäre es sicher schön gewesen, wenn mehr Leute gekommen wären.» Gleichzeitig fand auf dem Rapidplatz der Fiirabigmärt erstmals statt. «Ein dummer Zufall», sagt Metzinger. Nur dieses Datum sei möglich gewesen. «Ich freue mich auch, dass viele Leute auf dem Rapidplatz waren.»

Nächster Info-Abend: 7. Mai, 19.30 Uhr im Saal des «Limmi»-Spitals in Schlieren.