Kaminfeger, Bienen, Curling-Spieler und Donald Trumps nahmen gestern Morgen Fahrt in Richtung Urdorf auf. Als die 700 Narren in Wollerau in den Extrazug einstiegen, wussten sie noch nicht, wohin die Reise führt. Via Wil und Winterthur erreichten sie nach zweieinhalb Stunden den Bahnhof im Limmattal, wo einige verwegene Urdorfer und die ansässige Knabengesellschaft mit Böllerschüssen die Fasnächtler empfingen.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Fasnachtsgesellschaft Fidelitas von Wollerau nach Urdorf kommt. Bereits 2012 landeten die Narren im Limmattal. «Wir sind sehr gerne wieder nach Urdorf gekommen», sagt Sacha Reichmuth, Organisator der Narrenfahrt. Mit der Rundreise in eine Ortschaft in der Deutschschweiz wird in Wollerau traditionell die Fasnacht eröffnet. Fasnächtler aus Ausserschwyz und dem Raum Zürichsee beehren mit einem Extrazug eine Gemeinde, wo sie mit Bündner Gestensuppe sowie Gehacktem und Hörnli verpflegt werden.

Die Narrenfahrt zieht durch Urdorf

Die Narrenfahrt zieht durch Urdorf

Organisation ist sehr aufwendig

Die Narrenfahrt ist nicht nur eine einzigartige Veranstaltung in der Schweiz, sondern auch organisatorisch eine Meisterleistung. Neben Bahnfahrt sind insbesondere die Gastgeber gefordert: «Es ist eine Herausforderung, die Gäste innert nützlicher Frist zu bewirten», betont Martin Büchi, Präsident der Clique Schäflibach aus Urdorf.

Urs Rimensberger, Gemeinderat von Urdorf, freut sich, dass die Narrenfahrt in diesem Jahr wiederum nach Urdorf kam: «Der zweite Besuch zeigt, dass Urdorf fähig ist, gelungene Grossanlässe mit vielen Freiwilligen zu organisieren.»

Die Anreise mit dem Zug gibt der Narrenfahrt die unverkennbare Charakteristik. Die Waggons sind reichlich mit Luftschlangen dekoriert und aus den Lautsprechern dröhnen Schlager zum Mitsingen. Sämtliche Passagiere sind verkleidet und tragen teilweise aufwendige Schminke. In zwei Gepäckwaggons sind kleine Pinten eingerichtet, wo Getränke verkauft werden. Dort trifft man sich, denn viele der Passagiere kennen sich von früheren Jahren.

Urdorf ist auch das Pulverdörfli

Es gibt Fasnächtler, die bei allen vierzig Narrenfahrten mit von der Partie waren. «Obwohl die Fasnachtsgesellschaft keine Werbung macht, ist der Zug stets ausgebucht», sagt Gründungsvater Hans Kaser. Niemand habe gedacht, dass eine Bieridee so lange Bestand hat.

Das Ziel der Reise ist jeweils nur unter einem kryptischen Namen bekannt. 2012 war Urdorf das Staudörfli. Dieses Jahr nannten die Organisatoren die Destination Pulverdörfli, weil in Urdorf zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine Fabrik Schiesspulver herstellte.
Am frühen Abend wurden die fremden Narren aus der Zentrumshalle vertrieben und in den Zug nach Hause gesetzt.

Dort konnten sie bis in den frühen Morgen die Eröffnung der Fasnacht feiern. Peter Leuzinger, Obmann der Clique Schäflibach und Chef des Organisationskomitees, ist zufrieden mit seiner Mannschaft. Gleichzeitig freut er sich auch, wenn er im kommenden Jahr nicht mit der Organisation beschäftigt ist und wieder als Gast an der Narrenfahrt teilnehmen kann.