«Mein Ur-, Ur-, Urgrossvater kam vor über zweihundert Jahren hier nach Dietikon, um eine Arztpraxis zu eröffnen», erzählt Pit Wyss in seiner Rede zur Vernissage der 65. Ausgabe des Dietiker Neujahrsblatts. Der Gemeinderatssaal im Stadthaus ist gut gefüllt und die strahlende Novembersonne taucht den Redner in ihr warmes Licht.

Auf über 70 Seiten haben Hans Peter Trutmann von der Neujahrsblattkommission und der Ärztenachfahre Pit Wyss das Leben und Arbeiten einer der ersten Ärzte in Dietikon aufgearbeitet. Entstanden ist eine lesenswerte Schrift, die tiefe Einblicke in die Vergangenheit von Dietikon bietet. Denn wer kann besser über die Leiden und Sorgen der so genannt kleinen Leute erzählen als ein Hausarzt.

Landwirt und Arzt gleichzeitig

«Überhaupt möglich gemacht haben das Projekt die Schriften meines Vorfahren, Johannes Wyss-Schneebeli, genannt Jean», erzählt Pit Wyss mit sichtlichem Stolz. Dieser habe die Geschichte seines Vaters, des Dietiker Landarztes Johannes Wyss, der 1809 als junger Mann in die Limmattaler Gemeinde kam, aufgeschrieben. «Sie erzählt von einem Leben, von welchem man sich heute kaum noch eine Vorstellung machen kann», so der Dielsdorfer Architekt.

Sein Vorfahre habe zum Beispiel nicht nur als Arzt praktiziert. Zu jener Zeit sei es üblich gewesen, dass ein Arzt gleichzeitig Chirurg, Internist, Hals-Nasen-Ohren-Spezialist, Zahnarzt, Hebamme, Landwirt und Barbier gewesen sei. «Heute kann man sich das überhaupt nicht mehr vorstellen», meint Wyss am anschliessenden Vernissage-Apéro im Foyer des Stadthauses.

Schon ein wenig stolz

«Ich bin schon ein wenig stolz auf die diesjährige Ausgabe des Neujahrsblattes», sagt Hans Peter Truttmann von der Neujahrsblattkommission und Mitherausgeber der 65.Ausgabe. Er hätte sich vorher nicht vorstellen können, dass es möglich wäre, über das Thema Ärzte ein Neujahrsblatt herauszugeben.

«Ich glaube aber allgemein, dass es gerade für einen Ort wie Dietikon, der sich in einem enormen Wandel befindet, wichtig ist, sich ab und zu auch an die Vergangenheit zu erinnern», so Truttmann. Ansonsten würden viele Dinge einfach und schlicht in Vergessenheit geraten.
Für 20 Franken konnte man während des Apéros die neue Ausgabe des Neujahrsblatts erstehen.

Geschichten aus der Geschichte erzählen

Für den Dietiker Stadtpräsidenten Otto Müller ist die Herausgabe des Neujahrsblatts ein freudiger Anlass. «Mir gefällt die Art und Weise sehr, wie die Neujahrsblattkommission Geschichten aus der Geschichte erzählt», so Müller. Es sei hochinteressant, aus dieser Zeit zu lesen, und am Beispiel dieses Arztes erlebe man Dietikon um 1800 herum hautnah. «Eine gelungene und auf jeden Fall empfehlenswerte Lektüre», so der Dietiker Stapi.