Dietikon
Eineiige Zwillinge aus unterschiedlichen Stilen eigenwillige Musik

JazzDietikon präsentierte mit dem Duo «Genetic Tango» eineiige Zwillinge, deren musikalische Welten weit auseinander liegen. Auf der Bühne harmonieren sie trotzdem erstaunlich gut.

Anina Gepp
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Das Duo "Genetic Tango" spielt witzige und eigenwillige Musik

Das Duo "Genetic Tango" spielt witzige und eigenwillige Musik

Anina Gepp

Dass eineiige Zwillinge nicht immer gleich ticken, hat das Duo «Genetic Tango» im Stadtkeller Dietikon bewiesen. Abgesehen vom Erscheinungsbild der Brüder – der eine trägt das Haar länger, der andere kurz und dafür Bart – liegen auch die musikalischen Wurzeln der Beiden weit auseinander. Während Urs Stirnimann klassische Gitarre an der Musikhochschule Zürich studierte, verbrachte Simon Stirnimann seine Studienzeit in Luzern und widmete sich dem Jazz.

Lieder vom Erneuerer des Tango

In ihrem ersten gemeinsamen musikalischen Projekt widmen sich die Zwillinge dem Tango. Die meisten Lieder stammen von Astor Piazzolla, dem grossen Erneuerer des Tango, der später Elemente der Klassik und des Jazz in die Musik hat einfliessen lassen. Entstanden ist der Tango aber um 1900 in Buenos Aires. Er vereinte europäische, argentinische und kubanische Musik.

Obwohl also für einmal Tango gespielt wurde und kein Jazz wie üblich, passte die Darbietung am Dienstagabend dennoch gut zu «JazzDietikon». Die Präzision, mit der Urs Stirnimann auf seiner Gitarre spielte, passte hervorragend zu den improvisierten Tönen des Saxofons. Jeder Einsatz stimmte auf den Punkt, die Zwillinge beherrschten sowohl die langsamen und leisen, als auch die schnellen und lauten Töne.

«Die warme Schönheit der Melodien steht der melancholischen Seite des Tangos gegenüber. Es ist eine Gratwanderung zwischen beiden Stimmungen, die ich dennoch nie als traurig oder deprimierend empfinde», sagte Simon Stirnimann. Astor Piazzolla vereine diese beiden Komponenten in seinen Liedern. Viele der Lieder sind aber für mehrere Instrumente geschrieben. Es sei eine Herausforderung, sie auf nur zwei Stimmen herunterzubrechen, so Urs Stirnimann. Einige wenige Titel stammten an diesem Abend von anderen Komponisten. Beispielsweise «Once I loved» von Antonio Carlos Jobin oder «Tango en Skai» von Roland Dyens.

«Konnte Augen nicht schliessen»

Dem Publikum gefiel der Abend. Paul Stehrenberger, der so gut wie jede Vorstellung von JazzDietikon besucht, sagte: «Die Musik von ‹Genetic Tango› ist witzig und eigenwillig. Die Beiden sind für mich Virtuosen.» Er höre jegliche Art von Musik, solange sie gut gespielt sei. Die Musik von «Genetic Tango» höre er aber lieber live. «Es ist Musik, auf die man sich einlassen und konzentrieren muss», so Stehrenberger.

Auch Christiane Ernst empfand die Musik des Duos als anspruchsvoll. «Ich konnte meine Augen nicht schliessen, weil ich wissen wollte, wie das alles funktioniert», sagte sie. Die Rudolfstetterin besucht oft und gerne klassische oder auch Jazzkonzerte und spielt selbst Klavier. An diesem Abend kam sie gemeinsam mit Marianne Gabriel in die Vorstellung. «Ich schätze an JazzDietikon vor allem die Nähe zur Bühne und die intime Atmosphäre.»